Kimba weiss Rat: Warum Hunde am Po schnuppern

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Letztens hat eine Frau „Pfui!“ gerufen, als ihr Hund  bei einem anderen Hund am Popo schnuppern wollte. Als ich etwas verständnislos drein geschaut habe, meinte Frauchen: „Kimba, die Frau findet das eben eklig.“ Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich noch verständnisloser schaute, denn was ist an einem freundlichen Kennenlernen eklig?

Am Po lernen wir uns kennen

Bei Hunden geht die Welt nun mal durch die Nase. Wofür haben wir schließlich das Superding, mit dem wir alles erschnüffeln können? Wenn wir am Hintern eines Hundes schnuppern, dann riechen wir seine Botschaften. Ist er freundlich, unsicher oder schlecht drauf, hat er Lust auf eine Bekanntschaft oder nicht, alt oder jung, gesund oder krank – wir reden nicht viel, aber teilen uns trotzdem alles Wichtige mit. Wenn wir also am Hinterteil schnuppern, dann ist das nicht Pfui, sondern eine freundliche Kontaktaufnahme.

Fellwittern teilt Stimmungen mit

Auch das Fellwittern gehört zum Begrüßungsritual. Mit der Nase im Fell – meist im Schulter-, Hals- und Seitenbereich – wittern wir Stimmungen des anderen Hundes und je nach Stimmungslage weiten wir das Ritual dann aus. Wollen wir den Hund beruhigen oder beschwichtigen, dann lecken wir an seinen Lefzen. Stupsen wir hart mit der Schnauze ins Fell, dann wollen wir unbedingt, sofort und ganz dringend spielen.

Was unsere Nasen bei Menschen riechen

Bei Menschen riechen wir an der Hand, um duftende Botschaften und Stimmungen aufzunehmen. Außerdem reicht man sich doch erst mal die Hand, wenn man Hallo sagt, oder? Wir können aber auch schon von Weitem riechen, ob der Zweibeiner Angst hat, sauer ist, Böses im Schilde führt oder ob er einfach nur freundlich ist und Hunde mag. Die Hautschuppen können ausgebildete Suchhunde auch dazu ringen, vermisste Personen zu finden. Wenn wir ohne unsere Menschen irgenwo untergebracht werden (z.B. Tierklinik, Tierpension) dann freuen wir uns wenn wir uns mit dem Menschengeruch in einem T-Shirt von Frauchen oder Herrchen trösten können. Und natürlich merken wir uns unangenehme Gerüche, wie etwa den Geruch einer Tierarztpraxis. Es gibt auch Hunde, die Krankheiten riechen und warnen können, wenn z.B. ein Diabetiker in Gefahr ist.

News im Kot

Aber gut, ich schweife ab. Es geht ja ums Pfui-Schnuppern. Das tun wir auch an Urinspuren und Hundehaufen. Ja, das ist auch igitt… Ist ja schon gut… Aber es ist wichtig: Da stecken spannende News drin. Mit der Nase finden wir Hunde heraus, wer da gepinkelt oder gekotet hat. Okay, beim Kot riecht man meist, was gegessen wurde und ob der Hund gesund ist. Manchmal setzen Hunde auch an bestimmten Stellen Haufen ab, weil sie ihr Revier besonders heftig markieren wollen. Aber meistens müssen die einfach nur.

Zeitung lesen beim schnuppern am Urin

Pinkelspuren sind besonders interessant: Die Höhe teilt mit, ob der Pinkelhund groß oder klein ist. Das ist wichtig, wenn man an ein und demselben Hundemädchen interessiert ist oder wenn man sich beim Gassi gehen in einem femden Revier herum treibt, weil Frauchens Riechkolben die Markierung nicht erschnuppert hat. Vor einem großen Herausforderer muss man sich mehr in Acht nehmen als vor einem kleinen Möchtegern. Wird gegen ein senkrechtes Teil gepinkelt, war es ein Rüde. Pfützen am Boden ohne Spritzer in der Umgebung sind von Mädels oder Welpen. Apropos Mädels: Der Urin verrät auch, ob sie Lust auf ein Date hat. Urinspuren sagen auch, ob sich im Gassi-Revier ein Neuzugang herum treibt. Manche Hunde verabreden sich auch pinkelnd. Und natürlich werden auch wieder Stimmungen mitgeteilt.

Man sollte die Nase nicht überall rein stecken

„Na, ist das Zeitung lesen heute interessant?“, erkundigt sich mein Frauchen, wenn ich besonders ausgiebig an etwas schnuppere. Sie achtet aber darauf, dass ich nicht an allem schnuppern will. Essensreste, Durchfall, Wildtierkot, Müll – daran darf ich nicht schnuppern. Frauchen nennt das „gefährliche Nachrichten“, weil sie mir schaden könnten. So viel zum Thema: Man soll die Nase nicht in alles rein stecken.

Das Selektieren von Nahrung funktioniert nicht immer

Manchmal traut man unseren Hundenasen zu viel zu. Es heißt, dass Wolf, Wildhund und Co. mit der Nase selektieren, ob etwas essbar ist oder nicht. Sorry, vielleicht können die das wirklich. Aber wir Haushunde machen Fehler. Und das kann z.B. bei einem Giftköder tödlich enden. Außerdem gibt es Hunde, die echte Staubsauger sind: Immer mit der Nase am Boden und es wird nicht nur geschnuppert, sondern mit dem Maul eingesaugt, was man schlucken kann. Das, meine Freunde, ist dann wirklich Pfui! Denn das ist total gefährlich. Text: Kimba / Foto: Marion Friedl

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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