Schweinepest Teil 2: Rekordjagd auf Wildschweine

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Mit der Überschrift „Rekordstrecke: Staatsforsten erlegen 13.100 Wildschweine“ rühmt das Bayerische Forstministerium in einer Pressemitteilung die Abschuss-Bilanz der Jäger. Eine traurige Bilanz und alles nur wegen der Afrikanischen Schweinepest, die erst kürzlich Thema in meinem Blog war? Bei mir regen sich da nicht erst heute Zweifel und die aktuelle Pressemitteilung des Ministeriums schürt diese Zweifel noch. Leider.

Der Forstminister warnt vor der Schweinepest

„Wir müssen alles tun, um die Afrikanische Schweinepest von Bayern fernzuhalten“, rechtfertigt Forstminister Helmut Brunner in der Pressemitteilung diese Schwarzwildjagd. Die Bayerischen Staatsforsten würden „einen wichtigen Beitrag zur Seuchenprävention“ leisten, so der Minister und zugleich Aufsichtsratsvorsitzende der Staatsforsten. Die Reduzierung der überhöhten Schwarzwildbestände sei ein „unververzichtbarer Baustein einer effizienten Vorsorgestrategie“, weil die Tiere das Virus übertragen können.

Lob für die Jäger und Appell zum Weitermachen

Das Rekordergebnis sei laut Helmut Brunner eine „beachtliche Gemeinschaftsleistung von Beschäftigten der landesweit 40 Forstbetriebe und mehr als 8.000 privaten Jagdgästen“. Weiter heißt es in der Pressemitteilung, dass die Tiere ganzjährig und ohne Winterpause bejagt und zusätzliche Abschussanreize für die Jagdgäste geschaffen wurden. Der Minister appelliert an die Jäger in Bayern, auch in den Revieren, die nicht zu den elf Prozent der Jagdfläche des Freistaates zählen, „alle zulässigen Möglichkeiten für eine noch effizientere Bejagung und Bestandsregulierung zu nutzen“. Was das bedeutet, zeigt der Blick auf eine Zahl, die ebenfalls in der Pressemitteilung genannt wird: Im Jagdjahr 2016/17 haben Bayerns Jäger rund 62.000 Wildschweine erlegt.

Eine Vergütung als Abschussanreiz

Laut Pressemitteilung des Forstministeriums habe Helmut Brunner bereits 2015 ein Maßnahmenpaket zur Reduktion von Schwarzwild auf den Weg gebracht und so Spielräume für örtliche Lösungen geschaffen. Außerdem gebe es seit Dezember 2017 eine Abschussvergütung von 20 Euro pro Tier.

Das Massensterben hat längst begonnen: Stopp!

Das Massensterben ist also schon längst in vollem Gange und die Politik hat in Bayern bereits 2015 den Weg dazu geebnet. Ist Ihnen etwas aufgefallen? 2015 war die Afrikanische Schweinepest noch gar nicht in den Schlagzeilen. Da liegt doch die Vermutung sehr nah, dass ich in meinem früheren Beitrag Recht hatte mit dem Hinweis, dass die Wildschweine schon lange als störend empfunden werden und die tödliche Hatz auf die armen Schweine womöglich gar nicht an der ach so gefährlichen Schweinepest liegt.

Tödliche Hatz ohne Schonzeit

Wenn man sich vorstellt, dass nicht nur in Bayern Wildschweine getötet werden, sondern in ganz Deutschland, dann kann man auf das stolz verkündete bayerische Ergebnis von 62.000 Wildschweinen im Jagdjahr 2016/17 noch eine äußerst erkleckliche Zahl drauf legen. Zumal ja der Bundesrat erst kürzlich die Schonzeit für Wildschweine aufgehoben hat. Das konnte leider auch der Deutsche Tierschutzbund nicht verhindern, der sich gegen den Massenabschuss ausspricht.

Die Abschussvergütung ist Blutgeld

Die Abschussvergütung pro Tier kann man Lockmittel für Jäger nennen – ich nenne sie Blutgeld. An diesen 20 Silberlingen klebt das Blut der Wildschweine. Sie sind die Opfer von Politik, Lebensmittelindustrie und Landwirtschaft. Alle verfolgen ihre eigenen Interessen anstatt umzudenken.

Profit steht vor dem Wohl der Tiere

Wie wäre es beispielsweise mit weniger Monokultur auf den Feldern, um der Wildschweinvermehrung entgegen zu steuern? Nein, denn der Mais landet profitabel im Tank und nicht auf Tellern. Die Mülltonnen reduzieren und damit Bürger entlasten und Wildschweinen den Zugang zu einer Nahrungsquelle erschweren? Fehlanzeige, denn mit Müll wird viel Geld verdient. Panik vor der Seuche im Schweinestall? Möglich, weil der Bestand dann gekeult werden müsste und das finanzielle Verluste bedeutet. Aber selbst das Friedrich-Löffler-Institut (Bundesbehörde für Tiergesundheit und Seuchenbekämpfung) stuft das Risiko einer Virus-Einschleppung durch Wildschweine wegen der hohen Hygienebedingungen in den Ställen gering ein. Es liegt also nahe, dass keine wirkliche Sorge um das Wohl der Hausschweine in oft schlimmen Haltungsbedingungen dahintersteckt. Panik oder Hysterie in Sachen Schweinepest dürfte deshalb auch ausscheiden.

Rekord-Jagdergebnisse sind ein Armutszeugnis

Mein Fazit: Der Mensch muss sich ändern und vieles überdenken. Und zwar einschließlich des Massenabschusses von Wildschweinen, die das ausbaden müssen, was der Mensch nicht in den Griff kriegt, weil er seine eigenen Interessen verfolgt. Die Lobhudelei auf Rekord-Jagdergebnisse und das Anpreisen von Abschussprämien ist eine traurige blutige Angelegenheit – und letztlich ist es auch ein Armutszeugnis. Text: Marion Friedl / Foto: Gerald Förtsch

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Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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