Paulchens Welt: Rudelmacht ist keine Frage der Größe

Copyright: Marion Friedl

Bei mir war aber was los: Diese Woche war Hundeparty angesagt. Okay, Menschen waren auch dabei, aber die saßen am Tisch und wir Hunde haben den Garten gerockt. Eine echte Vierer-Bande wollten wir sein und natürlich wollte ich das Kommando haben, aber dann wurde Euer Paulchen von kleinen Hunden ausgebremst, weil die meinten: Rudelmacht ist keine Frage der Größe.

Warm up mit Kräftemessen und Ausdauerwettbewerb

Alles fing vielversprechend an: Mein Kumpel Smokey kam mitsamt Frauchen an und wir powerten los: Verfolgungsjagd, Balgerei, Ballspiel, Plantschpool – alles dabei, was einem Border Collie wie Smokey und einem Aussie-Boxer-Border-Collie-Mix wie mir Spaß macht. Ich bin mit meinen neun Monaten schon so groß wie Smokey mit seinen eineinhalb Jahren und da gehören  Kräftemessen und Ausdauerwettbewerb unbedingt zum Programm. Keiner von uns beiden machte schlapp und jeder gewann und verlor mal.

Das war eine unerhörte Ignoranz

Eigentlich waren wir rundum zufrieden. Doch dann parkte ein Auto vor dem Gartentor ein und es sprangen zwei kleine Hunde heraus: Der wuschelige Charlie und Pascha mit seinem glatten Kurzhaar-Look. Die waren nur halb so groß wie Smokey und ich. Klar, dass wir uns dachten: Wenn wir ein Rudel auf Zeit gründen sollten, dann nur, wenn die beiden nach unserer Pfeife tanzen. Wir probierten die Rudelmacht gleich mal aus, aber das Ergebnis ließ zu wünschen übrig: Charlie spazierte los und erkundete meinen Garten und Pascha drehte mir und Smokey den Allerwertesten zu. Das war eine unerhörte Ignoranz, die uns Draufgängern gar nicht gefiel.

Da lief etwas gründlich schief

Smokey und ich versuchten es freundlich mit einer Spielaufforderung. Die Neuen ließen sich nur halbherzig darauf ein und besuchten ziemlich schnell ihre Menschen am Tisch. Häh? Warum das denn? Es gab ja noch nicht mal was zu essen… Smokey und ich wollten daraufhin die beiden streng zur Rudelordnung rufen und ihnen sagen, wer hier das Kommando hat. Also bellten wir die beiden an und wollten sie mit lautstarker Rudelmacht auf Linie bringen. Wir ernteten zu unserem größten Erstaunen Zurechtweisung von der Kleinhunde-Fraktion. Der vierjährige Charlie bellte uns derart selbstbewusst an, dass wir wie vom Donner gerührt dastanden und den kleinen Kerl verblüfft anstarrten. Der neunjährige Pascha hatte sich zu seiner ganzen Größe aufgerichtet – was nicht viel war – und stand imponierend hinter Charlie. Was für ein Macho! Irgendwas lief hier gründich schief.

Koalitionsverhandlungen und ein Spaghetti-Krieg

Ich befürchtete, dass ein Riss durch unser Party-Rudel gehen könnte. Smokey und ich auf der einen Seite, Charlie und Pascha auf der anderen Seite. Groß gegen Klein. Bedauerlich, aber wenn die das so haben wollen – bitteschön. Smokey und ich beschäftigten uns wieder miteinander und verdrängten erst mal den Gedanken an die gescheiterten Koalitionsverhandlungen. Als die Spaghetti aufgetischt waren, bezogen wir Hunde unsere Posten unter dem Tisch. Ich hatte den besten Platz erwischt: Einem Kind purzelte die Spaghetti herunter. Mit Soße. Was den anderen Hunden nicht entging. Sie drängelten unter dem Tisch bis dieser wackelte und jeder wollte an die Spaghetti ran. Ich beendete den Spaghetti-Krieg, denn ich war der Schnellste und weg war die Nudel.

Es ging ein Riss durch das Party-Rudel

Nach dieser Meisterleistung von mir war ich mir sicher: Ich war Sieger und Sieger haben die Rudelmacht. Sofort wollte ich meine Rolle als Rudelboss festigen und forderte die anderen zu einem Spiel auf dem Rasen auf. Smokey war natürlich auf meiner Seite, aber die anderen bockten wieder und wiesen uns erneut kläffend zurecht. Unglaublich, was die sich erlaubten. Gehorsamsverweigerung… Der Riss im Rudel schien größer zu sein, als ich dachte.

Zusammenhalt am Gartenzaun

Doch dann waren wir uns auf einmal einig: Ein Spaziergänger mit Hund ging am Garten vorbei. Wir pfiffen in diesem Moment auf die Rudelmacht: Wer braucht in diesem Moment schon einen Anführer? Wir gaben gleichzeitig zu viert Gas, rasten zum Gartenzaun und starteten eine Bell-Attacke vom Feinsten. Keinem von uns fiel dabei auf, dass der Hund vor dem Zaun ein Retriever war und damit größer als wir alle. Und was tat der? Er sah uns an und sagte nichts mehr. Der war sprachlos.

Rebellion in den eigenen Reihen

Ich war hochzufrieden mit meinem Rudel, das so gut an einem Strang zog und  freute mich über den Zusammenhalt. Ich ahnte nicht, dass dieser Zusammenhalt sofort wieder vergessen war, als der Retriever weg war: Charlie verfiel in sein altes Verhaltensmuster und Pascha stand ihm wacker bei. Rebellion in den eigenen Reihen… Der Gipfel war, dass ich mich gemeinsam mit Smokey unterordnen musste.

Auch Napoleon war ein kleiner Mann

„Da sieht man mal wieder: Autorität und Führungsposition ist keine Frage der Größe“, verspottete uns mein Frauchen. Sie erinnerte sogar daran, dass auch Napoleon ein kleiner Mann war. Doch war der nicht in der Verbannung gelandet? Und könnte man dann nicht…

Das nächste Mal geben nicht die Kleinen den Ton an…

Als hätten die Besitzer von Charlie und Pascha meine Gedanken hören können, leinten sie ihre kleinen Hunde an und machten sich auf den Heimweg. Mist… Aber bei der nächsten Hundeparty sollten wir das mit Napoleon und der Verbannung überprüfen. Smokey und ich haben uns das fest vorgenommen und dann werden wir ja sehen, wer die Party-Rudelmacht hat und wohin das für Putschisten führt… Text: Paulchen/Foto: Marion Friedl   

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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