Trauer um das Tier kennt keine Regeln
Copyright: Marion Friedl

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Wenn es heißt, für immer Abschied zu nehmen, ist das für keinen leicht: Nicht für das Tier und nicht für den Menschen. Es tut weh, denn das war nicht nur irgendein Tier – es war viel mehr: Freund, Partner, Seelenverwandter, Weggefährte in schönen und schlechten Zeiten. Ja, es war ein Familienmitglied und die Trauer um das Tier ist groß. Umgekehrt ist es genauso: Ob Hund, Katze, Meerschweinchen, Wellensittich, Pferd oder Schildkröte – egal, welches Tier: Es verlässt seinen Menschen nicht gerne, denn es war ein Leben lang treu und verbunden mit seinem Menschen, hat ihn geliebt und ist stets an seiner Seite durchs Leben gegangen. Es gibt keine Regeln, wie, wo, wann und wie lange man trauert, wenn ein wichtiger Teil von einem geht. Die Trauer ist eine sehr persönliche Angelegenheit, aber es gibt Ratschläge und Hilfen für Mensch und Tier, um so gut wie möglich durch den Trauerprozess zu kommen – und der beginnt oft schon vor der letzten Stunde.

Ein Abschied auf Raten ist immer schwer

Häufig kommt der Tod nicht von einer Minute auf die andere. Wenn der Tierarzt eine aussichtslose Diagnose stellt, dann beginnt der Trauerprozess schon geraume Zeit vor dem Tod. Diese letzte gemeinsame Zeit dauert – je nach Erkrankung – unterschiedlich lang, aber sie ist immer schwer. Der Mensch will diese Zeit für das Tier so angenehm und schön wie möglich machen, dem Liebling beistehen und ihn  begleiten. Gleichzeitig hat der Zweibeiner mit sich und seinen Gefühlen zu kämpfen. Das wiederum überträgt sich auf den todkranken Partner und er versucht tapfer durchzuhalten und kann nicht loslassen. So schwer es auch fällt und so hart es sich anhört: Verdrängen Sie den Gedanken, halten Sie an den gewohnten und geliebten Gepflogenheiten in Ihrem Team bei und wenn Sie merken, dass es immer beschwerlicher für Ihren langjährigen Freund wird, haben Sie den Mut zum letzten Schritt: Beraten Sie sich mit dem Tierarzt und vertrauen Sie seinem Rat, der ganz bestimmt nur das Beste für Ihr Tier zum Ziel hat. Bedenken Sie: Manchmal kann der Tod auch eine Erlösung sein und unnötige Schmerzen und Leiden ersparen. Auch ein Schamane kann bei der Entscheidung helfen, denn er kann Kontakt zum Tier aufnehmen und fragen, wie es sich fühlt und was es sich wünscht.

Begleiten Sie Ihren Liebling auf seinem letzten Weg

Ist die Entscheidung gefallen und die letzte Stunde gekommen, dann wird es besonders hart für den Menschen und auch für sein geliebtes Tier. Wenn möglich, dann gehen Sie den letzten Weg mit Ihrem Vierbeiner. Er hat sich ein Leben lang auf Sie verlassen und sich an Ihnen orientiert. Jetzt braucht er Sie ein letztes Mal: Geben Sie ihm Halt und Zuversicht, lassen Sie ihn noch einmal Ihre Liebe und Ihre Verbundenheit spüren und weisen Sie ihm noch einmal den Weg. Erleichtern Sie ihm mit der für ihn so wichtigen Souveränität und Führungsqualität die Entscheidung jetzt loszulassen und alleine weiter zu gehen. Ihr Partner vertraut Ihnen so wie er es immer getan hat und er verlässt sich auf seine Erfahrung, dass Sie nichts tun würden, das ihm schadet oder gefährlich werden könnte. Er weiß, dass Sie die richtige Entscheidung treffen und ihn sicher durch die Situation bringen werden.

