Kimba weiss Rat: Hunde leiden bei Oktoberfest & Co.

Copyright: Marion Friedl

In München geht es auf dem Oktoberfest rund. Aber ich rate allen Hundebesitzern: Lasst Eure Vierbeiner bitte zu Hause. Das Oktoberfest und andere Volksfeste können den Hunden nämlich gehörig auf die Sinne und die Nerven gehen. Und die Pfoten sind auch nicht sicher.

Die Geräusche peinigen die Hundeohren

Schon um kleine Volksfeste macht Frauchen einen großen Bogen, wenn ich dabei bin. „Das ist viel zu laut für Dich, denn Hunde hören neun mal so gut wie Menschen“, sagt sie und sie hat Recht. Einmal hatten wir einen Termin direkt auf der anderen Straßenseite eines Volksfestes. Wir sind schon mit Abstand zum Festgelände unterwegs gewesen und trotzdem war ich ziemlich irritiert: Es hupte laut, es wummerte ohrenbetäubende Musik, eine Stimme schrie was über den Volksfestplatz, nebenbei quietschte es, dann schepperte eine Glocke, Menschen riefen durcheinander, lachten und plötzlich waren laute Schreie zu hören. Leute, so was macht meine Kippohren wirklich verrückt. Und das alles neun mal so laut…

Viele Gerüche können überfordern

Aber die Geräusche sind ja noch nicht alles: Unsere Supernasen kriegen ja auch noch viele Gerüche auf einmal mit. Mal riecht es nach Steckerlfisch, dann nach Hendl oder auch nach gebrannten Mandeln. Menschen haben die unterschiedlichsten Gerüche und bei so manchen Fahrgeschäften riechen die sogar nach Angst. In den Bierzelten riecht es nach Schweiß, Essen und Bier. Die Fahrgeschäfte riechen nach Gummi, Metall, Öl und Abrieb. All das ist echt eine total abgefahrene Mischung und man weiß gar nicht mehr, auf welchen Duft man sich konzentrieren soll. Außerdem ist das schon verwirrend, wenn Menschen nach Angst riechen und darüber lachen. Man weiß ja gar nicht mehr, was stimmt und ob womöglich wirklich Gefahr droht.

Seht Euch das Fest aus unserer Körperhöhe an

Macht Euch doch mal so klein wie wir sind. Okay, bei einer Pinschergröße wird das mit der Augenhöhe schwierig, aber so eine mittlere Größe werdet Ihr doch auf allen Vieren und geduckt hinkriegen, oder? Oder Ihr legt Euch einfach auf den Bauch. Und dann schaut mal, was um Euch herum passiert. Auf dem Oktoberfest sieht das so aus: Massenhaft Beine, Hosen, Röcke, Riesenhufe von Pferden, Räder an Brauereiwagen, auf dem Boden stehende Souvenirs, Essensreste, Pinkelspuren, Bierpfützen, im Wind flatterndes Papier und, und, und,… Hey, das ist alles andere als beruhigend.

Stress, Bierpfützen, Speisereste sind eine gefährliche Mischung

Und weil wir an jedes Papier, jeden Essensrest und jede Pfütze ran kommen, wollen wir auch mal probieren. Zumal wir Stress haben und der Stress durstig macht. Dann ist die Pfütze fällig: Die schmeckt eklig bitter nach Bier und man bekommt eine Karusselfahrt gratis. Darauf genehmigen wir uns ein Beruhigungshäppchen, aber was ist? Gräten im Steckerlfisch, saure Gurke in der Fischsemmel oder scharf gewürzte Soße zur Bratwurst. Da verrenken wir uns dann noch den Magen, der Darm spielt verrückt und schlimmstenfalls ersticken wir an einer Gräte oder einem spitzen Hühnchenknochen. Muss das sein? Nein! Übrigens: Stress und Angst führen auch dazu, dass wir kopflos in die falsche Richtung laufen oder springen, vor einem Menschen oder einem gefährlichen Gefährt landen oder gar aus dem Halsband schlüpfen, ausreißen und dabei in Gefahr geraten.

Tastsinn rettet nicht vor Tritten

Und jetzt kommt es: Nicht mal unser Tastsinn kann uns auf dem Oktoberfest vor unachtsamen Tritten retten. Es vibriert einfach überall – und so schnell können wir den ertasteten Vibrationen gar nicht ausweichen. Zack – schon tritt so ein Zweibeiner mit seinem vollen Gewicht auf unsere kleine Pfote. Oder wir setzen uns, um die Lage zu überprüfen und schon stolpert jemand über uns oder latscht voll auf den Schwanz.

Lasst uns Hunde bitte zu Hause!

Und das soll Spaß machen? Mal ehrlich: Stellt Euch vor, das würde Euch passieren – Ihr würdet doch am liebsten Reißaus nehmen und in einem ruhigen Wald spazieren gehen. Oder übers vertraute Feld stromern, über ungefährliche Wiesen flitzen oder daheim gemütlich eine Runde dösen. Wenn Euch das Oktoberfest oder andere Feste Spaß machen, dann vergnügt Euch gerne dort. Aber lasst uns Hunde bitte zu Hause. Da sind wir, unsere Sinne und unsere Nerven am besten aufgehoben. Und wir sind echt nicht neidisch oder gar beleidigt, weil wir nicht mit dürfen. Pfote drauf! Text: Kimba / Foto: Marion Friedl     

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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