Wann ist das Tierleben nicht mehr lebenswert?

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Wenn die Jahre auf dem Katzenbuckel oder dem Hunderücken zunehmen, dann verändert sich das Leben nicht nur für den Vierbeiner, sondern auch für den Menschen. Und irgendwann steht man vor der Frage: Ist dieses Tierleben noch lebenswert oder sollte der Liebling erlöst werden? Diese Gewissensfrage ist stets eine individuelle Entscheidung, aber es gibt Anhaltspunkte, die bei einer Beurteilung der Situation helfen können.

Das Tierleben hat im Alter einen anderen Takt

Ein Tierleben verändert mit den Jahren seinen Takt. Im Alter schlafen Hunde und Katzen mehr und die Gassi-Runden bzw. Freigänge werden kürzer. Senioren spazieren gemächlicher durchs Leben und sind nicht mehr so verspielt. Anstrengungen werden oft vermieden, Hitze schlechter weggesteckt und es stellen sich die einen oder anderen Alterserkrankungen ein, wie etwa Herzprobleme oder Arthrose. Auch die Blase zeigt altersbedingte Schwierigkeiten: Hund und Katze müssen öfter urinieren oder verlieren Urin, weil der Schließmuskel nicht mehr astrein funktioniert bzw. die Blase nicht mehr so lange wie früher unter Kontrolle gehalten werden kann. Die Fellpflege kann vielleicht nicht mehr komplett erledigt werden, weil das Tier im Alter nicht mehr so gelenkig ist, um schwer erreichbare Stellen zu putzen.

Auch der Mensch muss sich umstellen

Für den Menschen bedeutet das veränderte Tierleben eine Umstellung: Senioren brauchen Rückzugsorte vom Trubel. Kurze und langsame Spaziergänge bei erträglichen Temperaturen, wie etwa im Sommer morgens und abends, sind angesagt. Als Ersatz für zu anstrengende Spiele oder Sport können zum Beispiel ruhige Intelligenzspiele in Frage kommen oder auch bequeme Hindernisse, wie etwa weit auseinander stehende Alleebäume umrundet werden. Tiere, die sich weniger bewegen, brauchen auch ein altersgerechtes Futter, das sie nicht mehr mit so viel Energie versorgt.

Es sollten auch öfter Tierarztbesuche eingeplant werden, um beim Check up nach dem Rechten zu sehen. Liegen Erkrankungen vor, muss darauf Rücksicht genommen werden und die Fellnase muss zuverlässig die Medikamente bekommen. Wer öfter pinkeln muss, der muss entweder öfter raus und das vielleicht auch nachts bzw. Mieze ist dankbar, wenn das Katzenklo öfter gereinigt wird und wenn sie ein zweites oder drittes Klo bekommt, damit der Weg nicht so weit ist. Bei Inkontinenz sollte stets mit dem Tierarzt gesprochen werden und notfalls Windeln angelegt werden. Auch der Blick aufs Fell ist wichtig, denn eventuell brauchen Hund und Katze mehr Hilfe als bisher bei der Fellpflege.

Erlösen oder abwarten? Ehrliche Antworten sind nötig

Eines Tages taucht die Frage aber unweigerlich auf und es fällt schwer, zu entscheiden, ob für Hund oder Katze das Leben noch lebenswert ist. Wichtig ist, nichts zu beschönigen oder beiseite zu schieben, sondern grundlegende Fragen ehrlich zu beantworten. Wer dabei objektive und neutrale Hilfe braucht, kann gerne auch den Tierarzt fragen, wie er dieses Tierleben beurteilt.

Hier die grundlegenden Fragen in Sachen Lebensqualität:

  • Kann der Vierbeiner selbst und normal urinieren und koten?
  • Frisst und trinkt die Fellnase genug und mit Appetit?
  • Nimmt der Liebling noch interessiert am Leben teil?
  • Kann sich der Hund oder die Katze gut und schmerzfrei bewegen?
  • Sind Krankheiten eine Qual oder medikamentös gut im Griff?
  • Macht das Haustier einen leidenden Eindruck?

Signale für den Abschied

Es ist unendlich traurig, wenn ein Tierleben zu Ende geht, aber unsere Tiere zeigen uns oft, wenn für sie die Zeit gekommen ist, um zu gehen. Die einen ziehen sich zurück, verweigern Futter, wollen nichts mehr unternehmen und sehen aus wie das größte Leiden, weil sie Schmerzen haben und/oder alles zu beschwerlich geworden ist. Andere suchen bei ihrem Menschen Hilfe und eines Tages sieht der Zweibeiner den flehenden Blick, der nur eines sagt: Hilf mir, lass mich bitte gehen.

Dann ist es Zeit für immer Abschied zu nehmen, denn manchmal kann der Tod eine Erlösung sein. Er ist der letzte Liebesdienst, den der Mensch seinem geliebten Tier erweisen kann und er sollte den Liebling bis zum Ende begleiten, denn auch dieser letzte gemeinsame Weg in Richtung Regenbogenland gehört zum gemeinsamen Leben dazu. Text/Foto: Marion Friedl

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Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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