Nach den Schock-Bildern: Tipps für den Tierkauf

kaninchentrio-gefoeTote und verletzte Nager, einsame Kätzchen, gestresste Vögel in monotonen Käfigen – die TV- und Presseberichte mit erschreckenden Bildern zur Haltung von Heimtieren in Großhandelsunternehmen schockieren Menschen, die sich ein Haustier anschaffen wollen. Doch sollte man meines Erachtens nicht vorschnell alle Zoogroßhandlungen in einen Topf werfen und verteufeln. Auch Propaganda gegen Tierzüchter ist mit Vorsicht zu genießen, denn es gibt sehr wohl Züchter, die verantwortungbewusst und liebevoll mit den Tieren umgehen und auf deren Gesundheit achten, zumal sich nur gesunde Tiere gut verkaufen lassen. Viele Züchter stehen Interessenten auch beratend zur Seite. Mit vorschnellen und pauschalen Verurteilungen werden auch die Zoofachgeschäfte leicht in Misskredit gebracht – oft zu Unrecht, denn auch hier legt man viel Wert auf die Gesundheit der Tiere und auf zufriedene Kundschaft, die wiederkommt.

Meine Tipps für den Haustierkauf lauten:

  • Augen auf – und das generell! Egal, ob Großhandel, Fachgeschäft, Züchter oder auch Privatverkäufe: Achten Sie darauf, ob die Unterbringung hell, sauber, großzügig und abwechslungsreich ist. Prüfen Sie, ob Tiere artgerecht gehalten werden (z.B. Welpen und Kitten mit dem Muttertier und den Geschwistern, Hamster einzeln, Meerschweinchen, Kaninchen und Wellensittiche in Gruppen). Ein Blick genügt oft, um zu sehen, ob die Tiere gut ernährt werden und stets frisches Wasser haben. Bei Exoten sollten Sie auch ein Auge darauf haben, ob sie z.B. Versteckmöglichkeiten, Kletterangebote, genug Wärme und ggf. Lebendfutter bekommen. Auch Aquarien sollten für die Fische abwechslungsreich gestatet sein.
  • Achten Sie darauf, ob Ihre Fragen zu den Tieren gut beantwortet werden. Bemerken Sie Unsicherheit, Unwissenheit oder gar Ablehnung bei einem Verkäufer oder Züchter – dann sollte Ihnen das zu denken geben und Sie sollten sich besser noch mal anderweitig nach einem Tier umsehen.
  • Nehmen Sie sich Zeit und beobachten Sie die Tiere: Sehen die Tiere gesund und munter aus? Machen sie einen aufgeweckten, unbekümmerten Eindruck? Sind sie womöglich sehr ängstlich oder gar aggressiv? Wie reagieren die Tiere auf den Verkäufer oder Züchter und wie reagieren sie auf Ihre Annäherung?
  • Informieren Sie sich generell vor dem Haustierkauf über die Tierart Ihrer Wahl und Ihre Bedürfnisse und Eigenheiten. So fällt es Ihnen auch leichter bereits vor Ort wichtige Eindrücke zu sammeln und zu beurteilen.
  • Fragen Sie vor dem Haustierkauf im Bekanntenkreis, welche Erfahrungen mit der Zoohandlung oder dem Züchter gemacht wurden. Wertvolle Infos gibt es auch bei Verbänden und auch im Internet kann man oft Erfahrungsberichte finden.
  • Apropos Internet: Auch Privatverkäufe können nicht hasenrein sein. Werden Sie misstrauisch, wenn Sie das Tier nicht selbst abholen dürfen, sondern es Ihnen gebracht oder irgendwo übergeben wird. Fragen Sie den Anbieter viel und geben Sie sich nicht mit ausweichenden Antworten zufrieden. Wer unwirsch wird oder Antworten verweigert, sollte Ihr Misstrauen wecken. Bestehen Sie auf Impfnachweisen, verlangen Sie Papiere und kaufen Sie nur mit einem Kaufvertrag.
  • Finger weg lautet die Devise, wenn Sie den Eindruck haben, dass auf Masse gezüchtet wird, Jungtiere viel zu früh abgegeben werden und natürlich auch bei Haustür- oder Straßenverkäufen.
  • Und nicht vergessen: Auch im Tierheim sitzen viele Tiere, die dringend auf ein Zuhause warten. Ein Besuch im Tierheim lohnt sich.

ZZF fordert konsequenten Vollzug der Tierschutzgesetze

Die grausamen und tierschutzwidrigen Haltungsbedingungen, wie sie unter anderem im ARD-Politmagazin „Report Mainz“ gezeigt wurden, haben übrigens auch den Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) nicht kalt gelassen. Der ZZF fordert deshalb die Einhaltung der EU-Haltungsstandards und den konsequenten Vollzug der Tierschutzgesetze.

Vielleicht interessiert Sie ja auch mein Beitrag über die Anzahl von Haustieren in Deutschland, wie sie gehalten werden und welches Haustier die Beliebtheitsskala anführt. Text: Marion Friedl / Foto: Gerald Förtsch

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Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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