Wenn Hunde am Fressplatz pinkeln
Copyright: Marion Friedl

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Normalerweise ist Stubenunreinheit kein Thema am Fressplatz, denn Hunde halten den Napf und die Umgebung sauber. Wie gesagt: Normalerweise. Denn es gibt auch Hunde, die sich sozusagen daneben benehmen. Doch wenn Hunde am Fressplatz pinkeln oder gar mitten hinein in den Napf – benehmen sie sich dann wirklich daneben? Oder wollen sie uns damit etwas mitteilen? Letzteres ist der Fall, denn Hunde setzen damit ein wichtiges Zeichen: Mein Napf, mein Futter – und zwar nur meins.

Hunde markieren und hinterlassen Botschaften

Hunde hinterlassen oft Pinkelbotschaften: Beim Gassi gehen wird an Urinmarken geschnuppert, um die neuesten Nachrichten im Gassi-Revier zu lesen. Und es werden eigene Marken gesetzt, damit andere Hunde etwas zu lesen haben. Auch stubenunreine Hunde kommunizieren mit ihren Pinkelspuren: Der Uringeruch unterscheidet sich nämlich: Mal riecht er nach Angst, mal nach Protest, mal nach Dominanz, mal nach Lust auf ein Date.

Auch die Pfütze beim Fressplatz oder gar im Napf ist eine Geruchsbotschaft: Der Hund markiert so sein Eigentum. Dieses Futter, dieser Fressplatz gehört mir und niemand anderem. Ich werde diese Futterstelle verteidigen. Das ist es, was der Hund pinkelnd mitteilt. Wer also solchen Ärger mit seinem Hund hat, muss die Ursache finden.

Häufige Gründe fürs Pinkeln beim Futternapf

Gründe können zum Beispiel Futterneid, Dominanzverhalten oder schlichtweg Hunger sein. Die Ursachen sind je nach Vorgeschichte des Hundes und je nach Haltungsbedingungen unterschiedlich. Ein Hund, der beispielsweise ein Streuner war, der hat sein Futter gegen andere verteidigen müssen. Das gilt auch für Hunde, die aus dem Tierschutz kommen – vor allem aus wenig artgerechten Tierheimen im Ausland. Gut möglich, dass es da eine Massenfütterung gab. Das bedeutet: Wer zuerst kam und dann auch noch erfolgreich die anderen vom Futter fern hielt, der wurde satt. Trödler, schüchterne Hunde, schwache Artgenossen oder Angsthasen gehen da häufig leer aus. Das sind einschneidende Erfahrungen und Auslöser, die der Hund beibehält – auch wenn er im neuen Zuhause keinen Grund mehr dafür hat.

Ein weiterer Grund kann die Haltung von mehreren Hunden sein. Futterneid kann auch da vorkommen. Außerdem wird die Rangordnung festgelegt, überprüft, verteidigt oder auch geändert. Futter ist die stärkste Währung bei Hunden – und genau die ist bei der Haltung von mehreren Tieren eben hart umkämpft und niemand will vom Reichtum bzw. der Nahrungsressource etwas abgeben. Aber deshalb muss man damit nicht leben.

Futterneid zwischen Hunden unterbinden

Wichtig ist es, Wege zu finden, die das Problem beseitigen. Wer mehrere Hunde hält, sollte alle gleichzeitig füttern, aber: Mit genug Abstand zwischen den Fressplätzen oder bei großem Futterneid auch in zwei verschiedenen Räumen. Manchmal hilft auch schon ein Sichtschutz zwischen den Futterplätzen. Aufsicht schadet nicht: Gibt es Zoff am Futterplatz, wird dieser sofort mit einem resoluten „Nein“ unterbunden und der Mensch stellt sich dominant und streng zwischen die beiden Streithähne. Von dieser Position bewegt er sich erst wieder weg, wenn beide (!) Hunde aufgefressen haben und sich von den Näpfen abwenden. Mit diesem Vorgehen hat der Mensch etwas wichtiges getan: Er hat beiden Hunden gesagt: Keiner von Euch ist Chef, denn der Boss bin ich und Ihr habt Euch nach mir zu richten. Das heißt: Der Boss will keinen Ärger, er passt auf, dass jeder sein Futter bekommt und er rügt Fehlverhalten.