Ihre Gefühle übertragen sich auf das Tier

Auch wenn es unendlich schwer fällt: All das hilft Ihrem Tier, aber nur wenn Sie die Fassung und Haltung bewahren. Sie erinnern sich: Ihr Verhalten, Ihre Gefühle und Ihre Stimmung übertragen sich auf das Tier. Da hilft leider nur eines: Zähne zusammen beißen und stark sein – Ihrem Tier zuliebe. Vermitteln Sie ihm das Gefühl der Ruhe, Geborgenheit, Sicherheit und Zweisamkeit. Es ist egal, wie Sie das erreichen: Ob Sie zum Fenster hinaus schauen, während Sie den sterbenden Freund im Arm halten, ob Sie ihn liebevoll streicheln und ihm noch einmal die liebevollen Worte sagen, die er zum Beispiel vor dem Einschlafen so gern gehört hat, oder ob Sie an den letzten Urlaub denken – egal, wie Sie es schaffen, die Haltung zu bewahren, tun Sie es, denn Sie geben damit Ihrem treuen Gefährten einen letzten Liebesbeweis. Wenn Sie das nicht schaffen, dann lassen Sie Ihren Liebling besser allein in der Obhut des Tierarztes für immer einschlafen. Ja, das klingt kalt und hart, aber es hilft dem Tier mehr beim Loslassen als ein weinender, leidender Mensch, der in seiner Trauer nicht mehr ein noch aus weiß und keine letzte Richtung vorgeben kann.

Die Art der Bestattung ist eine persönliche Entscheidung

Die nächste Etappe des Trauerns beginnt unmittelbar nach dem Tod des pelzigen oder gefiederten Freundes. Man muss entscheiden, wie das Tier bestattet werden soll und man tritt den Heimweg alleine an oder mit dem reglosen, verstorbenen Tier. So individuell die Trauer ist, so individuell ist auch die Art der Bestattung: Ob Grab auf dem Tierfriedhof, Urne im Wohnzimmer, Verstreuen der Asche, letzte Ruhestätte im Garten (wenn es erlaubt ist), ein Grab für Tier und Mensch, Einzeleinäscherung oder Sammel-Verbrennung bei der Tierkörperbeseitigung, der Gang zum Tierpräparator – es gibt viele Möglichkeiten und die richtige Art ist die, die Sie wählen und nicht die, die andere Menschen womöglich von Ihnen erwarten. Beispiel: Eine Einzeleinäscherung ist teuer und nicht jeder kann sich das leisten und dann fällt die Wahl vielleicht auf die Sammelerbrennung bei der Tierkörperbeseitigung. Das bedeutet keinesfalls, dass Ihnen das Tier egal war, dass Sie nicht trauern und das Sie künftig weniger gefühlvoll an Ihren verlorenen Freund denken. Hören Sie nicht auf das, was andere sagen und urteilen.

Bestattung und Trauer: Hören Sie auf sich und Ihr Herz

Ob Bestattungsart oder Trauerzeit – hören Sie auf sich, Ihr Herz und Sie können sich sicher sein, dass Ihr Vierbeiner es verstehen und Ihre Entscheidung akzeptieren würde. Nur darauf kommt es an. Das gilt auch für Menschen, die scheinbar herzlos sagen: Es war doch nur ein Tier. Seien Sie diesen Menschen nicht böse, denn diese Leute wissen es vielleicht nicht besser, weil sie selbst kein Tier haben oder Sie wollen Ihnen mit diesem Hau-Ruck-Verfahren vielleicht nur helfen und Sie aus der Trauer heraus reißen. Sie aber wissen – egal, was die Wissenschaft sagt – auch Tiere haben eine Seele und mit dieser Seele werden Sie erbunden bleiben. Und das sollten Sie sich von niemandem nehmen lassen.

Was ich meinen Liebling noch fragen wollte

Auch bei der Trauerzeit nach dem Tod kommt es nur auf Sie an: Trauern Sie so, wie es Ihnen gut tut und Ihnen hilft. Die einen suchen den Beistand von Familie und Freunden, andere trauern lieber allein, wieder andere suchen Hilfe und Rat bei einem Außenstehenden, wie etwa einem Psychologen, einem Berater oder auch einem Schamanen, der Ihnen vor, während und nach dem Sterben des Tieres zur Seite stehen kann. Ein Schamane kann auch mit dem toten Tier Kontakt aufnehmen  und eröffnet Ihnen die Möglichkeit, sich zu vergewissern, dass der Liebling gut über die Regenbrücke gekommen ist und wie es ihm nun geht.

Trauerorte: Verbundenheit bleibt bestehen

Wenn Ihr Liebling ein Grab bekommen hat, besuchen Sie ihn, halten Sie stumme oder laute Zwiesprache mit ihm. Das können Sie auch tun, wenn die Urne bei Ihnen Zuhause aufbewahrt wird oder an dem Ort, an dem die Asche verstreut wurde. Sie können aber auch einen einfachen Platz des Gedenkens einrichten – das kann ein kleiner Altar sein, ein Stein am Lieblingsplatz des Tieres im Garten oder ein Bild von ihm auf dem Nachttisch oder an seinem Liegeplatz. Wichtig ist, dass Sie einen Platz wählen, an dem Sie sich mit Ihrem treuen Begleiter verbunden fühlen. Hier können Sie trauern, Kraft schöpfen und nicht selten sogar seine Anwesenheit spüren, obwohl er für immer gegangen ist. Das muss übrigens nicht ein Grab oder der Standort der Urne sein. Es kann auch der geliebte Kraftort Ihres Tieres sein oder ein Ort, an dem Sie häufig und gerne gemeinsam waren.

