Plastikmüll im Wasser tötet Tiere

Copyright: Marion Friedl

Plastikmüll verschmutzt unsere Gewässer, tötet Tiere und landet auf unseren Tellern. Es geht nicht nur um Plastiktüten und Kunststoff-Flaschen. Mikroplastik ist kleiner als 5 Millimeter und zu Hauf in Seen, Flüssen und Meeren zu finden. Kläranlagen filtern Plastik aus dem Abwasser heraus – und mit dem Plastik-Klärschlamm werden Felder gedüngt. Doch es kommt noch schlimmer: Wir finden Mikroplastik in Scheuermilch, Zahnpasta und Peeling-Creme. Es ist Zeit zu handeln – und jeder kann mitmachen!

Tiere sind in Lebensgefahr

Vögel und Fische verwechseln Plastik optisch mit Nahrung. Manche Teile riechen sogar wie Nahrung. Die Folge: Der Magen ist voll mit Plastik und die Tiere verhungern. Aber sie können am Plastikmüll auch ersticken. In toten Walen wurden sogar Plastikeimer und große Folien gefunden. Schildkröten, Defline und Robben verheddern sich in Netzen und Schildkröten fressen Folien, weil sie diese für Quallen halten. Brutvögel bauen Nester mit Plastiktüten (z.B. Mellrumer Strand) und Seevögel strangulieren sich an Schnüren. Und das sind nur einige leidvolle Beispiele.

Alarmierende Zahlen:

  • Etwa 10 Millionen Tonnen Plastikmüll gelangt jährlich in die Meere – inzwischen dümpeln rund 150 Millionen Tonnen herum.
  • Über 663 Tierarten leiden unter dem Plastikmüll in den Meeren.
  • Jedes Jahr sterben weltweit 1 Million Vögel und 100.000 Meeressäuger.
  • An der Nordsee hatten 93 % der Eissturmvögel Plastik in den Mägen.
  • 700 Plastikteile lagen an der Nordsee an einem nur 100 Meter langen Strand.
  • In Deutschland werden jährlich 3,7 Millionen Tonnen Plastikmüll verbrannt, 2,7 Mio. Tonnen recycelt und 1,2 Mio. Tonnen exportiert.
  • Mikroplastik stammt aus Verpackungen und Produktzusätzen sowie zu 35 % von synthetischer Kleidung, 24 % aus Stadtstaub und 28 % aus Reifenabrieb.

Naturschützer kämpfen gegen den Platikmüll

Der Bund Naturschutz (BUND) hat die Kampagne „Plastik – weniger ist Meer“ mit Events, Information und Strandreinigungen ins Leben gerufen. Zudem fordert der BUND von der EU-Kommission, das Problem bis 2035 zu lösen. Der BUND beteiligt sich auf EU-Ebene an der Suche nach einer Strategie in Sachen Kunststoffabfälle.

Auch der Naturschutzbund (NABU) ist aktiv: Auf seinem Online-Portal können Müllfunde gemeldet und Aufräumaktionen gestartet werden. Außerdem hat der NABU die Broschüre „Müllkippe Meer“ heraus gebracht und gibt zusammen mit dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) Tipps für bewusstes Verbraucherverhalten.

Der WWF Deutschland bietet ebenfalls Downloads, Flyer und Faktenblätter und hat  internationale Projekte (vor allem in Asien) gestartet. Mit Spenden engagiert sich der WWF für gesunde Ozeane, für eine Reduzierung des Plastikmülls und für die Bergung von Geisternetzen (verlorene, treibende Fischernetze). Forderungen des WWF sind unter anderem: Plastikverpackungen vermeiden, weniger Einweg-Plastikprodukte nutzen, giftige Plastikzusätze in Produkten verbieten, Schiffsmüll an Sammelstellen und nicht mehr auf dem Wasser entsorgen, eine international koordinierte Strategie zur Bergung von Müll aus dem Meer.

Nerven Sie mal so richtig, damit es weniger Plastikmüll wird

Jeder kann etwas gegen die Plastikfluten tun. Und da darf man auch mal richtig nerven. Nervende Verbraucher mögen die Industrie und der Handel nämlich gar nicht. Beim Einkauf wird Gemüse, Obst und Salat in Plastikfolie boykottiert. Stattdessen greifen Sie zur losen Paprika, dem unverpackten Salatkopf oder füllen die Pfirsiche nicht in die Plastiktüte, sondern in Ihre Baumwolltasche. Da wird gemeckert an der Kasse? Dann meckern Sie mit Argumenten gegen Plastik zurück.

In Supermärkten stehen Behälter für Verpackungsmüll. Müllen Sie die Behälter zu, indem Sie alles im Laden auspacken und in den Behältern entsorgen. Und freuen Sie sich über genervte Filialleiter, die nun Müllberge entsorgen, häufig Behälter leeren und womöglich für teure Gebühren mehr Mülltonnen benötigen. Gemein? Macht nichts – der Plastikmüll ist auch gemein zu den Tieren.

Sie wollen noch ein wenig mehr nerven? Kein Problem: Lassen Sie sich die Wurst, das Fleisch oder den Käse an der Frischetheke in Ihre mitgebrachte Dose legen. Ohne beschichtetes Papier versteht sich. Wenn Ihr Wunsch wegen Hygienevorschriften nicht erfüllt wird: Dann kaufen Sie woanders ein und schreiben  eine Beschwerde-Email an die Supermarktkette. Wenn das jeder macht, dann haben die aber zu tun… Und dem Supermarkt gehen auch noch Einnahmen flöten.

