Mein Hund springt mich aus Freude an: Wirklich?

Copyright: Petra Kloiber

Wenn Herrchen oder Frauchen heim kommt und der Hund an seiner Bezugsperson hochspringt, kann dies Freude sein – aber es ist nicht immer so. Anspringen kann auch Rüge, Respektlosigkeit, Abwehr oder Demonstration der Rangstellung sein.

So sieht Freude aus

Doch schauen wir uns erst mal die Freude an: Der Hund kommt mit federnden, fast hüpfenden Schritten auf den Menschen zu, springt an ihm hoch, wedelt mit dem Schwanz und winselt fröhlich. Dieses Anspringen ist tatsächlich eine freudige Begrüßung, die besonders intensiv ist, wenn der Hund längere Zeit warten musste und froh ist, dass die Langeweile vorbei ist.

So sieht die Zurechtweisung aus

Es geht auch anders: Der Hund kommt mit versteiftem Körper auf den Heimkehrer zu, springt an ihm hoch und tut dies entweder lautlos oder mit einem dunklen Wuff bzw. knurrend. Mit Freude hat dieses Anspringen nichts zu tun: Er rügt den Menschen dafür, dass er ohne ihn weggegangen ist bzw. ihn allein gelassen hat. Es ist eine Zurechtweisung.

So sieht Respektlosigkeit aus

Was, wenn der Mensch ein Kommando gibt und dafür einen anspringenden Rempler vom Hund erntet? Das ist Respektlosigkeit: In diesem Moment hat der Mensch nicht die Alpha-Stellung. Stattdessen hat der Hund die Führung übernommen und sagt, wo’s lang geht. Diese Respektlosigkeit demonstriert auch Dominanz. Vor allem, wenn es häufig vorkommt, geht der Mensch zu nachsichtig, liebevoll und schüchtern mit dem Hund um und kann sich nicht durchsetzen. Dadurch fühlt sich der Hund gezwungen die Führungsrolle zu übernehmen. Hier muss der Mensch selbstbewusster werden, klarere Ansagen machen und Konsequenz zeigen.

So sieht Abwehr von Fremden aus

Es gibt weitere Situationen des Anspringens: Ein Fremder nähert sich Frauchen oder Herrchen zu sehr. Dann wird der Hund erst mal durch eine imposante, steifere Körperhaltung, ein Knurren oder Bellen anzeigen: Nicht weiter! Wird dies ignoriert und springt der Hund den Fremden an, ist das eine Abwehrhandlung und der Fremde sollte besser den Rückzug antreten. Auf diese Weise werden aber nicht nur fremde, sondern auch bekannte Menschen von der Bezugsperson ferngehalten: Das ist eine Abwehr aus Eifersucht und – Vorsicht! – meist ebenfalls ernst gemeint.

So wird die Rangordnung angezeigt

Gerne angesprungen werden Kinder, zumal sie für Hunde keine Autoritätspersonen sind. Wenn sie den Hund ärgern, vor lauter Liebe bedrängen, ihm etwas wegnehmen oder nicht geben wollen oder ihn zu einem Kunststück zwingen wollen – dann wird beim Anspringen auch geschubst, um die Rangstellung klar zu machen. Hunde, die keine Kinder mögen, tun dies gleich mal als Vorwarnung: Halt Dich fern, Du hast nichts zu sagen. Text: Marion Friedl / Foto: Petra Kloiber

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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