Paulchens Welt: Mein vergessliches Frauchen

Copyright: Marion Friedl

Was muss ich mir nicht anhören, wenn ich etwas lernen soll und es am nächsten Tag vergessen habe. „Kannst Du Dir das nicht endlich mal merken, Paulchen“, sagt Frauchen dann genervt. Die muss reden… Sie vergisst doch selber dauernd was. Ach ja, mein vergessliches Frauchen…

Frauchen vergisst die Häppchen

Sie kann sich nicht mal merken, warum sie in die Küche gegangen ist. Anfangs habe ich mir das von der Couch aus angesehen und Distanz gehalten. Einfach weil ich gespannt war, wie lange es wohl dauert, bis ihr einfällt, dass sie ein Häppchen aus dem Kühlschrank holen wollte. Es waren qualvolle Minuten, in denen sie herum stand, grübelte, umher ging, zur Couch zurück ging, um wieder aufzustehen und wieder in die Küche zu gehen – und hey: Dann wusste es mein vergessliches Frauchen plötzlich wieder und es gab endlich Häppchen.

Ich weise den Weg zum Kühlschrank

Um diesen Erinnerungsfindungsprozess etwas zu beschleunigen, bin ich mittlerweile dazu übergegangen, ihr den Weg zu weisen: Kaum steuert Frauchen die Küche an, renne ich los, überhole sie und setze mich erinnernd vor den Kühlschrank. Das mache ich mehrfach täglich. Allerdings lässt Frauchens Gedächtnis stark zu wünschen übrig: Nicht immer richtet sie sich nach mir und öffnet den Kühlschrank. Also, echt: Mehr kann ich wirklich nicht tun, als mich vor die Häppchenkiste zu setzen.

Wenn sie die Brille oder Schlüssel verschusselt

Das ist aber nicht die einzige Gedächtnislücke von Frauchen. Wenn dann noch die schlechten Augen dazu kommen, ist wirklich Hilfe nötig. „Wo habe ich sie nur hingelegt… Wo ist sie denn…“ Frauchen neigt in solchen Situationen zu Selbstgesprächen. Je länger diese Alleinunterhaltung dauert, umso ärgerlicher klingt sie. „Das gibt es doch nicht… Ich werde noch verrückt…“ Es gibt zwei Dinge, die mein vergessliches Frauchen in diesem verzweifelten Zustand suchen könnte: Ihre Brille oder den Schlüsselbund. Wahrscheinlich glaubt sie, dass ich wüsste, was sie sucht und ich ihr hilfsbereit zur Seite springe, aber Leute: Sie müsste mir wenigstens mitteilen, welches Ding sie gerade sucht. Ist doch nicht zu viel verlangt, oder?

Jetzt soll ich ihr Assistenzhund werden

Nun hat sie sich vorgenommen, aus mir ihren persönlichen Assistenzhund zu machen. Mein vergessliches Frauchen braucht einen Hund, der die Brille oder den Schlüsselbund findet. Sie stellte das Training etwas aufwändig auf die Beine. Sie hat Stofftiere angeschleppt. Das fand ich super. Ich wollte sie sofort alle auf einmal haben. Aber ich bekam nur eine Ente. Die hat sie Quieki getauft. Das klingt kindisch, aber wenn es ihr gefällt, soll sie eben Quieki heißen. Zunächst wurde das Apportierspiel veranstaltet, das ich bereits super kann. „Such die Quieki… Bring die Quieki…“ Funktionierte prima und die Ente quiekte auch, wenn ich rein biss.

Aufwändiges Training für eine einfache Sache

Dann bekam Quieki Gesellschaft von einem Esel mit dem Namen Pedro. Er muss wohl Spanier sein und sprachlos obendrein. Die Ente ist quiek-gesprächiger als der Esel. Dann nahm mir Frauchen Quieki weg und ich musste den stummen Esel apportieren. Als ich das – natürlich – super drauf hatte, durfte Quieki auch mitspielen. Und dann ging das drunter und drüber bei Frauchen: Sie schien dauernd zu vergessen, wen ich anschleppen sollte. Brachte ich Quieki, wollte sie Pedro und umgekehrt. Das war echt irre. Irgendwann setzte ich mich vor Frauchen hin und warf ihr einen Blick zu, der sagte: Entscheide Dich endlich mal.

Quieki und Pedro brauchen auch mal eine Pause

Frauchen schien meinen Bick verstanden zu haben und brachte Ordnung in ihr Chaos. Sie setzte Quieki und Pedro in eine Ecke und verlangte dauernd, dass ich Quieki bringen sollte. Dann war Pause. Wahrscheinlich für die ständig apportierte Quieki und den stummen Zuschauer Pedro. Ich war noch fit und wartete auf das Ende der Pause. Dann sollte ich dauernd Pedro bringen. Ich erfüllte die Aufgaben mustergültig und dachte mir: Geht doch – man muss nur vernünftig mit mir reden…

Schlüssel gefunden – was würde Frauchen ohne mich tun?

Eines Tages verschusselte sie ihren Schlüsselbund mal wieder. Sie hatte vergessen, dass sie das Ding Quieki und Pedro zur Beaufsichtigung anvertraut hatte. Und wer sollte das wieder hinbiegen? Genau: Ich. Immerhin durften die Schlüssel ihren Namen behalten. Weil Pedro und Quieki nicht genannt wurden und nur noch die Schlüssel übrig blieben, schleppte ich auf das Kommando „Such Schlüssel… Bring Schlüssel…“ den Schlüsselbund an. Die hat sich gefreut als hätte ich einen Goldschatz apportiert. Was würde sie nur ohne mich tun? Ich bin jetzt gespannt, wann ich ihre Brille auch noch suchen muss… Text: Paulchen / Foto: Marion Friedl

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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