Paulchens Welt: Dein Bett ist auch mein Bett

Copyright: Marion Friedl

Hey, mal ehrlich: Ist Euer Hund ein Bettschläfer? Also, ich schlafe immer in Frauchens Bett. Man soll ja teilen und deshalb stehe ich auf dem löblichen Standpunkt: Dein Bett ist mein Bett. Uuups, jetzt hat Euer Paulchen aber was ausgeplaudert… Egal, ich finde es völlig normal, dass ich bei Frauchen schlafe. Sie war anfangs anderer Meinung, aber sie hat dazugelernt.

Ahnungslosigkeit kann von Vorteil sein

„Das muss doch nicht sein, Paulchen. Du hast Dein Bett“, hat Frauchen anfangs immer gesagt. Ich habe sie mit großen Augen angesehen und sie glaubte, darin zu lesen, dass ich kein Wort verstanden hatte. Ich verzichtete darauf, dies richtig zu stellen, weil ich mir dachte, dass Ahnungslosigkeit vielleicht von Vorteil sein könnte. Schon weil ich einfach keine Lust hatte, allein im eigenen Bett zu schlafen.

Wenn Paulchen rennt, ist er Erster

Ich verzichtete natürlich darauf, das eigene Bett näher in Erwägung zu ziehen. Wo kommen wir denn da hin, wenn ich auf Anhieb folgsam bin? Und so sah das anfangs immer aus: Schlafzimmertüre auf, Paulchen rennt los und – hopp – war ich noch vor Frauchen in ihrem Bett.

Kissen und Decke waren heiß umkämpft

Meistens ergab sich durch meine Schnelligkeit ein geringfügiges Problem. Bis Frauchen im Bett war, hatte ich es mir schon auf ihrer Bettdecke gemütlich gemacht und sie konnte nicht mehr unter die Decke schlüpfen. Das war ein Gezappel… Aber ich bin ja gelehrig und machte ihr großzügig Platz für ihre Beine unter der Decke. Ich wechselte hierfür meinen Platz auf ihr Kopfkissen. Kaum waren die Beine unter der Decke, ging der Kampf um das Kissen los. Das war wirklich lustig und ich pustete Frauchen erfreut ins Ohr. „Igitt! Das ist feucht!“, beschwerte sie sich darüber. Also wanderte ich wieder nach unten und kuschelte mich auf die Bettdecke und an die Füße unter der Decke.

Ich war mal wieder anderer Meinung

Leute, das ist echt gemütlich in Frauchens Bett. Nur ihr Gemecker stört. „Hunde gehören nicht ins Menschenbett“, hat sie gemeint. Und das reichte noch nicht. Sie war doch tatsächlich der Überzeugung: „Du musst lernen, in Deinem Hundebett zu schlafen.“ Klar, dass ich völlig anderer Meinung war, aber Frauchen war schwer von meinem Credo „Dein Bett ist mein Bett“ zu überzeugen.

Eine neue Taktik hatte Erfolg

Also änderte ich meine Taktik, denn ich bin ein junger, aber kein dummer Hund. Ich legte mich brav in mein Hundebett, wartete im Dunkeln einige Minuten bis sich Frauchens Atemzüge nach Schlaf anhörten und dann ging es – hopp – rein in Frauchens Bett. Dass ich mal wieder treu an ihrer Seite war, merkte sie erst morgens mit der Bemerkung: „Du schon wieder.“ Das klang genervt, aber wenigstens war meine Nachtruhe gerettet. Und ganz offensichtlich hatte ich auch Frauchens Schlaf nicht gestört. Was will sie also mehr?

Gut, dass die Wölfe das Rudelschlafen erfunden haben

Damit war die Sache für mich eigentlich erledigt. Für Frauchen offenbar nicht. Eines Morgens sagte sie nicht nur „Du schon wieder“, sondern vermutete: „Das ist wahrscheinlich Rudelschlafen.“ Allein, dass sie diesen Satz hinterher schob, zeigte mir, dass sie offensichtlich noch Diskussionsbedarf hatte. Ich wartete gespannt ab, was sie noch sagen würde. Ich musste nicht lange warten, bis sie erklärte: „Wölfe schlafen nicht allein, sondern aneinander gekuschelt.“ Hoch sollen sie leben, diese schlauen Wölfe, dachte ich mir.

Endlich ging Frauchen ein Licht auf

Ich sah Frauchen bei ihrer Erklärung mit diesem „Wer hätte das gedacht?“-Blick an und Frauchen ging ein Licht auf. „Na gut, dann schläft mein Paulchen eben in meinem Bett“, gab sie nach und damit hatte sie endich verstanden, worum es ging. Ich belohnte diese weise Erkenntnis mit einem Schwanzwedeln und dachte mir: Das ist ein großartiges Vorhaben, Frauchen. Einzig, es hätte ein wenig schneller gehen können mit Deiner Einsicht.

Zweibeiner verstehen wesentliche Dinge nicht sofort

Was soll ich sagen, Freunde: Inzwischen ist Frauchen eine gute Rudelschläferin geworden, wir schlafen beide bestens und die ewigen Debatten über Dein Bett und mein Bett sind auch vom Bett – äh vom Tisch. Ein Hundeleben kann ja so schön sein – man muss nur manchmal Geduld mit dem Zweibeiner haben, wenn er wesentliche Dinge nicht sofort versteht. Text: Paulchen / Foto: Marion Friedl

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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