Paulchens Welt: Autofahren ist irre

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Sollte ich jemals lernen, das Beinchen beim Pinkeln zu heben, dann muss ich aufpassen, dass der Baum nicht davon läuft. Hat da jemand gelacht? Das ist nicht witzig, das ist Tatsache. Euer Paulchen hat die Bäume wirklich rennen sehen. Und die Straßenlaternen auch. Und die Häuser. Es rennt einfach alles, wenn man in einem Auto sitzt. Autofahren ist spannend – und irre.

Vom Gerenne wurde mir schwummerig im Kopf

Schon von diesem Gerenne ist mir beim Autofahren ganz schwummerig in meinem kleinen Kopf geworden. Das ist ja irre, habe ich mir gesagt. Was ich mir nicht erklären konnte: Warum rennen die Bäume in meinem Gassi-Revier und in meinem Garten nicht auf und davon?

Man ist im Bett und im Auto nicht sicher

Im Auto ging es aber auch bei mir rund. „Leg Dich brav hin, dann fällst Du nicht um“, hat Frauchen gesagt. Okay, so schlau bin ich trotz meines zarten Alters von gut 4 Monaten auch. Wobei ich schon mal aus meinem Bettchen rausgefallen bin, obwohl ich brav drin gelegen bin. Keine Sorge, es ist ein ebenerdiges Bett und es ist mir nichts passiert. Aber trotzdem: Nicht mal im Bett ist man sicher. Und im Auto erst recht nicht.

Ich bewerbe mich als Stehaufmännchen

Ich legte mich also im Auto brav auf das gemütliche Kissen, das Frauchen mir spendiert hat. Aber das Geschaukel ärgerte meinen Magen. Also stand ich auf, damit ich zum Fenster hinaus schauen konnte. Und schwupp – in der nächsten Kurve lag ich unfreiwillig wieder auf meinem Kissen. Ich versuchte es noch mal mit dem Autofahren im Stehen: Demnächst bewerbe ich mich als Stand up Comedian oder Stehaufmännchen. Immer wieder purzelte ich aufs Kissen und immer wieder stand ich auf. Mein Gesichtsausruck musste wohl irgendwas zwischen missmutig und genervt gewesen sein. Frauchen sah in den Rückspiegel und kicherte: „Ich habe es Dir gesagt. Leg Dich hin, Paulchen.“

Einige Bäume rasten, andere machten schlapp

Pah! Nicht mit mir! Wann kommt man schon mal weit rum in dieser Welt und muss die Strecke nicht mal laufen? Wenn man bei Frauchen im Auto sitzt. Und dann will ich auch alles sehen. Dann waren sie da – die rennenden Bäume, Laternen und Häuser. Ich drückte die nasse Nase ans rechte fenster, ans linke Fenster und an die Scheibe des Kofferraumdeckels. Da blieben einige Bäume einfach zurück. Die hatten echt schlapp gemacht. Aber rechts und links von uns ging es zu wie auf der Rennbahn. Ich verspürte plötzlich ein dringendes Bedürfnis und fiepte, um meine Not brav anzuzeigen. „Nicht jetzt. Wir sind gleich da“, vertröstete mich Frauchen. Sie hatte großes Glück, dass ich als Welpe an mich halten konnte.

Warum soll ich auf ein abgesperrtes Auto aufpassen?

Das Motorengeräusch von Frauchens Auto passte irgendwie zum Rennbahn-Feeling: Ach wenn Frauchen nicht so schnell unterwegs war wie ein Rennfahrer. Sie bremste sogar – das machen Rennfahrer im Fernsehen selten. Und als sie bremste, machte es wieder schwupp und es warf mich mal wieder in das weiche Kissen zurück. Nun durfte ich pinkeln und danach sollte ich im Auto warten, bis sie den Einkauf erledigt hatte. „Pass schön aufs Auto auf“, hat sie gesagt. Ich fragte mich: Warum? Du hast es doch abgesperrt. Aber nicht alles in der Welt der Zweibeiner ist logisch.

Jagdrevier mit Service

Ich wartete also und beobachtete die Menschen, die vollgepackte Einkaufswägelchen schoben, in denen ich auch gerne mitgefahren wäre. Wau, das muss das Jagdrevier der Menschen sein. Sie machen Beute und kriegen sie auch noch hübsch verpackt. Toll – diesen Service gibt es im echten Jagdrevier nicht. Auch mein Frauchen brachte einen Korb mit tollen Sachen mit. Ich stellte auf der Rückfahrt bedauernd fest, dass der Verpackungs-Service ganze Arbeit leistet. Es war wirklich alles eingepackt. Man roch nichts, man konnte nicht kosten und man konnte nicht beurteilen, ob die Beute schmeckt oder nicht. Also bot ich tatkräftig meinen Auspack-Service an, aber Frauchen legte darauf leider keinen Wert.

Wofür wurde ich eigentlich belohnt und gelobt?

Immerhin: Als wir daheim ankamen, hat mich Frauchen gelobt und mit einem erbeuteten Leckerli belohnt. Ich fragte mich wofür ich gelobt wurde: Für das Umfallen und Aufstehen beim Autofahren? Für meine Aufmerksamkeit beim Rennen der Bäume? Für das Aufpassen aufs Auto? Keine Ahnung. Aber mir war es egal – ich nahm das Leckerli und verspeiste es blitzschnell. Nicht dass dieses Leckerli auch noch davon rennt… Text: Paulchen / Foto: Marion Friedl

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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