Wichtige Regeln für Einzelhunde

Ist der Hund ein Einzelhund, dann sind fogende drei Dinge wichtig: Feste und verlässliche Fütterungszeiten, ausreichend große Portionen und Ruhe am Fressplatz. Kommt der Hund aus schwierigen Verhältnissen, wie etwa von der Straße oder aus nicht artgerechter Haltung, dann muss er lernen, dass dies nun anders ist. Und das geht am einfachsten mit diesen drei Maßnahmen, denn: Der Bauch bleibt nie leer, weil der Hund immer zur selben Zeit gefüttert wird. Die Portion macht satt und wird auch nicht geplündert oder weggenommen – nicht mal, wenn er ein Fresspäuschen einlegt. Die Ruhe am Fressplatz zeigt ihm: Da gibt es keine Störungen – nicht von anderen Hunden und auch nicht von Menschen. Er kann ungestört und in seinem Tempo fressen, muss dabei nicht wachsam sein, denn keiner will ihm Futter klauen, vorschnell den Napf wegräumen und säubern oder ihn vom Futterplatz vertreiben bzw. wegzerren.

Training gegen Aggressionen bei der Fütterung

Ist der Hund womöglich aggressiv und droht dem Menschen, der ihm eigentlich nur den vollen Napf hinstellen will, muss er lernen, dass das ein No Go ist. Füllen Sie den Napf, lassen Sie den Hund Sitz machen, stellen Sie den Napf hin und  dann darf er fressen. Macht er nicht brav Sitz, rücken Sie den Napf nicht heraus. Berührt der Po aber nur kurz den Boden und ist der Hund ruhig, weil er die Situation abcheckt, dann müssen Sie ganz schnell sein und diesen ruhigen, braven Moment nutzen: Stellen Sie ihm den Napf hin und loben Sie ihn mit einem anerkennenden „guter Hund“. Streicheln Sie ihn aber nicht, denn hierfür strecken Sie Ihre Hand in Richtung Hund und damit auch in Richtung Napf aus und das Spektakel würde sofort wieder losgehen.

Nach etwa ein bis zwei Wochen dürfte die Sitz-Nummer gut klappen, dann können Sie auch noch einen weiteren Schritt einbauen: Kommando Sitz, Napf hinstellen und „Guten Appetit“ sagen. Erst dann darf der Hund an den Napf. Will er schon vorher ran, sagen Sie „Nein“, er muss sich wieder setzen und aufs Kommando „Guten Appetit“ warten. Erst dann hört er wieder das Lob „guter Hund“. So zügeln Sie die Ungeduld des Hundes und fordern seinen Respekt ein.

Futterentzug ist tabu!

Wichtig: Sie müssen Geduld haben. Übungen am Fressplatz – ob Gehorsam mit dem Einzelhund oder Streitschlichtung bei mehreren Hunden – dürfen niemals mit Futterentzug enden. Manchmal ist es einfach schwierig, den klitzekleinen ruhigen Moment rechtzeitig zu erwischen, um das Futter zu servieren. Das dauert dann, aber wer resigniert aufgibt und sagt: Probiere ich es eben in einer Stunde noch mal, hat dem Hund das falsche Signal  gegeben: Nun hat der Hund die Erfahrung gemacht: Es gibt Futter, aber ich bekomme es nicht. Das bedeutet: Er muss darum kämpfen, es einfordern und verteidigen. Nahrung ist eben lebenswichtig und das wissen auch Hunde.

Bei schlechten Erfahrungen kommt hinzu, dass Sie dem Hund das Gefühl geben, es hat sich nichts zu früher geändert. Mal bekomme ich Futter, mal nicht. Der Hund weiß nicht, dass er in einer Stunde Futter bekommt, denn Hunde leben in der Gegenwart und sie scheren sich nicht um die Zukunft. Sie wissen nur: Ich habe jetzt kein Futter bekommen und ich will das Futter jetzt! Damit fühlen sie sich in ihrem Verhalten bestätigt. Hunde wissen nur, dass sie jetzt leer ausgegangen sind und ihr Tamtam ums Futter deshalb berechtigt war – also werden sie sich auch weiterhin „daneben benehmen“.  Übrigens: Hunde, die am Fressplatz markieren, pinkeln oft auch auf ihre anderen Habseligkeiten, wie z.B. Spielzeuge. Text/Foto: Marion Friedl

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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