Kimba weiss Rat: Ein Zweithund bedeutet teilen

Copyright: Marion Friedl

Gestern Paulchens Welpen-ABC, heute Kimba-Weisheiten über den Zweithund. Sorry, aber das geht nicht anders: Bei uns wurde ja diese Woche alles auf den Kopf gestellt und da muss ich schon meinen Senf dazu geben. Mit 13 Jahren wurde mir so ein junges Gemüse vorgesetzt – und da hat mir Frauchen wirklich viel zugetraut, denn eigentlich bin ich zu alt für einen Zweithund.

Zu alt für einen Zweithund

Ab etwa sechs bis sieben Jahren wird es kritisch beim Ersthund: Der hat sich daran gewöhnt, dass er sein Zuhause, Futter, Spielzeug und seinen Zweibeiner nicht teilen muss. Er hat die volle Aufmerksamkeit und außerdem wird er ruhiger. Ein Zweithund – egal in welchem Alter – bringt das alles durcheinander. Als Einzeltier musste der erste Hund keine Hierarchie mit Artgenossen festlegen und beachten. Nur mit dem Zweibeiner musste er sich in der Rangordnung arrangieren – und das ist manchmal nicht ohne, sage ich Euch.

Futterklau wird streng gerügt

Nach der ersten Eingewöhnungsphase wird der Neuzugang selbstbewusster. Auch der dreimonatige Welpe Paulchen hat das demonstriert: Jeder hat einen Fressnapf: Einer steht in der Küche und einer im Wohnzimmer. Weil ich ranghöher bin, bekomme ich von Frauchen als Erster zu fressen. Danach ist der Schlinger Paulchen dran und sein Antischling-Napf wird gefüllt. Und was passiert? Frauchen hat die Küchentür nicht geschlossen und prompt kam Paulchen an und wollte sich aus meinem Napf bedienen. Und zwar nicht mit einer freundlichen Nachfrage: „Gibst Du mir bitte was ab?“ Nein – Paulchen knurrte, ließ die Mini-Lefzen zucken und kam sich vor wie der größte Hund aller Zeiten. Da habe ich aber einmal tief gegrollt – und ihn hat es fast auf den Welpen-Popo gesetzt.

Man muss sogar das Frauchen teilen

Okay, das Futter gehört wieder mir allein, aber bei meinem Bett geht das jeden Abend so mit Paulchen. Kaum dreht man sich um, liegt er in meinem Bett – obwohl er ein eigenes Bett hat. Gut, jetzt liege ich in seinem Bett – aber muss das sein? Und mein Frauchen will er sich auch unter die Kralle reißen. Wenn ich kuscheln will, kommt er auch an. Aber ich habe Glück: Ich komme auf die Couch rauf, er nicht. Blöd ist bloß, dass der Wicht noch wächst und eines Tages schafft er auch das. Naja, Frauchen tut alles, damit ich wegen dem Zweithund nicht traurig oder eifersüchtig werde. Wir werden beide gleichzeitig gestreichelt, damit sich keiner benachteiligt fühlt. Und wenn Paulchen schläft, kuschelt sie mit mir wie früher – bis er wach wird und sich wichtig macht.

Rangordnung: Bitte hinten anstellen

Anfangs hat der Zwerg auf schüchtern gemacht. Ich traue mich nicht ins Haus – kannst Du mich tragen? Pah! Der hat vier Beine, mit denen er laufen kann. Gut, die Treppen wird er hochgetragen, weil er im Wachstum ist. Aber ansonsten kann er wirklich auf eigenen Pfoten gehen, oder? Frauchen sieht das ähnlich und sie achtet  bei der Tür auf die Rangfolge: Erst geht sie als Boss rein, dann folge ich ihr als Stellvertreter, danach kommt Paulchen. Inzwischen ist das wichtig, denn Paulchen hält sich für megawichtig und will als Erster ins Haus. Aber nix da – Frauchen ist streng und er muss sich hinten anstellen.

Welpen tanzen auf der Nase herum

Lästig ist der kleine Kerl auch: Dauernd will er spielen oder Kräfte messen. Aber ich bin alt und geruhsam. Außerdem rennt er immer hinter mir her und bespitzelt mich. Frauchen sagt, er kann sich bei mir viel abschauen. Ja, weil ich ein toller, gut erzogener, schlauer Hund bin. Aber will man den dauernd an der Pobacke haben? Nö. Aber so leicht lässt sich Paulchen nicht abschütteln. Wenigstens achtet Frauchen darauf, dass ich einen Platz habe, an dem ich ungestört vom Zweithund dösen kann.

Stubenpinkler: Zitrusduft in der Wohnung

Was mir auch stinkt, ist seine Pinkelei. Frauchen freut sich wie irre, wenn er sein Bedürfnis anmeldet und draußen einen Chiemsee pinkelt und eine Zugspitze kackt. So nennt Frauchen diese Pfützchen und Häufchen. Doch ab und zu passiert Paulchen ein Missgeschick – igitt! Frauchen putzt dann sofort und verwendet scheußlich-sauren Zitrusduft auf den Pinkelstellen, damit nichts müffelt und Paulchen dort nicht noch mal hinpinkelt. Ich mag Zitrusduft auch nicht sonderlich, aber der ist immer noch besser, als der Mief vom Zweithund. Und irgendwann wird er ja wohl stubenrein sein und der Zitrusspuk ist dann vorbei.

Paulchen lernt auch von mir

Ich sage Euch: Ein Welpe ist anstrengend. Aber Frauchen ist stolz auf mich. Als Tierpsychologin hat sie gewusst, dass ich eigentlich zu alt bin für einen Zweithund. Aber sie hat ihn trotzdem angeschleppt. „Ich weiß, dass Du mit ihm zurecht kommen wirst, Kimba.“ Das hat sie gesagt. Nur weil ich gut mit anderen Hunden auskomme, kleine Hunde besonders mag und auch mal längeren Hundebesuch dulde. Aber Paulchen bleibt und ich werde ihm viel beibringen müssen. Frauchen sagt: Hunde lernen durch Erziehung (Welpen noch spielerisch), Erfahrung und Abschauen. Für Letzteres bin ich zuständig. Da kann Frauchen froh sein, dass sie mich hat. Drückt mir die Daumen, dass ich das hinkriege! Text: Kimba / Foto: Marion Friedl

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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