Zecken kann es das ganze Jahr über geben

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Schon gewusst? Es gibt nicht nur eine Zeckensaison. Je nach Wetterlage kann es das ganze Jahr über Zecken geben.

Zecken entwickeln sich langsam

Zecken entwickeln sich im Gegensatz zu Stechmücken langsam, oft über mehrere Jahre, von der winzigen Larve zum erwachsenen Tier, erklärt die Wiener Veterinärparasitologin Prof. Dr. Anja Joachim vom ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal  Parasites).

Die aus den Eiern geschlüpfte Larve nimmt eine Blutmahlzeit ein und häutet sich anschließend zur Nymphe. Diese nimmt wiederum einmal Blut auf und häutet sich zur erwachsenen Zecke. Die Weibchen saugen noch einmal Blut und legen dann eine große Anzahl von Eiern in der Umgebung ab, aus denen eine neue Larvengeneration schlüpft.

Diese Entwicklung ist einerseits von der Umgebungstemperatur abhängig (je nach Zeckenart müssen die Bodentemperaturen bei mindestens 10 °C oder höher liegen), andererseits von der Verfügbarkeit von Wirtstieren. Dies ist wiederum unterschiedlich je nach Jahreszeit.

Mehrere Zeckenarten in Mitteleuropa

Hunde werden von mehreren Zeckenarten als Wirte genutzt. Am häufigsten handelt es sich um den „gemeinen Holzbock“. Diese Zeckenart ist je nach Temperatur vom März bis Juni und häufig auch im September unterwegs. Im Hochsommer ist es für diese Art meist zu heiß und trocken. Sie verbringt dann eine Ruhephase auf dem kühlen, feuchten Boden im Schatten in der Laubstreu. Die „Fuchszecke“ und die „Igelzecke“ sind Verwandte des Holzbocks. Sie kommen aber viel seltener auf Hunden vor. Holzbock-Zecken sind Überträger einer Reihe von Krankheitserregern, die bei Hunden, aber auch bei Menschen bedeutend sein können, allen voran die Borrelia burgdorferi.

Die „Buntzecke“ kommt nicht flächendeckend in Mitteleuropa vor, ist aber ebenfalls weit verbreitet. Vor allem erwachsene Weibchen und Männchen befallen Hunde. Diese Zeckenart kann bereits an gerade mal frostfreien Tagen aktiv sein. Dafür ist sie im Hochsommer kaum zu finden, denn sie bevorzugt kühleres, feuchtes Wetter. Wenn im Winter mildes Wetter herrscht, kann die Buntzecke auch in der kalten Jahreszeit Hunde  befallen. Diese Zeckenart überträgt die Babesien. Die Hundebabesiose ist eine gefährliche, nicht selten tödlich verlaufende Erkrankung, die durch den Befall der roten Blutkörperchen mit einzelligen Parasiten verursacht wird. In Gegenden, in denen die Buntzecke vorkommt, sollte ganzjährig für einen  Zeckenschutz bei Hunden gesorgt werden.

In einigen Regionen wird auf Hunden im Verlauf eines Jahres eine weitere Zeckenart gefunden: Die „Reliktzecke“. Sie ist nur regional verbreitet und vorwiegend bei warmem Wetter und vor allem in den heißen Sommermonaten unterwegs. Die Reliktzecke ist selten und spielt als Überträger von Krankheitserregern nur eine untergeordnete Rolle.

Wann ist ein Zeckenschutz ratsam?

Weil Zecken auch in milden Wintern und kühleren Sommermonaten aktiv sein können, empfiehlt Prof. Dr. Anja Joachim für Hunde in Mitteleuropa einen ganzjährigen Zeckenschutz, der in regelmäßigen Abständen erneuert werden muss. Bei einigen Zeckenschutzmitteln hängt die Wirkung davon ab, dass die Zecke Blut aufnimmt. Das heißt: Man findet trotz Zeckenschutz Zecken auf dem Hund, die aber meist nicht mehr lebensfähig sind. Zecken verlassen ihren Wirt nur ungern und stechen gelegentlich auch gut geschützte Hund. Die Blutmahlzeit wird dann aber vorzeitig beendet, weil die Zecke abstirbt und somit auch keine Infektionserreger mehr überträgt. Text/Foto: Marion Friedl

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Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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