Paulchens Welt: Sichtkontakt beim Haufen machen

Copyright: Marion Friedl

Frauchen ist manchmal so indiskret. Die sieht nicht mal weg, wenn ich einen Haufen mache. Ich habe wirklich alles getan, um sie eines Besseren zu belehren und habe zurückgeschaut. Und was hat sie getan? Sie hat gefragt: „Warum schaust Du mich an, während Du Dein Geschäft erledigst?“ Irre, was…?

Allein kacke ich anders als mit Frauchen

Gut, ich muss zugeben, dass ich Frauchen ohnehin nicht aus den Augen lasse, während ich meinen Haufen setze. Ich verrenke mir sogar den Kopf, damit ich rückwärts über die Schulter zu ihr sehen kann, während ich – na, Ihr wisst schon… Allein schaue ich durch die Gegend und kümmere mich um nichts, aber wenn sie dabei ist, dann ist das anders. Das musste ich nun schon betonen, dass ich allein anders kacke als mit Frauchen.

Ich bin doch kein Angsthase

Die kam nämlich eines Tages auf die Idee, dass ich sie bei meiner Darmpflege ansehe, weil ich mich fürchten könnte. Häh? Ich? „Keine Angst, Paulchen. Dir passiert nichts, Du kannst ganz in Ruhe fertig machen“, hat sie gemeint. Ich hätte mich ohnehin nicht unterbrechen lassen, aber wozu das erwähnen? Außerdem: Wenn sie mich beobachtet, dann achtet sie auf nichts anderes und kann mich schon deshalb nicht beschützen. Was aber kein Beinbruch ist, denn ich bin alles andere als ein Angsthase. Darauf lege ich großen Wert. So gesehen: Wenn ich zu ihr sehe während meiner dringenden Angelegenheit, dann doch wohl nur, um sie im Fall der Fälle zu beschützen und nicht umgekehrt. Die kommt auf Ideen…

Ich überprüfe, ob sie mich beobachtet

Es ist verrückt, aber man kann sich echt daran gewöhnen, dass man bespitzelt wird. Ob im Garten oder unterwegs – inzwischen schaue ich wahrscheinlich schon zu Frauchen, um sicher zu gehen, dass sie mich auch beobachtet. Alles andere wäre absonderlich und damit ein Alarmsignal. Sie könnte ja abgelenkt sein und nicht mehr auf mich und meinen Haufen achten. Wenn ich sie nicht zurück-beobachte, dann könnte mir ja womöglich etwas entgehen. Das könnte ein Feind sein, aber es könnte auch ein Hundekumpel sein, den ich verpasse, nur weil ich mal muss…

Es kommt darauf an, wie man stubenrein gemacht wird

Wie bitte? Ich soll nun endlich zur Sache kommen und erklären, warum ich zu Frauchen schaue, wenn ich das hinten absetze, was vorne reingekommen ist? Mann, seid Ihr ungeduldig. Also gut: Frauchen ist schuld daran. Sie hat mich stubenrein gemacht. Hihi, jetzt sehe ich aber die Fragezeichen in Euren Augen. Ist doch ganz normal, dass man einem Welpen beibringt, wo er zu pinkeln und zu koten hat. Ja, da habt Ihr schon Recht, aber es kommt darauf an, wie man das macht.

Frauchens Scheißerle-Party ist schuld

Als ich ein Welpe war, ist Frauchen mit Argwohn um mich gewesen. Beim kleinsten Anzeichen hat sie mich sofort nach draußen gebracht. Manchmal sogar zu früh, weil ich noch gar nicht musste, sie aber glaubte, dass ich musste. Aber egal: Sie brachte mich raus, wartete und wartete und wartete… Meistens wartete sie ziemlich lang, weil ich vergessen hatte, dass ich musste oder andere Dinge wichtiger waren. Aber irgendwann hockte ich mich hin und hinter mir brach Jubel aus: Wie einen Pop-Star hat die mich gefeiert und ich beeilte mich, weil ich schon das Leckerli in ihrer Hand sah. Sie nannte das eine Scheißerle-Party.

Die Nummer zog sie jedes Mal ab und seitdem schaue ich mich um, ob sie a) mit der Wahl meines stillen Örtchens zufrieden ist und b) ob sie ein Leckerli in der Hand hat. A trifft in der Regel immer zu, B leider überhaupt nicht mehr. Sehr enttäuschend… Naja, Frauchen meint, so ist das halt, wenn man erwachsen wird. Irgendwann ist das ganz normal, dass ich einen Haufen mache. Sie findet ihn allerdings so dufte, dass sie ihr Kotbeutelchen zückt und ihn jedes Mal mitnimmt. Ich würde den Haufen einfach liegen lassen. Wird ja nicht mehr gebraucht….

Frauchen ist ein Rätsel: Ich muss sie weiter beobachten

Aber wenn das so normal ist, warum sieht sie mir dann immer noch zu? Manchmal werde ich echt nicht schlau aus ihr. Sie ist ein Rätsel auf zwei Beinen. Ich muss Frauchen weiter beobachten. Vielleicht kapiere ich es ja irgendwann… Text: Paulchen / Foto: Marion Friedl

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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