Paulchens Welt: Langsam durch den Wildpark

Copyright: Marion Friedl

Es sollte ein großes Abenteuer werden. „Wir gehen in den Wildpark, damit Du Neues entdeckst und lernst, dass man langsam geht und bei anderen Tieren ruhig bleibt.“ So weit der Plan von Frauchen. Ich dachte mir nur: Vergiss das Lernen, Hauptsache ein Abenteuer. Und dann war das irgendwie gar nicht abenteuerlich.

Frauchen ist manchmal peinlich

Während mein Kumpel Smokey im Wildpark mustergültig an der Leine seines Frauchens ging, zog ich begeistert mein Frauchen hinter mir her. Es nervte, dauernd ihre Ermahnungen zu hören. Sie besteht ja nicht auf korrektes bei Fuß gehen, aber ich soll nicht ziehen und deshalb auf das Wort „langsam“ hören. Nun ja, zunächst sah es so aus, als würde Frauchens Vokabular nur aus diesem Wort bestehen und ich schämte mich fast schon für ihren dürftigen Wortschatz. Schließlich waren noch andere Leute im Wildpark und ich war mir sicher: Nach diesem Ausflug können alle Wildpark-Besucher das Wort „Langsam“ im Schlaf. Frauchen dachte sich wohl Ähnliches, denn sie meinte: „Paulchen, langsam müsstest Du langsam kennen. Langsam!!!“ Nun sagte sie es schon drei Mal hintereinander. Wie peinlich…

Schweine sind keine Kumpel

Ich schaltete einen Gang runter und näherte mich langsam (!) im Erziehungsgeschirr dem ersten Geruchserlebnis an. Es stank dermaßen, dass ich es nicht überriechen konnte. Übeltäter waren Wildschweine und ich entschied: Das sind keine Kumpel. Ich hoffte inständig, dass Frauchen keines davon mitnahm und in meinen Garten setzte.

Elche und Wisente hatten Feierabend

„Ja, wo sind sie denn?“, entfleuchte es Frauchen bei den nächsten Gehegen. Weder die Wisente noch die Elche ließen sich blicken. Die hatten wohl schon Feierabend – und das am Vormittag. Immerhin stank es nicht. Bei den nächsten tierischen Bewohnern hatte ich ein Brett vor dem Kopf. Also, ich meine ein richtiges Brett. Die haben im Wildpark viele Gehege mit breiten Brettern blickdicht gemacht. Schafe, Ziegen, Kaninchen und anderes Getier – einfach weggebrettert. Also versteckt.

Luchs war aus – ich witterte Pommes und Bratwurst

„Naja, Du musst halt wittern“, meinte Frauchen etwas enttäuscht. Ich schnupperte in die Luft: Pommes, Bratwurst… Natürlich wollte ich meine Geruchsentdeckung gleich Frauchen zeigen, aber die hatte keine Lust auf Pause am Kiosk. Also weiter durch den Wildpark: „Da vorne wohnt der Luchs“, teilte sie mir mit. Luchs klingt nach Luxus und ich war gespannt auf seine Villa. Ich stand vor dem Gitter und sah Gestrüpp. Nun ja, mein Garten ist gepflegter, dachte ich mir. Ich hörte wieder dieses „Wo ist er denn?“ und beantwortete diese Frage für mich mit den Worten: Luchs ist aus.  Insgeheim rätselte ich, ob er womöglich in der Bratwurst steckte…

Der alte Wolf hatte keine Lust auf ein Gespräch

Langsam – man beachte das Wort – wurde mir das zu langweilig. Entweder waren die Viecher nicht da oder man sah sie nicht. Aber da sollte ja noch das Highlight kommen: Wölfe. Ich hatte mir fest vorgenommen, ein Gespräch mit meinen Verwandten zu führen. Und was passierte? Wir kamen an das Gehege, standen vor einem Gitter, sahen einen alten Wolf, der das Wort Langsam mit an Perfektion grenzender Langsamkeit umsetzte und als ich ihn freundlich anfiepte, drehte er mir den Popo zu und verschwand – natürlich langsam – im Wald. Danke fürs Gespräch…

Abkühlung im Ententeich

Da sich kein weiterer Wolf blicken ließ, starteten wir den Rest der Rundgang-Etappe. Steinböcke und Pferde waren noch da, aber die hatten auch keine Lust auf eine Plauderei. Nach weiteren leeren Gehegen näherten wir uns wieder dem Pommes- und Wurstgeruch an. In einem Teich paddelten Enten herum und ich hatte nun endgültig Lust auf wenigstens ein kleines Abenteuer. Ich nahm ein kühles Pfotenbad, woraufhin die Enten weiter hinaus schwammen und scheinbar so zu einem Spiel aufforderten. Weil mir das aber zu blöd war, wollte ich ihren Teich leer schlabbern. Irgendwann ging nichts mehr rein in meinen Bauch und ich verspürte Appetit auf Pommes und Bratwurst. Pech nur, dass der Teich zwischen mir und der Bratwurst lag und Frauchen Kurs auf den Ausgang nahm.

Endlich: Echte Miniwölfe und Bratwurst direkt vor der Nase

„Das war nicht der Brüller“, befand sie. Ich musste ihr Recht geben und trottete zum Auto. Wir fuhren zu meinem Kumpel Smokey. Als wir eintraten, sausten vier kleine weiße Hunde herum. Cool! Die Mitbewohner aus dem ersten Stock hatten Freigang und Frauchen sagte nicht mal „langsam“! Da sieht man ja mehr Tiere als im Wildpark! Echte Miniwölfe, freute ich mich. Doch es kam noch besser: Unsere Frauchens warfen den Grill an: Hm, Bratwurst-Duft… Text: Paulchen / Foto: Marion Friedl

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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