Lust auf einen Coffee to go? Dann will ich doch mal hoffen, dass Sie Ihren Kaffeebecher mitgebracht haben und keinen Plastikbecher des Kaffee-Verkäufers nutzen. Übrigens: Es gibt inzwischen Läden, in denen man sich Milch, Müsli und vieles mehr in eigene Behälter abfüllen lassen kann.

Handeln statt meckern

Wer den Gewässern und Tieren helfen will, sollte auch selbst aktiv werden. Das bedeutet, dass man am Strand, am Grillplatz oder in den Bergen nichts zurück lässt in der Natur. Aber es bedeutet auch, dass man sich an Müllsammelaktionen von Gemeinden beteiligt. Wenn Sie eine wilde Müllhalde entdecken – melden Sie diese bei der Gemeindeverwaltung.

Kaufen Sie bewusst ein und verzichten Sie auf Plastikverpackungen, Kosmetik und Putzmittel mit Mikroplastik. So manche Plastikverpackung kann man mehrfach benutzen oder etwas Schickes daraus basteln. Gehen Sie nicht mit Plastiktüten einkaufen: Unsere Großeltern haben das mit Körben und Stofftaschen geschafft. Und muss es das Plastikfeuerzeug sein? Es gibt Feuerzeuge aus Metall, die man wiederbefüllen kann. Vielleicht macht dem Kind auch ein Holzspielzeug Freude? Und wer von Kunstfaserkleidung auf Baumwolle umsteigt, tut ebenfalls Gutes.

Unterstützen Sie Projekte

Nicht nur Projekte von Naturschutzorganisationen können unterstützt werden. Es gibt Leute, die an Lösungen tüfteln und die kosten meist Geld. Auf Crowdfunding-Plattformen könnten Sie fündig werden. Es gibt bereits jetzt fleißige Tüftler: In den Niederlanden wird eine kilometerlange Müllsammel-Barriere im Wasser getestet. In Aachen wurde eine schwimmende Plattform entwickelt, die sogar aus 30 Metern Tiefe Müll sammeln kann. In Hamburg wird an plastikfressenden Bakterien geforscht. Das sind doch mal gute Nachrichten, oder?

Politik und Wirtschaft sind gefordert

Wird die Wirtschaft nicht durch ein verändertes Verbraucherverhalten unter Druck gesetzt, wird sich an der Produktion von Verpackungsmüll wenig bis nichts ändern. Doch wenn der Verbraucher nicht mehr mitspielt und dann auch noch die Politik unbequem wird, dann stehen die Zeichen schnell auf Veränderung. Schweden beispielsweise verbietet sozusagen von heute auf morgen Mikroplastik in Produkten. Aber hallo! Warum tun wir das nicht? Es wird doch sonst alles verboten hierzulande?

Stattdessen wird gegrübelt, geredet und nichts getan. Okay, den Plastiktüten hat man den Kampf angesagt. Und sonst? Man spricht von Zeiträumen bis 2030 für das EU-weite Ziel, dass Verpackungen recycelbar sein sollen. Unsere Tiere brauchen aber nicht erst in 12 Jahren Hilfe, sondern jetzt. Außerdem: Haben Sie Lust auf ein Fisch-Filet mit Mikroplastikrückständen? Wollen Sie eine Kartoffel essen, die mit Mikroplastik-Klärschlamm gedüngt wurde? Noch weiß man nicht, was dieser zweifelhafte Genuss anrichten kann. Aber eines weiß ich ganz ohne Studien-Firlefanz: Gesund kann es nicht sein.

Einfache Gedanken sind gar nicht so schlecht

Jetzt habe ich es mir einfach gemacht, nicht wahr? Ja, denn manchmal sind die einfachsten Gedanken gar nicht so schlecht. Man könnte Unternehmen finanziell bestrafen, wenn sie unnötige Verpackung produzieren. Man könnte pfiffige Ideen fördern und auf Bürokratiewahn und Regulierungswut verzichten. Man könnte…

Ja, ich hätte noch ein paar ganz einfache Gedanken, wie etwa unbeschichtetes Papier an Fleischtheken oder Kaffeemaschinen, die nicht verschweißt sind, sondern dank Schrauben repariert werden können. Oder wie wäre es mit Elektrogeräten, die nicht vorprogrammiert mit Ablauf der Garantie (kennen wir es nicht alle?) den Geist aufgeben. Und wenn wir in Diesel-Hysterie ausbrechen, könnte man auch mal daran denken, dass Autos mitsamt Reifen und Kunststoffausstattung verschrottet werden, obwohl sie noch für viele Jahre fahrtüchtig wären? Nachhaltig nenne ich das nicht…

Fischer haben keinen leichten Job und er bringt längst nicht mehr so viel Einkommen ein, wie das früher mal war. Wenn der Fischer aber nicht nur Fische, sondern auch Müll aus dem Wasser angeln würde und dafür eine Prämie bekäme – wie schlau wäre das denn? Und wäre das nicht auch etwas für Strandwächter als Zuverdienst?

Packen wir es an!

Genug mit meinen einfachen Gedanken. Ich wette, dass Ihnen auch einiges einfällt, das unsere Gewässer und Tiere rettet und auch uns Menschen gut tut. Auf die Politik oder auf Veränderungen in der Verpackungsindustrie warten – das dauert ewig und ist tödlich für die Tiere, die nichts dafür können, dass es in ihrem Lebensraum schlimmer aussieht als bei Hempels unterm Sofa. Packen wir es an und bringen wir die Mächtigen dazu, umzudenken und Gas zu geben! Text/Foto: Marion Friedl

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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