Sind Sie bereit für ein neues Familienmitglied?

Irgendwann steht auch die Frage an, ob ein neuer Partner in Ihr Leben treten soll. Seien Sie sich bei dieser Frage sicher: Ihr verstorbener Freund würde Ja sagen und es ist gut möglich, dass er da, wo er nun ist, selbst Ausschau nach einem Gefährten hält. Wann der richtige Zeitpunkt für ein neues Familienmitglied gekommen ist, das ist – Sie ahnen es schon – ebenfalls eine individuelle Angelegenheit. Sie allein bestimmen das Tempo des Trauerprozesses, Sie fühlen die innere Bereitschaft für eine neue Beziehung zu einem Tier, das ganz bestimmt anders sein wird als sein Vorgänger. Und das ist gut so: So bleibt die Erinnerung an das verstorbene Tier erhalten und der Neue hat eine Chance Ihr Herz mit ganz anderen Tricks und Stärken zu erobern.

Geben Sie Herzensbrechern eine Chance

Vielleicht brauchen Sie Wochen, Monate oder Jahre bis ein neuer Mitbewohner einziehen darf. Das ist in Ordnung. Es ist aber auch okay, wenn nur kurz nach dem Tod des Haustieres ein Neuling in ihr Leben tapst und sich in Ihrem Heim und Ihrem Herzen breit macht. Manchmal werden solche Herzensbrecher quasi geschickt und sie suchen sich ihren Menschen aus. Warum sollten das nicht Sie sein? Und wenn es irgendjemanden in Ihrer Umgebung stört, dass Sie nur kurz nach dem letzten Abschied wieder einen WG-Bewohner haben, pfeifen Sie drauf, denn es wird schon seinen Sinn haben, dass der Vierbeiner in Ihr Leben getreten ist.

Nehmen Sie an, was das Leben beschert

Man muss nicht immer alles planen und auch nicht die Erwartungen anderer Leute erfüllen. Das Leben hält auch Ereignisse bereit, mit denen keiner rechnet und die mal zufällig und mal aus gutem Grund geschehen. Man muss sie annehmen und etwas daraus machen – und das darf auch ein neuer Lebensabschnitt zu zweit sein. Geben Sie dem neuen Partner und sich selbst eine Chance – ganz egal, wann das erste Date passiert. Es wird ganz sicher Ihrer beider Leben bereichern und so manche Träne trocknen. Text/Foto: Marion Friedl

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

3 thoughts on “Trauer um das Tier kennt keine Regeln

  1. Dies ist so schön geschrieben…..klasse!!! Hätte es gebrauchen können als meinen Seelenhund Judy von mir gegangen ist…………

    1. Hallo Marianne ich glaube da ist noch ein Hund Namens Ihrma der Judy im Wesen sehr ähnlich war den man in die Gedanken mit einschließen koennte
      Betrachte dies bitte nicht als Kritik sondern als Erinnerung
      Vlg.siggi

  2. Unserer Hund war eine Wasserratte. Sie ist immer kopfüber ins Wasser gesprungen und war nicht mehr zu halten, wenn Sie Wasser sah. Eines Tages fiepte sie leicht beim reinspringen. Wir dachten, dass Sie sich ein Splitter eingezogen hat aber es wurde nicht besser.. eher viel schlimmer. Also sind wir zum Tierarzt gegangen . Der Tierarzt schaute sich die Pfote an und sagte, dass es nichts wäre und schickte uns weg. Die Tage vergingen und (Jule so hieß Sie) jaulte bei jeder Bewegung und lag nur noch unter dem Tisch. Also sind wir nochmal zum gleichen Tierarzt gegangen. Der röngte ihre Pfote, nahm Blut ab und sagte, dass sie wahrscheinlich simuliert aber schickte uns zum anderen Tierarzt. Am nächsten Tag gingen wir dann zu diesem Tierarzt.. Er schaute sich Jule an und Röntge ihre Schulter. Er zeigte uns das Röntgenbild.. Man sah keine richtige Schulter mehr. Der Knochenkrebs hat ihre ganzen Knochen zerfressen und sie lebte nur noch für uns. Es war so schlimm, dass sie Morphium für ihren letzten Tag bekam. Sie durfte an dem Tag alles essen, was Sie wollte, denn am nächsten Tag, erlösten wir sie.

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