Kimba weiss Rat: Tipps gegen das Streunen

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Der Beagle Paul nutzt daheim und unterwegs jede Gelegenheit zum Ausbüxen und Streunen. Okay, dieses Problem wurde Frauchen im Biergarten geschildert, aber sie hat dieses Thema gleich mal in meine Pfoten gelegt und meinte: Das ist genau richtig für Deinen Ratgeber, Kimba. Nun nutzt es nichts, wenn ich sage: Paul, reiß Dich zusammen und hau nicht mehr ab! Da lacht er mich bloß aus. Also muss ich Vorschläge machen, damit Paul sich das Ausreißen vielleicht verkneift.

Ersatzbeute gegen den Jagdtrieb

Okay, fangen wir an. Ein Beagle ist ein Jagdhund. Da liegt nahe, dass sich bei Paul der Jagdtrieb meldet und er sich verdrückt, um Beute zu machen. Das ist blöd, denn ein Jagdtrieb ist angeboren und den kann man weder ändern noch wegzaubern. Aber man kann versuchen, Paul beim Gassi gehen auszutricksen: Ein Spielzeug oder ein Leckerli vor die Brust halten, damit er die Aufmerksamkeit auf den Zweibeiner lenkt und nah bei ihm und der präsentierten Ersatzbeute bleibt. Der Mensch kann auch einen Futter-Dummy werfen, damit Paul ihn apportiert und er daraus fressen darf.

Der Hund muss lernen und der Mensch muss interessant sein

Überhaupt muss sich der Mensch total interessant machen: Ob Frisbee-Scheibe, Ballspiel, Fährtensuche und Gehorsamsübungen mit Belohnung – erlaubt ist, was Spaß und Sinn macht. Hauptsache ist, dass Paul diese Beschäftigung interessanter findet als eine eigene Tour zu starten. Beim Gehorsamstraining ist eigentlich alles wichtig: Paul muss lernen, dass er auf Abruf zu seinem Menschen läuft. Er muss bei Fuß gehen können und zuverlässig Sitz und Platz machen können, damit man ihn notfalls bremsen und anleinen kann. Ausbremsen kann man türmende Hunde z.B. mit Tranings Disks, die scheppernd vor den Pfoten landen und erst mal für einen Stopp sorgen und gleichzeitig eine akustische Bestrafung sind..

Hunde brauchen Bewegung und Beschäftigung

Wenn es gar nicht der Jagdtrieb ist, der einen Hund zum Streunen verleitet, dann kann es auch mangelnde Bewegung und Beschäftigung sein. Hunde müssen ausreichend Gassi gehen und dürfen gerne auch Bewegungs-Spiele machen (z.B. apportieren, schwimmen, Agility). Wieviel Bewegung sie brauchen, hängt stets von Größe, Rasse, Fitness, Alter und Gesundheit ab. Logisch – ein kleiner Yorkie läuft nicht so weit, wie ein großer, lauffreudiger Dalmatiner.

Hundesport: Schonendes Degility ist die Alternative zu Agility

Hundesport ist auch nicht für jeden geeignet. Hunde mit langem Rücken (z.B. Dackel) sollten kein Agility machen, weil sie leicht Rückenprobleme bekommen. Auch bei Hunden im Wachstum, Senioren und Gesundheitsproblemen ist Agility tabu. Senioren freuen sich aber über Degility. Das ist die schonende, gemütliche Art der Bewegung: Dabei werden keine waghalsigen Sprünge gemacht, kein schneller und enger Slalomlauf absolviert und keine hohen Stege erobert. Stattdessen liegen flache Hölzer am Boden, über die der Senior schreitet. Statt mit engen Stangen kann der Slalom bequem und gemächlich durch weit auseinander stehende Allebäume führen. Der Sprung durch den Reifen wird beispielsweise durch ein Kunststück (z.B. mit der Pfote winken) ersetzt.

Unterforderte Vierbeiner suchen sich Herausforderungen

Wer unterfordert ist, sucht sich Herausforderungen. Ich mache das auch, wenn Frauchen mal zu lang am Computer sitzt. Dann verteile ich all meine Stofftiere im Wohnzimmer und warte darauf, dass Frauchen über die Kuscheltiere stolpert. Das ist witzig. Manchmal buddle ich auch aus Langeweile im Garten ein Loch. Man will ja hilfsbereit sein, falls Frauchen eine Blumenzwiebel verstecken möchte. Ich habe sogar schon mal einen Türspalt genutzt, als Frauchen nicht aufgepasst hat – und weg war ich. Habe mir einfach die Welt alleine angesehen. Aber solche Sachen mache ich nur selten – Hundeehrenwort!

Aufgaben und Bewegungsspiele powern aus

Wichtig ist aber, dass wir Hunde Aufgaben haben. Intelligenzspiele sind Aufgaben für den Kopf – die liebe ich und die sind anstrengender als man glauben will. Danach kann ich immer sehr gut dösen. Als Hütehund brauche ich knifflige Aufgaben und freue mich über Futterball, Schnüffelteppich, Hütchenspiel und andere nette Spielchen. Ich bin mit 12 Jahren schon ein wenig gemächlicher, aber trotzdem noch gerne in Bewegung. Hütehunde flitzen nämlich gerne durch die Gegend. Apportierspiele, Reizangel (wenn man keinen Jagdtrieb hat), Treibball, Kunststücke einstudieren, Dog Dancing und vieles mehr – Hauptsache es tut sich was und es wird nicht langweilig. Frauchen hat mir sogar beigebracht, wie ich ihr im Haushalt helfen kann. Ich hole Wäschestücke aus der Waschmaschine und bringe sie ihr zum Aufhängen. Toll, was?

Wellness entspannt und fördert die Bindung zum Menschen

Bewegung und Beschäftigung ist aber nicht alles. Wir lernen auch gerne Neues kennen und begleiten unsere Menschen beim Einkauf oder bei Ausflügen. Super, wenn wir dann auch noch Kontakt zu anderen Hunden haben dürfen. Außerdem schätzen wir auch Wellness: Eine sanfte Streichelmassage mit den Fingerspitzen auf dem ganzen Körper ist zum Beispiel totale Entspannung und das Miteinander festigt auch das soziale Band zwischen Frauchen und mir. Je enger die Bindung, umso weniger Lust haben Hunde auf Abenteuer im Alleingang.

Paul, reiß Dich zusammen: Streunen muss echt nicht sein!

So, das waren doch eine ganze Menge Tipps. Jetzt liegt es nicht nur an Paul, sondern auch an seinen Menschen. Je mehr von den Tipps umgesetzt wird, umso höher ist die Chance, dass Paul seine häusliche Ader entdeckt. Wunder soll es ja geben… Paul, reiß Dich zusammen – Streunen muss doch echt nicht sein. Wir können doch froh sein, dass wir ein schönes, warmes Zuhause mit netten Menschen haben, oder? Da läuft man doch nicht weg und macht Unsinn. Ts, ts, ts… Text: Kimba / Foto: Marion Friedl

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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