Sicherer Freigang und Spiele für behinderte Katzen

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Freigang trotz Behinderung? Ja, es blutet das Herz, wenn Mieze plötzlich eine Behinderung hat und ihre Freiheiten eingeschränkt werden müssen. Doch manchmal ist für behinderte Katzen der Stubenarrest sinnvoller als gefährliche Ausflüge. Die gute Nachricht: Es gibt Möglichkeiten, der behinderten Katzen Outdoor-Vergnügen zu spendieren und es gibt auch Ausgleich für entgangene Freigang-Freuden.

Fehlender Freigang kann Folgen haben

Wer nichts sieht, dem entgehen auch Gefahren. Wer nichts hört, der bekommt nicht mit, dass ein Auto heran braust. Wer eine Gehbehinderung hat, kann im Ernstfall nicht schnell davon laufen oder sich auf einen Baum retten. All das gilt es zu bedenken, wenn behinderte Katzen ihren Freigang einfordern, weil sich die Katzenklappe nicht mehr öffnet. Die Folge: Die Katze wird unsauber, protestiert, lärmt, kratzt, ist unausgeglichen oder bekommt eine Depression.

Beschränkter Freigang ist besser als nichts

Doch ein wenig kann man der Katze und ihrem verständlichen Freiheitsdrang entgegenkommen. Ohne Garten und Balkon kann die Katze – je nach Behinderung – entweder lernen, an der Leine Gassi zu gehen oder sie darf bei einer schweren Gehbehinderung Frauchen im Korb begleiten. Wer einen Garten oder einen Balkon hat, kann der Samtpfote begrenzten Freigang ermöglichen. Katzennetze in Balkongrößen oder auch als Rollenware für Gartenbereiche erlauben sicheres Outdoor-Vergnügen. Allerdings: Am Anfang sollte die Katze unter Aufsicht das neue Frischluft-Domizil erobern. Taube Katzen erschrecken, wenn der Mensch, ein Vogel oder ein Laubblatt lautlos und urplötzlich auftaucht.

Behinderte Katzen entdecken die Welt neu

Blinde Katzen müssen ihre Wege ins und durchs neue Open Air-Revier finden. Lassen Sie die Katze in Ruhe und selbstständig einen Weg finden. Sie wird sich diesen Weg nach und nach einprägen und immer wieder benutzen. Wichtig ist, dass alles an seinem Ort bleibt und z.B. beim Putzen nichts verändert wird, damit sich der Stubentiger zurecht findet. Seien sie auch nicht zu pingelig in punkto Sauberkeit. Blinde Katzen benutzen ihre Nase, um der eigenen Spur zu folgen. Wenn sie die Spur wegwischen, kann das ein Problem sein. Auch die Abstände zwischen den Gegenständen sind wichtig. Die Schnurrhaare helfen bei der Orientierung und dem Bemessen des Abstandes. Der Tastsinn an den Pfoten teilt dem Vierbeiner viel über die Bodenbeschaffenheit mit. Auch der Hörsinn spielt für blinde Katzen eine große Rolle, um Hindernisse/Abstände beim Miauen quasi zu hören und natürlich auch, um Schritte, Zwitschern, Rascheln etc. zu orten.

Lauschiges Plätzchen mit kleinen Herausforderungen

Bei einer Gehbehinderung ist das sichere lauschige Plätzchen ebenfalls wichtig. Hier sollte auf machbare Herausforderungen in der Freiluft-Katzenarena geachtet werden. Behinderte Katzen können nicht mehr so gut klettern, balancieren und flitzen, wenn beispielsweise ein Bein fehlt oder lahmt. Dennoch lieben sie erhöhte Plätze, weil sie gerne beobachten. Vielleicht klappt der Aufstieg zum Beobachtungsposten ja mit einem bequemen, breiten Brett, das nicht zu steil ist, sondern gemächlich nach oben führt. Kratzmöglichkeiten gibt es nicht nur für die Wand oder am hohen Kratzbaum, sondern auch für den Boden – und wenn Sie einen Sisalteppich kaufen, den Mieze auf dem Balkon zurecht zupfen darf. Auch Kuschelhöhlen und Katzenhäuser sollten einen breiten Eingang mit niedrigem Einstieg haben und innen geräumig sein, damit  Mieze trotz Behinderung gut rein kommt und sich drin auch noch problemlos umdrehen kann. Sind Katzenhäuser zu klein, dann sollten Sie einfach mal im Hundesortiment stöbern.

