Problem Futterunverträglichkeit beim Hund
Copyright: Marion Friedl

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Wenn der Hund mäkelig ist, hat das vielleicht einen Grund: Futterunverträglichkeit. Auch wenn sich der Hund oft kratzt und die Pfoten leckt, Hautrötungen und Allergien festzustellen sind, Übelkeit und Erbrechen vorliegt, Durchfall oder Verstopfung an der Tagesordnung ist, kann es an der Ernährung liegen. Häufiges Übel sind dann Getreide oder Zusatzstoffe, aber es kann auch an einer Fleischsorte liegen.

Manchmal wird eine Fleischsorte nicht vertragen

Die Richtlinie „je mehr Fleischanteil, umso besser“ ist ein guter Ratgeber. Doch manchmal kommt es darauf an, welche Fleischsorte gefüttert wird, denn es kann vorkommen, dass eine bestimmte Sorte Fleisch nicht vertragen wird. Ist dies der Fall, sollte zu einer anderen Fleischsorte gegriffen werden, um heraus zu finden, ob der Hund das bevorzugt gefütterte Fleisch nicht verträgt

So funktioniert eine Ausschlussdiät

Nicht immer ist es einfach, dem Übel auf die Spur zu kommen und dann muss der Tierarzt ran. Außerdem ist Geduld gefragt, denn einfach mal eine Blut- der Kotuntersuchung machen lassen, reicht oft nicht. Zur Detektivarbeit gehört auch die mehrwöchige Ausschlussdiät. In dieser Zeit frisst der Hund eine Fleischsorte, die er noch nie bekommen hat. Es wird beobachtet, wie das Tier darauf reagiert. Bessert sich das Befinden, gibt es zwei Wege: Der einfachste und beste Weg ist es, bei der Fleischsorte zu bleiben, die der Hund während der Diät gut vertragen hat. Wer es ganz genau wissen will, kann zu dem neuen Fleisch ein wenig von der Fleischsorte beimischen, die der Hund vor der Diät gefressen hat. Treten dann wieder Symptome auf, ist klar: Das bisherige Fleisch wurde als Eiweißlieferant nicht vertragen und es sollte darauf verzichtet werden. Wichtig: In den Diätwochen darf der Hund wirklich nur dieses Fleisch fressen – nichts anderes. Also auch keine Leckerlis.

Symptome bei Unverträglichkeiten

Das sind häufige und leicht feststellbare Symptome bei Futtermittelunverträglichkeit:

  • Häufiges Kratzen und Pfoten lecken (Juckreiz)
  • Hautrötungen
  • Stumpfes Fell
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall oder Verstopfung
  • Mundgeruch (bei intakten Zähnen kann es an Magenbeschwerden liegen)
  • Unangenehmer Körpergeruch

Die Basisfrage lautet: Was frisst der Wolf in freier Wildbahn?

Generell sollte man sich bei der artgerechten Ernährung eines Hundes fragen: Was würde ein Wolf oder ein Hund in freier Wildbahn fressen? Die Antwort: Vor allem Fleisch. Zwischendrin knabbert er mal am Gras, um Magen und Darm zu putzen, nascht an Fallobst, gönnt sich ein Möhrchen, zupft ein gesundes Kräuterlein und sagt auch nicht Nein, wenn er mal über ein Ei stolpern sollte. Aber merken Sie etwas: Er hat kein Getreidefeld abgeerntet und keine Konservierungsmittel, Geschmacksverstärker oder gar Chemikalien aufgestöbert. Dennoch: Wenn Magen und Darm nicht ganz so gut arbeiten, können Ballaststoffe (z.B. leicht verdaulicher Reis) helfen.

Hunde brauchen eine artgerechte Ernährung

Eine artgerechte Ernährung für den Hund liefert lebensnotwendige Enzyme, Eiweiß, Fett sowie Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. Übrigens: In Knochen steckt wertvolles Kalzium, das gut für Zähne, Knochen und Krallen ist. Mindestens 60 % Fleisch ist optimal, denn Fleisch versorgt den Hund mit Energie. Der Rest verteilt sich auf pflanzliche Beigaben. Altersbedingt kann der Energiebedarf  – und damit auch der Fleischanteil – sinken, denn wer in die Jahre kommt, bewegt sich nicht mehr so viel und baut weniger Energie ab. Senioren kommen mit etwa 50 % Fleischanteil gut aus.

Roh, gekocht oder fertig?

