Paulchens Welt: Ein Hundemodel hat es nicht leicht

Copyright: Marion Friedl

Ich wette, dass es Jagdhunde gibt, die beim Kommando „Such“ tatsächlich Beute suchen dürfen. Und wenn es „Bleib“ heißt, darf man wenigstens noch den Kopf bewegen – vorausgesetzt, man ist ein stinknormaler Hund. Aber nicht bei meinem Frauchen. Die meint nämlich, dass ich ein Hundemodel bin und da läuft es mit den Kommandos ganz anders.

„Such“ bedeutet: Nur anschauen, nicht fressen

Das eigenartigste Kommando ist „Such“. Mein Frauchen wirft irgendwas auf den Boden direkt vor meine Nase, ruft Such und ich sitze da und denke mir: Frauchen, verscheißern kann ich mich selbst. Ich muss das nicht suchen, ich sitze bereits davor. Und Du weißt genau, dass Du es vor meine Nase geworfen hast. Wenn Du Dich nicht mehr erinnerst und das Offensichtliche nicht mehr sehen kannst, dann wirf Deine Nase an und such es selbst. Sie musste sich schon was einfallen lassen, um mich zum Suchen zu überreden. Gut, dass sie zu dem von mir geliebten Leckerli-Trick griff: Sie versteckte etwas im Tuch, warf es vor mich hin und sagte „Such“. Weil es verlockend roch, tat ich ihr den Gefallen, fraß das Leckerli und ließ das Nicht-fressen-Tuch links liegen. Frauchen jubelte: „Na bitte, geht doch, Paulchen.“ Ja, so schon.

Es war hartes Hundemodel-Training bis ich begriffen hatte, dass ich bei „Such“ etwas anschauen muss, es aber nicht fressen oder in überbordender Spielfreude zerlegen darf. Da musst Du erst mal drauf kommen… Irgendwann unterlief mir ein Fehler: Frauchen sagte „Such“ und ich schaute in einen Karton, obwohl sie darin kein Leckerli versteckt hatte. Seitdem bescheißt sie mich immer öfter und lässt mich ohne Beute suchen.

Bei „Sitz“ muss die Po-Richtung stimmen

Manchmal bin ich schon neidisch auf Hunde, die einfach Hunde sein dürfen. Okay, die müssen auch auf Kommandos hören, aber sie haben garantiert kein so pingeliges Frauchen wie ich. Die müssen nicht auf den Zentimeter genau den Sitzplatz einhalten. Wenn Frauchen ihre Kamera holt, geht das mit den Kommandos los: Sie lotst ihr Hundemodel Paulchen zu einem bestimmten Platz und sagt dann „Sitz“. Meistens passt mir die Sitzposition aber nicht, die Frauchen sich ausgesucht hat. Dann drehe ich mich um mich selbst und setze mich, wenn die Drehung meinem Geschmack entspricht. Meistens ist das mit dem Po zu Frauchen. Das gefällt mir, aber nicht ihr. Und dann geht das wieder los: Frauchen richtet mich neu aus und ich drehe mich wieder. Nach ein paar Mal, denke ich mir: Drauf gewinselt und gejault – setze ich mich eben so wie gewünscht hin, damit das Affentheater bald ein Ende hat.

Bei „Bleib“ darf nicht mal mein Ohr wackeln

Aber beim „Sitz“ bleibt es meistens nicht. Kaum ist sie damit zufrieden, heißt es das erste Mal „Bleib“. Gut, Ihr werdet sagen: Macht Sinn, dass ein Hundemodel beim Shooting sitzen bleiben soll. Ja, aber ich muss sozusagen auf „Bleib Schau Bleib“ hören. Kaum sitze ich, drückt sie an meinem Kopf herum bis er schräg ist, sagt „Schau mich an“ und wenn ich zu ihr rüber schiele, sagt sie „wieder „Bleib“. Das bedeutet: Nicht nur ich muss bleiben, sondern auch meine Ohren, meine Nase und überhaupt alles an mir muss bleiben. Ich friere sozusagen ein. Und manchmal dauert es lang bis Frauchen fertig ist mit Knipsen. Erst dann darf ich wieder mit den Ohren wackeln.

„Komm“ bedeutet langsam nach Frauchens Pfeife tanzen

Bei „Komm“ ist doch eigentlich jeder Zweibeiner zufrieden, wenn sein Hund postwendend Gas gibt und zu ihm rennt. Unterwegs ist Frauchen auch damit zufrieden, aber nicht wenn die Kamera klicken soll. Dann bedeutet „Komm“ nämlich langsam kommen. Sie braucht ja Zeit zum Fotografieren und es soll nichts verwackeln. Dass die Kamera ein Sportprogramm hat, ignoriert Frauchen erfolgreich. Sie hat ja ein Paulchen, das nach ihrer Pfeife tanzt.

Nach dem Shooting schicke ich ohne Rechnung die erste Mahnung raus

Naja, irgendwann gewöhnt man sich an die Eigenheiten von Frauchen. Und die muss ich häufig aushalten, denn ich werde täglich für meine Facebook-Seite fotografiert. Immerhin zahlt sie pünktlich und zuverlässig mein Honorar, denn das habe ich ihr beigebracht: Ohne Leckerli-Honorar arbeite ich nicht. Kaum ist das Foto im Kasten, schicke ich ohne Rechnung die erste Mahnung raus. Eine zweite Mahnung ist Gott sei Dank nicht nötig. Sie hört inzwischen auf mein Kommando. Text: Paulchen / Foto: Marion Friedl

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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