Paulchens Welt: Zweibeiner sind eigenartig

Copyright: Marion Friedl

„Endlich Frühling – auf geht’s in den Biergarten“, lautete neulich das Motto für mich und meine Zweibeiner. Als bayerischer Hund wusste ich bereits im zarten Alter von 5 Monaten sofort, was ein Biergarten ist. Ein Garten, in dem Bier fließt. Ich war äußerst gespannt.

Das ausgebremste Tanzäffchen

Vor Begeisterung legte ich ein Freudentänzchen hin, als mich Frauchen anleinte. Was mir den Namen Tanzäffchen einbrachte. Aber ich habe mich schon an so viele Namen gewöhnt, da kommt es auf den einen mehr nicht mehr an. Das Tanzäffchen wollte mit einem Affenzahn aus dem Haus rennen und schon wurde gemeckert: „Paulchen, warte. Erst gehe ich raus und dann Du.“ Frauchen ging durch die Tür und erzählte etwas davon, dass sie als erstes gehen darf, weil sie der Boss ist. Das war mir neu. Aber wenn es sie glücklich macht, soll sie glauben, dass sie der Chef ist.

„Achtung, der spinnt!“

Unterwegs kam uns ein Mann mit einem Jack Russel entgegen. Der Hund bellte und zog wie verrückt an der Leine. Ich dachte mir: Ach, so geht das… Doch bevor ich mich auch in die Leine legen konnte, befahl mir Frauchen „Fuß“, was nur bedingt klappte. Immerhin gehorchte ich auf „Sitz“. Das Jackie-Herrchen nahm die Leine kürzer und rief uns zu: „Achtung, der spinnt!“ Höflich geht anders. Spricht man so mit einem Hund? Frauchen murmelte: „Das sehe ich“, aber sie hat es so leise gesagt, dass es niemand hörte. Wir ließen den Spinner vorbei gehen. Dann sagte Frauchen: „Nun hast Du gesehen, was man nicht macht, Paulchen.“ Schade, ich wollte es beim nächsten Hund selbst ausprobieren.

Wovor läuft der Mann weg?

Ich überstand noch die Knatter-Attacke eines Auspuffes, bestaunte den Rollator einer alten Dame und spielte mit dem Gedanken in dem Körbchen Platz zu nehmen. Ich ließ es aber sein, denn ein paar Meter weiter rannte ein Mann. Hat er etwas geklaut? Oder gemordet? Wurde er verfolgt? Ich beschloss, den Kriminalfall zu beobachten. Ich ging ganz langsam und Frauchen wunderte sich über mein Schneckentempo. „Das ist ein Jogger“, erklärte sie. Was nicht meine Frage beantwortete, warum der Mann weglief. Zweibeiner rennen nicht ohne Grund…

Im Biergarten bekam ich keinen Schweinebraten

Ich hatte aber keine Zeit darüber nachzudenken, denn wir hatten den Biergarten erreicht. Ich roch Essensduft, aber kein Bier. Essen ist mir sowieso lieber, dachte ich mir und freute mich auf einen Schweinebraten. Zu meiner Enttäuschung bekam ich nichts davon ab und das Bier floss nicht durch den Biergarten. Es wurde von der netten Bedienung gebracht, die mir gastfreundlich ein Wässerchen und ein Leckerli spendierte.

Ein Kläffer und eine Gedankenleserin

Ein paar Tische weiter saß ein Pärchen mit einem kleinen, weißen Hund. Er hatte keine Leine und hing deshalb bei mir ab. Das wäre kein Problem gewesen, aber dieses weiße Etwas kläffte dauernd. Also sagte ich ihm lautstark die Meinung und schon passierte wieder eine Ungerechtigkeit: Frauchen ermahnte mich ruhig zu sein und der andere Hund durfte weiter kläffen. Seine Zweibeiner störte das nicht. Im Gegenteil: Die Besitzerin der Bellmaschine forderte mein Frauchen oberschlau auf: „Lassen Sie Ihren Hund von der Leine.“ Ich hatte nichts dagegen, mein Frauchen schon. Sie teilte der Frau mit, dass ich mit 5 Monaten einiges lernen müsste. Die Antwort lautete: „Wer eine Leine braucht, hat kein Vertrauen zu seinem Hund.“ Ich dachte mir: Das ist besser in meinem Fall – und ich staunte: Frauchen kann offenbar Gedanken lesen und sagte, was ich dachte.

Frauchen lässt ein anderes Frauchen verstummen

Das stachelte die Schneeflocken-Besitzerin an und sie warf Frauchen vor, dass sie von Hunden keine Ahnung hätte. Ich schüttelte unwillig meine zu großen Ohren und hörte Frauchen sagen: „Ich bin Tierpsychologin und mein Paulchen lernt an der Leine zu gehen, weil es auch Leute gibt, die Angst vor Hunden haben. Und er lernt brav unterm Tisch zu liegen, damit er nicht andere Gäste nervt wie iIhr Hund es tut.“ Das hatte gesessen. Die andere Frau verstummte.

Nase weg von fremden Geldbeuteln

Beim Bezahlen wollte ich mich bei der Bedienung für den guten Service bedanken. Ich machte Männchen und als sie mich dafür lobte und streichelte, steckte ich meine Nase in ihren umgeschnallten Beutel. „Pfui! Nase weg von fremden Geldbeuteln“, belehrte mich Frauchen.

Ein zufriedenes Grinsen rettet den Tag

Das brachte mich zum Nachdenken: Kam der rennende Mann vorhin nicht aus der Biergarten-Richtung? War er womöglich an den Geldbeutel gegangen? Musste er deshalb davonlaufen? Ich sollte es nicht herausfinden, denn wir verließen den immer noch kläffenden Hund und den Biergarten, in dem sich ein neuer Gast über den lauten, weißen Hund beschwerte. Ich bemerkte ein zufriedenes Grinsen bei meinem Frauchen und wusste: Sie hat gute Laune und damit ist der Tag gerettet. Komme, was mag… Text: Paulchen / Foto: Marion Friedl

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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