Diese Frage bringt uns zum Wolf zurück. Richtig: Wölfe stehen nicht am Herd und kochen. Es ist jedoch eine Gewissensfrage, ob man rohes Fleisch füttern will. Rohes Fleisch und Knochen sind artgerecht, aber man denkt auch an Skandale, die Menschen aufgetischt wurden (z.B. Gammelfleisch, Antibiotika im Fleisch etc.) oder an Vogelgrippe, BSE und Co. Deshalb ist es wichtig, dass Sie qualitativ hochwertiges Fleisch von einem vertrauenswürdigen Anbieter bekommen. Das kann der Landwirt sein, bei dem Sie im Stall nach dem Rechten sehen dürfen oder ein zuverlässiger Barf-Anbieter, dem Sie vertrauen.

Wer sich nicht so sicher ist, kann das Fleisch kochen. Möglichst wenig Enzyme, Vitamine und Spurenelemente gehen beim schonenden Dampfgaren verloren.

Keineswegs verteufelt werden sollte das Fertigfutter per se. Oft steckt viel Ernährungswissenschaft drin, aber man sollte das Etikett genau lesen. Achtung: Fleischmehl ist nicht immer Fleisch pur, denn häufig ist die Basiszutat ein Getreide-Mix, dem Knochen- und Fleischmehl hinzugefügt werden und es steht meist nicht dabei, von welchem Tier das Fleisch und die Knochen stammen.

Wer sich für Fertignahrung entscheidet, fragt sich auch: Trocken- oder Nassfutter? Auch das ist eine individuelle Entscheidung, aber vielleicht hilft die Frage „Frisst oder knuspert der Wolf das Fleisch?“ weiter. Es spricht aber nichts dagegen, Trocken- und Nassfutter zu mischen oder abzuwechseln, denn auch das Trockenfutter hat einen Vorteil. Die Knusperkost sorgt für den Zahnabrieb.

Ernährungstabus sind schlau und gesund

Wer seinem Hund keine verbotenen Häppchen vom Menschentisch gibt, ist nicht hartherzig, sondern schlau, denn artgerechte Ernährung kann das Leben verlängern. Ein Hund ist kein Mensch, also tickt es in ihm auch anders: Gewürze schädigen seine Darmflora und es kann zu dauerhaftem Durchfall kommen. Milchprodukte (also auch Käse, Joghurt, Quark) können wegen Laktose-Unverträglichkeit ebenfalls zu Durchfall führen. Einzige Gemeinsamkeit: Süßes kann bei Mensch und Hund Übergewicht, Diabetes und Karies verursachen. Es gibt sogar ganz natürliche Übeltäter, wie manche Obstsorten oder Pilze. Was nicht in den Hundemagen gehört und was es anrichten kann, habe ich in einem früheren Beitrag erklärt und dabei ist eine ganze Menge zusammen gekommen.

Staunen Sie über die Unterschiede bei Hund, Mensch und Pflanzenfressern

Doch wodurch unterscheiden sich Hund und Pflanzenfresser bzw. Hund und Mensch eigentlich? Hier kommen die wesentichen Unterschiede:

  • Als jagende Fleischfresser haben Hunde und ihre Urahnen, die Wölfe, Reißzähne und scharfkantige Backenzähne. Menschen und Pflanzenfresser brauchen keine Reißzähne und es reicht, wenn die flachen Backenzähne mahlen können.
  • Pflanzenfresser haben Verdauungsenzyme im Speichel – der Hund nicht und er produziert auch weniger Speichelflüssigkeit.
  • Jetzt dürfen Sie staunen: In Relation zum Körpergewicht ist der Hundemagen acht mal so groß wie ein Pferdemagen, der nur fleischlos gefüllt wird.
  • Die Magensäure des Menschen bringt es auf einen ph-Wert von etwa 4 bis 5, beim Hund nur auf einen Wert unter 1. Das liegt daran, dass in der Magensäure des Hundes etwa zehn mal so viel Salzsäure steckt.
  • Fleisch ist beim Hund nicht nur eine Vorliebe, sondern auch das einzige Nahrungsmittel, das die Produktion der Verdauungssäfte so richitg ankurbelt.
  • Weil Vegetarier im Tierreich bis zu fünf Tage mit der Verdauung beschäftigt sind, ist ihr Darm länger als beim Hund. Der braucht keine so langen Verdauungswege, denn mit dem Verdauen ist er nach 24 Stunden fertig.

Wichtiger Tipp für die Hund-Katze-WG

Zu guter Letzt noch ein Tipp für die Besitzer von Hund und Katze: Leben beide Tierarten in Ihrem Haushalt, dann sollten sie getrennt gefüttert werden und keine Futterreste vom anderen schnabulieren. Vor allem der Hund kann da in die Falle tappen: Katzen brauchen Taurin (z. B. für Fettverdauung, Herz, zentrales Nevensystem), das sie nicht selbst bilden können und das deshalb in Katzenfutter enthalten ist. Der Hund benötigt die Zufuhr dieser Aminoethansulfonsäure nicht und er reagiert mit Durchfall, wenn er Taurin zu sich nimmt. Text/Foto: Marion Friedl

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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