Wenn die Katze kratzt und beißt

Copyright: Gerald Förtsch

Niemand wird böse geboren – auch aggressive Katzen nicht. Und doch gibt es diese fauchenden, kratzenden und beißenden Wesen, die sich drohend aufplustern und sogar knurren und spucken. Es gibt immer Gründe, wenn die Katze kratzt und beißt – und es gibt Lösungen.

Aggressivität entwickelt sich und hat Ursachen

Katzen merken sich Erfahrungen der prägenden ersten 12 Lebenswochen ein Leben lang. Macht das Kätzchen mit Tieren oder Menschen schlechte Erfahrungen, meldet sich diese Erinnerung bei späteren Begegnungen und sie faucht „verschwinde!“ Oft werden Katzen erst später zu Solisten: Der Mensch legt sich zunächst ein Tier zu. Soll später noch eine Katze einziehen, ändern sich Reviergrenzen, der Platz wird knapper und es gibt Zoff um Futter, Spielzeug und Frauchen. Bleibt der Konkurrent uneinsichtig, geht es rund. Je länger Katzen solo sind, umso kniffliger ist die Vergesellschaftung. Oft klappt dies ab dem etwa 6. Lebensjahr gar nicht mehr.

Streit ums Revier

Revierstreit gibt es auch unter Freigängern. Vereinfacht gesagt: Es geht nicht an, dass mir in meinen Revier eine andere Katze die Maus vor der Nase wegfrisst. Es könnte ja eine Hungersnot kommen und dann ist keine Maus mehr da. Vorsorglich kann es da schon passieren, dass die Katze kratzt und beißt wenn ein Konkurrent auftaucht.

Manchmal passt nur die Chemie nicht

Der Macho trifft den Angsthasen, der Faulpelz die Sportskanone: Unterschiede stören die Harmonie oder lassen sie gar nicht aufkommen. Wer eine zweite Katze will, sollte auf Ähnlichkeiten achten. Ein paar Probetage zeigen, ob was geht oder ob die Partnervermittlung ein Flop ist und die neue Katze wieder weg muss. Da hilft kein Abwarten nach dem Motto „irgendwann gewöhnen die sich aneinander“. Eine sensible Katze wird sich traurig isolieren, wenn sie unterdrückt wird. Das lässt den Haudegen dominanter werden. Daraufhin muckt der Trauerkloß auf – oft auch gegen den Menschen, was ein Hilferuf ist. Sie merken: Aggressionen schaukeln sich auf.

Eifersucht ist auch nicht schön

Plötzlich soll sich die Katze die Liebe ihres Besitzers mit einem Vier- oder Zweibeiner teilen. Prompt wird um die Liebe gekämpft und der Mensch kassiert einen maßregelnden Wadenbiss. Ohne Eifersucht werden solche Bisse auch bei der Heimkehr des Menschen spendiert. Das heißt dann: Du hast mich zu lang allein gelassen. Ignoriert man dies, verstärkt sich das Verhalten: Zerkratzte Möbel, Pinkelei und, und, und… Gegenwaffe, wenn die Katze kratzt und beißt: Zeit und Beschäftigung schenken.

Wenn sich trauernde Katzen ärgern

Schlimm ist die Trauer um einen gestorbenen Katzenpartner. Ein neuer Freund muss her? Achtung! Ein langjähriger Partner kann nicht einfach ersetzt werden. Das kann Trauer verstärken und für Ärger sorgen: Bedrängt der Neue die traurige Katze, fordert sie ruppig ihre Ruhe ein. Hält dies an, muss die neue Katze weg.

Auch das Alter macht mürrisch

Wird eine alte Katze vom Jungtier oder Menschen oft gestört, hebt sie ungeduldig die Tatze. Senioren wollen mehr schlafen, dösen oder nur beobachten. Erkrankungen und Verletzungen machen ebenfalls aggressiv: Früher kam Herrchen heim, hob die Katze hoch und ging mit ihr zum Kuscheln. Die Katze liebte das, doch von einem Tag auf den anderen kratzte sie beim Hochheben. Die Tierpsychologin merkte schnell: Das ist keine Aggression gegen den Besitzer; die Katze fühlt sich nicht wohl. Der Tierarzt stellte eine schmerzende Prellung fest.

Vorbeugung: Eigenheiten akzeptieren

Um Aggressionen vorzubeugen, müssen Eigenheiten akzeptiert werden. Jeder von uns hat Dinge, die er hasst. Das ist auch bei Katzen so. Verweigert die Katze stets einen Sprung, sollte man sie nicht zwingen. Sie wären auch böse, wenn Sie nicht vom Zehn-Meter-Brett springen wollen, aber der Hintermann Sie mit einem Schubs dazu zwingt. Die Folgen: Streit und Vertrauensverlust.

Erziehung für wilde Feger

Kratzen ohne Angst wird mit Klangschellen akustisch bestraft. Ist Angst im Spiel, muss mit Belohnung das Vertrauen „erkauft“ werden. Gegen zerkratzte Möbel hilft Zitronenduft, den Katzen meiden. Darf die Katze nicht ins Bett, muss sie immer verscheucht werden. Essensdiebstähle werden mit sauer präparierter Beute vermiest. Örtlich getrenntes Füttern mehrerer Tiere beugt Futterstreit vor. Werden Gäste attackiert, wird die Katze weggeschickt und nur freundliche Annäherung wird belohnt. Katzen dürfen sich zurück ziehen, versteckt sie sich aber aus Angst, sollte sie gute Erfahrungen machen (z.B. ein Mitbringsel). Futter aus der Hand fördert die Akzeptanz eines neuen Familienmitglieds.

Übrigens: Aggression ist oft Protest

Besucher werden als Eindringlinge attackiert, die Gerüche mitbringen, Unordnung machen und die Aufmerksamkeit des Katzenbesitzers pachten. Babys oder ihre Mütter werden angegriffen, wenn die Katze zu kurz kommt oder ferngehalten wird. Langeweile wird zu Frust und Aggression. Gleichgeschlechtliche Tiere streiten als Konkurrenten. In der Katzen-WG will jeder den besten Rang erobern und behalten. Ohne feste Futterzeiten protestiert die Katze. Werden Türen geschlossen, folgt Missmut. Zieht ein Mensch aus oder ein, meckert die Katze. Muss sie selbst umziehen, kann das Gleiche passieren. Fazit: Es gibt viele Gründe, wenn die Katze kratzt und beißt. Es ist wichtig sie heraus zu finden und darauf zu reagieren. Text: Marion Friedl / Foto: Gerald Förtsch

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Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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