Vogel des Jahres 2020: Die Turteltaube

Copyright: NABU Michael Wimbauer

Die Turteltaube steht für Glück, Liebe und Frieden und ist Vogel des Jahres 2020. Traurig, aber wahr: Seit 1980 sind fast 90 % ihrer Bestände in Deutschland verloren gegangen. Was der kleinen Taube fehlt, sind geeignete Lebensräume, wie strukturreiche Wald- und Feldränder.

Weniger Lebensraum und giftige Nahrung

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) macht vor allem die intensive Landwirtschaft dafür verantwortlich, dass sich die Lebensbedingungen der Turteltauben verschlechtert haben: Die Ausweitung von Anbauflächen vernichtet Nistplätze, Rückzugsgebiete, Trinkstellen und Nahrungsgebiete. Außerdem vergiften Pestizide die Nahrung.

Jagd killt in Europa jährlich rund zwei Millionen Turteltauben

Hinzu kommt eine weitere Bedrohung: Unter den Tauben ist sie die einzige Langstrecken-Fliegerin, die den Winter in Afrika (z.B. Senegal, Gambia) verbringt. Vorausgesetzt, sie erreicht ihr Ziel, denn bei der legalen und illegalen Jagd werden allein in der Europäischen Union jährlich rund zwei Millionen Turteltauben getötet. Mit einer Petition will der NABU Bundesumweltministerin Svenja Schulze auffordern, sich bei der EU für einen Jagdstopp einzusetzen.

Kleiner, farbenprächtiger Vogel

Die Turteltaube gurrt nicht nur gerne ausdauernd, sondern hat einen zarteren und  eintönigeren Gesang als andere Tauben. Die rundliche Taube mit kleinem Kopf bringt es gerade mal auf 25 bis 28 Zentimeter Körperlänge und eine Flügelspannweite von 45 bis 50 Zentimeter. Das ist weniger als andere Tauben schaffen. Als Sonderausstattung hat der Zugvogel schlanke und spitze Flügel für einen schnellen Flug.

Auffallend ist sowohl bei Männchen als auch bei Weibchen das farbenfrohe Gefieder und das weiße Ende am gestuften, dunklen Schwanz. Oberkopf und Oberflügeldecken sind blaugrau, der Rücken und die inneren Oberflügeldecken sind rostbraun mit schwarzen Federmitten. An den Halsseiten schmückt sich die Turteltaube mit einem schwarz-weiß gestreiften Fleck. Kehle und Brust haben eine zarte rötliche Färbung. Und ohne Schminke geht gar nichts: Die orange bis rot leuchtenden Augen werden von einem rötlichen Lidring umrandet.

Eine Flugshow soll die Herzensdame beeindrucken

Mit einer eindrucksvollen Flugschau wirbt das Männchen im Frühjahr um seine Herzensdame. Kann er bei ihr landen, dann bauen beide ein flaches Nest im Gebüsch. Dort wird dann gebrütet und das Pärchen ist sich treu – zumindest für diese eine Brutsaison. In der Regel legt eine Turteltaube, die bis zu 13 Jahre alt werden kann, pro Saison zwei Mal je zwei Eier und zieht nach dem Schlüpfen die Küken maximal 23 Tage lang auf.

Nach der Brutsaison geht es ab in den Süden

Ist die Brutsaison zu Ende, geht es ab in den Süden. Zwischen Ende Juli und Anfang Oktober geht es meist auf der Route via Gibraltar gen Sahara. Die Wüste wird überquert und südlich davon ein Winterquartier bezogen. Dieser Flug könnte künftig noch gefährlicher werden, wenn sich wegen des Klimawandels die Wüsten ausdehnen und Wasser knapper wird. Gerastet wird auf dem Langstreckenflug vor der Querung des Mittelmeers und noch mal auf afrikanischer Seite. Schließlich muss Kraft getankt werden, denn die Sandwüsten müssen mit bis zu 60 km/h nonstop auf 700 Kilometern Länge überflogen werden. Der Rückflug nach Deutschland führt direkt zurück in das Brutgebiet des Vorjahres.

Lebensräume werden rarer

Auwälder, Lichtungen, Wald- und Feldränder sind hierzulande die Lebensräume der Turteltaube. Doch oft befindet sich das Turteltauben-Zuhause in einer nicht gerade ruhigen Lage in der vom Menschen genutzten Kulturlandschaft. Ihre Nester verstecken die Vögel in Sträuchern, jungen Laubbäumen, Hecken, auf Streuobstwiesen und im Unterbau von Nadelwäldern. Ihre Nahrung suchen Turteltauben auf dem Lande, aber dort sind offene, kultivierte Flächen mit Wasserstellen  rar geworden. Es mangelt an Wildkräutersamen entlang der  Feldwege und an Feldfrüchten aus Zwischensaaten. Viele Auwaldgebiete, Feldgehölze und Ackersäume sind verschwunden.

Der Bestand hat sich halbiert

Zu finden ist die Turteltaube hierzulande vor allem in Tiefebenen bis 350 Meter über Meereshöhe. Bei trocken-warmem Klima darf es auch gerne mal höher gelegen sein. In Süddeutschland lebt sie vorwiegend in Flusstälern. Die größten Bestände gibt es im Wendland, in der Altmark und in Rheinhessen. Nur vereinzelt lassen sich Turteltauben-Pärchen in Schleswig-Holstein blicken. Deutschlandweit gibt es nur noch schätzungsweise 12.500 bis 22.000 Brutpaare. Bis 2009 waren es doppelt so viele. In jedem Bundesland ging es zahlenmäßig bergab – in weiten Teilen Vorpommerns und an den nördlichen Mittelgebirgsgrenzen werden gar keine Turteltauben mehr gesichtet.

Rote Liste: National und global gefährdet

Inzwischen gilt die Turteltaube als stark gefährdet und steht leider nicht nur auf der nationalen  Roten Liste. Sie ist der erste vom NABU gekürte Vogel des Jahres, der auch als global gefährdete Art auf der weltweiten Roten Liste steht – und das auf einer Stufe mit dem stolzen Kaiseradler oder dem schillernden großen Hyazinth-Ara am Amazonas. Text: Marion Friedl / Foto: NABU Michael  Wimbauer

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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