Paulchen und Pepino: Schlitzohren unter sich

Copyright: Marion Friedl

„Hey Paulchen! Warum hast Du so große Ohren?“

„Damit ich besser hören kann, Du kleiner Wicht.“

„“Das klingt ja fast wie in dem Märchen…“

„Pass nur auf, dass sich kein Wolf unter meinem Fell versteckt, Pepino. Ein Happs und Du bist weg.“

„Haha, jetzt bekomme ich aber Angst vor Dir, Paulchen.“

„Du nimmst mich wohl nicht ernst, Pepino?“

„Nö, Paulchen. Es gibt Leute, die nennen Dich einfach gutmütiges Schlitzohr.“

„Da ist kein Schlitz in meinem Ohr. Es ist makellos, Pepino.“

Wettkampf der Schlitzohren

„Mir wurde gesagt, dass ein Schlitzohr raffiniert und gerissen ist, Paulchen.“

„Das trifft die Sache schon eher, Pepino. Ich bin ein echter Meister, wenn es darum geht, Leckerlis abzusahnen. Entweder habe ich gute Argumente oder einen unwiderstehlichen Blick – und schon habe ich Frauchen um die Pfote gewickelt.“

„Aber ich kann mich besser einschmeicheln, Paulchen. Ich ziehe dann immer diese  Nummer ab: ich bin ja so klein und brauche so viel Liebe, Frauchen. Und ich habe immer Erfolg damit und werde gepuschelt und gestreichelt.“

„Dafür wirst Du auch sogar zum Schoßhund, Pepino. Das habe ich nicht nötig. Ich weiß nämlich genau, wie ich von Frauchen gelobt werde. Wenn Du kläffst, setze ich mich demonstrativ vor Frauchen hin und mein Bick sagt eindeutig: Siehst Du, Frauchen. Ich mache so etwas nicht.“

„Ja, ja… Und schon bin ich abgeschrieben und Du wirst guter, braver, großer Bär genannt. Mpf.“

„Tja, Pech gehabt, Pepino. Ich bin eben das größere Schlitzohr.“

„Von wegen! Hast Du schon mal beobachtet, wie ich Männchen machen kann, wenn ich ein Häppchen haben will? Du fällst bei der Nummer ja immer um, Paulchen.“

„Ich bin ja auch kein Zirkushund. So weit kommt es noch, Pepino. Außerdem reicht es völlig, wenn Du Männchen machst, weil wir dann immer beide etwas bekommen.“

„Du lässt also mich arbeiten und sahnst dann mit ab, Paulchen? Das ist gemein!“

„Nein, das ist gerissen, Pepino.“

Die Welt ist so ungerecht…

„Na warte, Paulchen. Bald kommt wieder meine Meisterleistung: Wenn Du schläfst, zwicke ich Dich in die Schwanzspitze und husche dann mit einem Aufschrei unter den niedrigen Tisch, wo Du nicht an mich ran kommst.“

„Wehe, Pepino! Frauchen bekommt immer nur die Hälfte mit und glaubt, ich habe Dir etwas getan.“

„Genau, Paulchen. Und was passiert dann? Ich werde getröstet und Du wirst geschimpft.“

„Die Welt ist so ungerecht…“

„Jammerlappen.“

„Egal, wenn Du das nächste Mal wieder auf dem Tisch herum turnst, dann werde ich Frauchen anstupsen, damit sie nach Dir sieht. Und dann bekommst Du Ärger, Pepino.“

„Petze. Meine Rache ist Dir dann aber sicher, Paulchen. Ich werde im Auto jammern, damit Frauchen glaubt, Du hättest nicht brav Sitz gemacht und bist auf mich drauf gefallen. Ätsch.“

„Und ich werde… Ähm… Ich werde…“

„Ja, Paulchen? Jetzt fällt Dir wohl nichts mehr ein, oder?“

Das lohnt sich für beide Schlitzohren

„Schlitzohr Pepino?“

„Ja, Schlitzohr Paulchen?

„Es klappert in der Küche, Pepino. Wir sollten die Unterhaltung verschieben.“

„Du hast Recht, Paulchen. Wir sollten Frauchen helfen und den Küchenboden säubern, wenn sie kleckert. Das lohnt sich für uns beide…“ Text: Paulchen und Pepino / Foto: Marion Friedl

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

4 comments Categories: Paulchen + Pepino Schlagwörter:

4 thoughts on “Paulchen und Pepino: Schlitzohren unter sich

  1. Ich kann euch verraten, wer von euch das größte Schlitzohr ist…. Ihr seid nämlich beide gleich gut, jeder auf seine Art und Weise. Danke für eure tolle Geschichte.

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