Paulchens Welt: Der Welttierschutztag bringt mir nichts

Copyright: Marion Friedl

Wau! Ausgerechnet heute, an meinem Kolumnentag, ist Welttierschutztag. Ich muss zugeben, in meinem jugendlichen Leichtsinn dachte ich sofort: Aha! Mein Frauchen muss sich heute besonders ins Zeug legen für mich. Aber der Tag startete nicht vielversprechend: Mein Frühstück sah aus wie immer. Da geht noch was, oder?

Futter ist echter Tierschutz

Ich war wirklich etwas enttäuscht, denn ich bekam kein Luxus-Fressi in den Napf und mehr als sonst war es auch nicht. Nun liegen meine Hoffnungen auf der nächsten Mahlzeit. Futter ist echter Tierschutz: Ist der Bauch voll, bin ich zufrieden, satt und von innen wird die Gesundheit schützt. Vorausgesetzt die Qualität stimmt. Dann kommt es zu keinen Mangelerscheinungen, sagt Frauchen.

Mangelerscheinung in meinem Napf

Das war mein Stichwort: Ich ging zu meinem inzwischen leer gefutterten Napf und sah traurig hinein. Die Mangelerscheinung war direkt in meinem Napf angekommen. Nichts mehr drin. Normalerweise zieht ein trauriger Blick immer, aber leider nicht am Futternapf. Auch heute ließ sich Frauchen nicht beeinflussen Sie rückte keinen Nachschlag raus. „Auch am Welttierschutztag gibt es nur eine Portion“, sagte sie. Mist. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Ihre Ausrede, dass auch regelmäßige Fütterungszeiten und die richtige Menge Tierschutz wären, gingen da bei einem Kippohr rein und beim anderen Ohr raus.

Gassi-Runde „Such die Arten“

Aber es gab ja noch eine weitere Chance, dass der Welttierschutztag für mich etwas bringen würde. Gassi gehen stand auf dem Programm. Wie wäre es denn da mit ein wenig Abwechslung? Eine Runde durch den Zoo, um mir all die schützenswerten Tiere anzusehen – das wäre das richtige Programm. Aber Nein, ich musste mit meinem bekannten Gassi-Revier Vorlieb nehmen. Ich beschloss, den Spaziergang ein wenig dem Tagesmotto anzupassen und spielte „Such die Arten“. Direkt vor dem Gartentor schwirrte eine Wespe um mich herum, aber ich durfte nicht mit dieser Art spielen. Mitleidlos meinte Frauchen: „Bald hat es sich ausgeschwirrt, denn es wird kalt.“ Okay, ich war eigentlich zufrieden, dass sie den Viechern kein Winterquartier bei uns anbot. Die nerven eigentlich nur und sind ein wenig rabiat. Wahrscheinlich würden sie auf den Welttierschutztag pfeifen und eine Tierart wie mich stechen.

Ausgestorbene Fische und Verzicht als Storchenschutz

In der Wiese suchte ich mit meiner Nase in jedem Grasbüschel nach einer Art. Zwischendrin flitzte ich einer Maus hinterher und als ich einen Mäuselsprung der besten Art hinlegte, landete ich statt auf der Maus in einer Ackerfurche. Frauchen lachte, ich war beleidigt. Ich plantschte am Bachufer (zum Baden war es mir zu kalt), aber es ließ sich kein Fisch blicken. Wahrscheinlich schon ausgestorben. Dafür sah ich sehr weit vorne Störche in der Wiese herum stolzieren. Weil die anscheinend noch keine Lust auf Urlaub im Süden haben, bogen wir früher ab als sonst und meine Gassi-Runde fiel kürzer aus. Frauchen merkte natürlich, dass mir das nicht gefiel, aber sie meinte, das wäre unser Beitrag zum Artenschutz. Häh? So hatte ich mir die Motto-Gassirunde nicht vorgestellt. Aber immerhin: Weil ich auf den Besuch bei den Störchen brav verzichtete und auf Frauchens Kommandos hörte, wurde ich mit Leberwurst aus der Tube belohnt. Das schützt vor Paulchen-Blödsinn, hat Frauchen festgestellt.

Auch am Welttierschutztag wird der Gartenzaun nicht abgebaut

Als wir zu Hause ankamen, gingen wir ins Haus und schwupp machte Frauchen die Haustür zu. Ich hatte mich im Sommer daran gewöhnt, dass die Tür den ganzen Tag offen ist und ich jederzeit rein und raus kann. Aber seit Tagen macht sie die Tür nur noch zeitweise auf. Es ist zu kalt dafür, meint sie. Nicht mal am Welttierschutztag schenkte sie mir Freiheit. Es würde so laufen wie in den letzten Tagen: Entweder sitze ich drin fest oder in meinem Garten. Den Garten nennt Frauchen wegen dem Gartenzaun Frischluftzwinger. Ich bräuchte den Zaun ja nicht, aber Frauchen will ihn behalten. Angeblich verhindert der, dass ich allein Gassi gehe und das schützt mich. So gesehen bin ich mir sicher, dass sie den Zaun auch am Welttierschutztag nicht abbauen wird. Mpf.

Karten legen für den Chef Paulchen: Wau, Veränderungen stehen an!  

Immerhin bemerkte Frauchen, dass ich unzufrieden war mit der Stubenhockerei. Und sie versprach mir ein Highlight. Toll, dachte ich und rannte los, um Spielzeuge zu suchen. Das hatte sie aber nicht gemeint. Spielen würde erst am Nachmittag auf dem Programm stehen. Stattdessen legte sie mir die Karten. Hey Leute, was für ein Highlight… Aber wer weiß, dachte ich mir: Vielleicht steht ja etwas in den Karten, das mir etwas bringt. Das Ergebnis war enttäuschend: Auf dem Tisch lag die Karte des Lernens (Ich hasse das), die Karte für Führungsqualität (Wozu? Ich habe sowieso das Sagen), die Karte für mein Zuhause (Wahrscheinlich bleibt die Tür zu) und eine Karte für die Freundschaft (Darauf steht Frauchen).

Frauchen übersetzte die gelegten Karte so: Ich muss noch viel lernen, um eines Tages die Führungsposition zu übernehmen. In meinem Zuhause bin ich sicher aufgehoben, aber es könnte eine Veränderung eintreten. Außerdem bahnt sich eine neue Freundschaft an. Na, das ist doch mal was: Ich hätte da einige Anregungen für Veränderungen im Zuhause und gegen einen neuen Freund habe ich auch nichts. Wenn es mehrere Freunde sind, brauche ich allerdings einen Terminkalender.

Ich werde auf die Karten hören und Veränderungsideen einbringen

Nun bin ich gespannt, was der Rest vom Welttierschutztag für mich bringen wird. Ich werde da mit meinen Veränderungsideen ein wenig nachhelfen müssen. Schließlich soll man sich danach richten, was in den Karten steht. Das hat Frauchen gesagt und ich höre (meistens) auf mein Frauchen. Mal sehen, ob sie auch auf die Karten hört und meine Ideen beherzigt.  Text: Paulchen / Foto: Marion Friedl

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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