Bewegung und Beschäftigung bleibt wichtig

Auch wenn behinderte Katzen froh über die sichere Variante des Freigangs sind: Sie brauchen Ausgleich für den früheren Freigang, der sie viel mehr forderte. Da wurde gesprungen, gerannt, geklettert, gejagt, gespielt und Kontaktpflege mit Artgenossen betrieben. All das fällt weg und das schlägt zum einen leicht aufs Gemüt und zum anderen sorgt die fehlende Bewegung womöglich für überflüssige Pfunde auf den Rippen. Das bedeutet: Die Ernährung muss angepasst werden (z.B. Light-Futter) und es muss Ersatz für die Bewegung und Beschäftigung beim Freigang her.

Jagd- und Intelligenzspiele sind nicht tabu 

Intelligenzspiele funktionieren auch, wenn die Katze nichts mehr hört oder sieht. Sie kann das Leckerli riechen und das Spielzeug ertasten. Ein wenig Geduld und Assistenz ist dafür anfangs notwendig, aber hat die Katze den Dreh erst mal raus, dann funktioniert es auch. Prima funktioniert das Intelligenzspiel natürlich, wenn „nur“ eine Gehbehinderung vorliegt. Solange zumindest eine Vorderpfote intakt ist, kann die Katze damit agieren und die intakten Sinne wie bisher nutzen. Jagdspiele fallen bei allen Behinderungen langsamer aus, aber sie müssen nicht gestrichen werden. Die Maus kann piepsen und wird eben ein wenig langsamer an einer Schnur über den Boden gezogen und vielleicht mit einem verführerischen Baldrian- oder Katzenminze-Duft benetzt, damit Mieze die Beute erreichen kann, wenn der Sehsinn nicht mehr funktioniert.

Alternativen für Entdecker und Akrobaten

Statt Balance-Akt auf der Sofalehne mit Absturzgefahr balanciert die Katze auf einem breiten, flachen Brett, das auf dem Boden liegt. Ein Fehltritt tut dann nicht weh. Dinge entdecken und erforschen ist bei Katzen sehr beliebt. Der geräumige Katzentunnel kann mit Highlights bestückt werden (z.B. klingelndes Bällchen, weiche Feder) und Leckerlis können im Schnüffelteppich oder in einem mit Zeitungsbällen gefüllten Karton gesucht werden. Ein an der Schnur befestigtes Stück Käse versteckt sich unerreichbar unter der Couch oder dem Schrank: Mieze kann ihn riechen, aber sie kriegt ihn nur, wenn sie entweder selbst an der Schnur zieht oder wie vor dem Mauseloch auf die Beute wartet, bis der Mensch sie plötzlich hervor zieht.

Gefahrenstellen beseitigen oder absichern

Gefahrenstellen für behinderte Katzen sollten in der Wohnung und auch auf dem Balkon bzw. im Garten abgesichert oder beseitigt werden. Schließlich sollen ja nicht die Dekofigur oder die Gartengeräte auf den Eroberer fallen, oder? Und der tapfere Vierbeiner soll auch nicht in den Pool oder Brunnen fallen, aus dem er sich nicht mehr selbst befreien kann. Beobachten Sie Ihre Mieze und greifen Sie nur ein, wenn es wirklich gefährlich wird, weil sich die Katze womöglich überschätzt oder eine Gefahr nicht bemerkt. Ihre Katze wird austesten, was sie mit ihrer Behinderung schafft und was nicht – und dabei gilt: Probieren geht über studieren. Das gilt auch für Treppen. Sie wird eine Stufe nach der anderen erklimmen bis es aufwärts und abwärts funktioniert. Sind die Stufen hinten offen, können Sie die Spalte zum Beispiel mit Spanplatten verschließen, damit Minka nicht durchrutscht. Glatte Stufen können mit Teppichfliesen sicherer werden. Fehlt der Mut für die Treppentour, kann eine Leckerlispur den Weg nach oben oder unten lotsen.

Wellness entspannt Mieze

Wer neue Räume und Freiheiten entdeckt, neue Spiele spielt und kleine Alltagshürden meistert, darf sich zwischendrin auch ausruhen. Doch wie kommt man zu Frauchen aufs Sofa? Wenn das Springen nicht mehr geht, funktioniert es vielleicht mit einem Brett als Rampe. Und im Zweifelsfall ist die Katze doch auch schnell hochgehoben, oder? Die Kuschelrunde darf gerne mit einer Wellness-Massage gekrönt werden: Die Fingerspitzen kreisen wolkenzart über den ganzen Körper: Von der Nasen- bis zur Schwanzspitze, an den Seiten und Pfoten, auf dem Rücken und dem Bauch – ach ja, und bitte die Ohren nicht vergessen. Die Massage entspannt, stärkt das soziale Band zwischen Mensch und Tier, lenkt von Kummer oder Unzufriedenheit ab und steigert das Wohlbefinden. Und das ist doch eine ganze Menge, oder? Text/Foto: Marion Friedl

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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