Paulchens Welt: Ohne „Nein“ wäre das Leben schöner

Copyright: Marion Friedl

Das häufigste Wort ist derzeit „Nein“. Frauchen scheint voll darauf abzufahren, denn Euer Paulchen hört es dauernd. Erst dachte ich ja: Nun gut, vielleicht ist das ja wirklich so toll. Aber ich wurde leider eines Besseren belehrt. „Nein“ heißt so viel wie „Lass das“, „Das darfst Du nicht“, „Verboten“. Es ist überhaupt kein schönes Wort, aber es ist Frauchens Lieblingswort.

Du verstehst mich nicht

Manchmal bin ich versucht, auf dieses „Nein“ mit „Du verstehst mich nicht“ zu antworten. Aber bevor ich dazu komme, höre ich Frauchen seufzen und sagen: „Warum verstehst Du mich nicht?“ Immerhin: Ihr scheint es genauso zu gehen – wir sind uns ja so ähnlich. Unglaublich ist das.

Überfälle und Liebesbisse sind nicht erlaubt

Aber ich schweife ab. Ich wollte Euch ja erzählen, was ich alles nicht darf. Ich sprang mit vollem Schwung auf die Couch und turnte auf Frauchen herum. „Nein!“, rief sie. Ich setze mich entsetzt auf meinen Popo, sah sie an und dachte mir: Hey, das war so lustig… Frauchen fand es nicht lustig, sondern respektlos. Häh? Aber gut, man muss nicht über alles nachdenken. Also legte ich mich brav neben sie auf die Couch und zunächst war Frauchen zufrieden mit mir. Dann näherte ich mich mit meiner Schnauze ihrer Hand an, biss hinein und zog daran. Erst rief sie „Aua!“ und dann „Nein!“. Ich verstand die Welt nicht mehr. Das waren Liebesbisse, die leidenschaftlich ausgeufert sind. Und sie mag das nicht?!

Das „Nein“ versaute mir die Lust am Pinkeln

Nun war ich beleidigt, weil ich mit so viel Unverständnis und so wenig Liebe bedacht wurde. Angesäuert sprang ich von der Couch und während ich durchs Wohnzimmer streunte, überkam mich ein dringendes Bedürfnis. Instinktiv ging ich in die Hocke (Beinchen heben funktioniert noch nicht unfallfrei). Frauchen sah es und rief– na, was wohl – „Nein!“. Das war so laut, dass mir die Lust aufs Pinkeln verging. Immerhin: Es ging hinaus in den Garten.

Die Rache ist mein

Im Garten ging dieses „Nein“-Gerufe weiter: Kot ins Maul nehmen: „Nein!“, die Amsel jagen: „Nein“, an Frauchen hochspringen: „Nein“… Und so ging das munter weiter. Es war entsetzlich. Ich beschloss, mich für diese „Nein“-Gängelei zu rächen. Mir musste bloß noch einfallen, wie ich das am besten mache.

Zu unsinnigen Kommandos sage ich „Nein“

Einige Stunden später hatte ich eine Mega-Idee: Frauchen wollte spielen – und zwar nicht nur zum Vergnügen sondern mit Paulchen-Lerneffekt. Pah! Jetzt hört die aber mal ein „Nein“ von mir, dachte ich und wartete auf die Gelegenheit, um ihr meine Intelligenz und meinen Protest gleichermaßen zu beweisen. Sie befüllte ein Holzschächtelchen mit einem Leckerli, zeigte mir, wie man den Deckel davon abhebt und sich das Leckerli holt. Dann sollte ich das aufs Kommando „Such!“ machen. Ein völlig unsinniges Kommando, denn das Leckerli musste ich nicht suchen. Ich wusste ja, wo es war. Deshalb dachte ich „Nein!“ und wartete darauf, dass Frauchen den Deckel wieder öffnete, weil sie denkt, dass ich das Spiel nicht kapiert habe. Sie tat es und ich schnappte mir blitzschnell die Belohnung, die ich mir eigentlich hätte verdienen sollen. Deshalb rief sie auch wieder streng: „Nein!“.

Schreddern macht das Spiel lustiger

Sie befüllte das Kästchen erneut und dann hatte ich Glück: Das Telefon läutete. Frauchen telefonierte, während ich eifrig und fleißig mit dem Intelligenzspielzeug übte: Ich hob den Deckel auf, fraß erst das Leckerli nach dem Sicherheits-Motto „Was im Bauch ist, kann mir niemand mehr nehmen“ und dann schredderte ich mit meinen spitzen Beißerchen den Deckel. So, das war meine Rache: Erst „Nein“ zur Übung wuffen, dann Frauchen austricksen und das Spiel abändern, damit es lustiger wird. Perfekt!

Erziehung erfolgreich abgewehrt

Frauchen kam zurück, rief mal wieder „Nein!“ und schickte ein „Was hast Du getan?“ hinterher. Ich sah sie unschuldig mit dem bei ihr so beliebten Kulleraugen-Blick an und dachte mir: Frauchen, was ist das für eine Frage? Man sieht doch, dass ich den Deckel verkleinert habe, damit man das Leckerli besser riechen kann. „Das tut man nicht“, lautete Frauchens Überzeugung und ich dachte mir nur: Man nicht, ich schon. Dann jammerte sie: „Das schöne Spielzeug… Jetzt ist es kaputt…“ Prompt setzte bei mir der zutreffende Gedankengang ein: Da siehst Du, wie traurig es ist, wenn es nicht nach dem eigenen Kopf geht. Meine Liebesbisse hast Du abgewehrt. Mpf. Meine Freudensprünge hast Du verboten. Mpf. Und was tue ich? Ich sage Nein zu Spielen, die Erziehung sind.

Nein zum Nein: Das muss ich Frauchen noch beibringen

Allerdings musste ich über Frauchen staunen: Sie hatte tatsächlich verstanden, was ich meinte und beherzigte mein „Nein“. Ich musste nicht mehr mit der Leckerli-Box spielen, sondern durfte Gassi gehen. Was für eine tolle Belohnung für meine Rache! Dachte ich… Aber unterwegs ging das „Nein“-Gerufe wieder los. Leute, ich sage Euch: Das Leben könnte ohne „Nein“ so schön sein. Ich muss das Frauchen unbedingt beibringen… Text: Paulchen / Foto: Marion Friedl

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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