Paulchens Welt: Mein erster Herbst startet durch

Copyright: Marion Friedl

Mein erster Herbst hat begonnen. Alles begann ja mit einem Riesenschreck in meinem Gassi-Revier: Ein Monster rollte an, machte Krach und spuckte Staub. Frauchen nannte es eine Mähmaschine, aber die hat wohl was durcheinander gebracht. Ihre Mähmaschine für den Rasen im Garten ist kleiner und macht weniger Lärm und Dreck.

Mein Körner pickendes Frauchen

Die Monstermaschine hat mein Feld platt gemacht. Ratzfatz – und es waren keine Halme mehr da, die sich im Wind bewegt haben. Ganz stoppelig und gelb sah es aus. Frauchen sagt, dass sie es abgeerntet haben, damit genug zu essen da ist. Häh? An den Halmen hing kein Fleisch dran, sondern nur Körner und sehe ich aus wie ein Huhn? Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Frauchen Körner picken will. Obwohl mir dieses Bild vom pickenden Frauchen auf dem Feld nicht mehr aus dem Kopf geht… .

Gruselige Pakete auf dem Feld

Ich habe darauf gewartet, dass der Postbote bei uns läutet und ein Riesenpaket mit Körnern abliefert. Aber das ist nicht passiert. Stattdessen rollte der Bauer wieder mit einem Fahrzeug über mein armes, zerstörtes Feld und räumte auf: Alle Halme wurden eingesaugt und hinten als große Pakete wieder ausgespuckt. Das sah gruselig aus, aber die Strohballen waren cool: Ich durfte raufspringen und mir alles von oben ansehen. Ich kam mir riesig vor da oben auf diesem Strohballen. Ich konnte mein Paulchen-Reich bis zum Horizont betrachten und nahm mir vor, eines Tages nachzusehen, was hinter den Hügeln am Horizont ist. Etwa das Wolfsland?

Kokosduft vertreibt Country-Note

Meine Freude über die Strohballen währte nicht lang, denn der Bauer klaute sie mir fast unter dem Hundepopo weg. Nur einen Tag später war kein einziger Ballen mehr da. Sauerei! Stattdessen wurde alles umgeackert und es hat auf dem Feld gestunken. Zumindest nennt Frauchen den Geruch des Herbstes respektlos Gestank. Ich wollte mir etwas Gutes tun und parfümierte mich wälzend mit dem Geruch ein. Ich roch wirklich verführerisch gut nach dem Parfüm mit Country-Note, aber Frauchen rümpfte die Nase, sagte „Igitt, Du Saubär“ und duschte mich ab. Mpf. Ich war beleidigt. Nur weil sie die gesunde Landluft, für die andere viel Urlaubsgeld ausgeben, nicht schätzte, wurde ich nass und obendrein mit – hatschi! – Kokosduft gesäubert. Aber was bitte ist ein Saubär? Ich bin ein Mischling, aber ich wusste nicht, dass bei meiner Herstellung ein Schwein und ein Bär beteiligt waren…

Frauchen hätte mich Winnetou nennen sollen

Inzwischen fallen immer wieder gelbe Blätter auf mich, wenn ich mit Frauchen Gassi gehe. Sie hofft, dass es einen bunten Indian Summer gibt, aber weil ich nicht weiß, was das ist, hoffe ich vorerst nicht mit. Womöglich reiten dann wilde Indianer über mein Feld und wollen mir an den Skalp – äh ans Fell. Das wäre unschön und außerdem: Wenn hier jemand Häuptling ist, dann ja wohl ich. Häuptling mutige Paulchen-Pfote würde ich heißen. Ich frage mich ohnehin, warum mich Frauchen nicht Winnetou genannt hat. Ein tapferer Apachen-Häuptling mit gutem Herz und schön war er auch noch – würde doch echt zu mir passen, oder? Ich spare mir an dieser Stelle zu erwähnen, dass Frauchen manchmal sagt, ich würde etwas schräg aussehen.

Bunte Blätter und vom Erdboden verschluckte Mäuse

Zurück zu den bunten Blättern: Angeblich werden das noch viel mehr und dann gibt es Laubhaufen, in denen ich buddeln darf. Das klingt vielversprechend – auch wenn Frauchen sagt, ich soll aufpassen, dass sich im Laubhaufen keine Maus versteckt, die ich in die Nase beißt. Die erzählt viel, wenn der Tag lang ist. Noch springen die Mäuse auf dem Acker herum und ich werde noch ganz kirre, weil ich sie beim Gassi gehen jage, aber nie erwische. Kaum sind sie da, flitzen sie davon und sind verschwunden. Wie vom Erdboden verschluckt. Sehr ärgerlich…

Pfützen-Springen: Ich bin kein toller Hecht, sondern sehe aus wie Schwein

Ich liege ja gerne vor der Haustür und passe auf, ob sich Fremde nähern. Jetzt im Herbst wärmt mich die Sonne nicht mehr so gut und ich muss immer wieder meine Ohren ein wenig schütteln, weil mich der Wind kitzelt. Aber das ist eigentlich ganz nett. Blöd wird der Herbst nur, wenn es regnet und kalt ist. Dann muss ich Stubenhocker spielen, weil Frauchen die Haustür zumacht. Sie sagt dann, dass es wie Hechtsuppe zieht und saukalt ist. Sie liebt offenbar Vergleiche mit Tieren, obwohl es in meinem Garten weder Hechte noch Säue gibt. Aber wer weiß, vielleicht paddelt ja mal ein Hecht in einer Pfütze herum und schwimmt in meinen Garten hinein. Beim lustigen Pfützen-Springen im Gassi-Revier halte ich jedenfalls die Augen offen. Leider nennt mich Frauchen beim Pfützen-Springen nicht einen tollen Hecht, sondern sie findet, dass ich aussehe wie Schwein.

Mein Allrad-Turbo reicht für einen Wolken-Trip nicht aus

Angeblich soll es stürmisch werden und dann soll ich meine großen Ohren einklappen, damit ich nicht abhebe. Pah! Im Turbo-Gang würde ich als Himmelsstürmer hinauf zu den Wolken fliegen und vielleicht meinen Kumpel Kimba im Regenbogenland treffen und mit ihm plaudern. Aber daraus wird wohl nichts, weil Frauchen sagt, dass mein Allrad-Turbo dafür nicht ausreicht. Wegen dem Sturm will Frauchen den großen Sonnenschirm abbauen und winterfest verstauen. Mit meinem Pool-Schüsselchen hat sie leider schon angefangen: Sauber gemacht und eingemottet. Mein Protest hat nichts geholfen. Sie meint, die Badesaison ist vorbei. Anscheinend hat der Herbst nicht nur schöne Seiten. Aber ich gebe ihm noch eine Chance. Mal sehen, was mein erster Herbst noch bringen wird. Text: Paulchen / Foto: Marion Friedl

 

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

No comments yet Categories: Hunde Schlagwörter:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*