Kimba weiss Rat: Der Hund ist ein kleiner Wolf

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Kimba, was wird das, wenn es fertig ist? Diese Frage stellt man uns Hunden oft. Ich bin auch manchmal ein kleiner Wolf und habe Angewohnheiten, die mir einfach nicht abtrainiert werden können. Die habe ich nämlich vom Wolf geerbt. Sogar ein Sheltie-Collie-Mix wie ich – von mir Shelco genannt – stammt vom Wolf ab. Sieht man mir nicht an, aber das ist so. Ich drehe mich beispielsweise im Kreis und scharre an der Decke oder am Teppich, bevor ich mich zum Dösen oder Schlafen hinlege.

Kreistreten für den guten Schlaf

Sie sagen: Na und? Kreistreten macht doch jeder Hund! Das stimmt, aber die Frage ist ja, warum dieser kleine Wolf im Hundepelz es macht. Er bereitet sich sein gemütliches Schlaflager. Dabei tritt er die Erde platt und er scharrt alle Ästchen und Steinchen aus der Schlafstelle, damit auch ja nichts piekt und die süßen Hundeträume stört. Jetzt höre ich ein Kichern und den Kommentar: Das könnte er sich sparen, weil er weich gebettet ohne Erde, Steine und Äste schläft. Auch das stimmt, aber wir können es uns einfach nicht verkneifen. Wenn uns Urvater Wolf etwas mitgibt, dann wird das schon einen Grund haben. Das denken wir uns und deshalb geht das Kreistreten munter weiter.

Buddeln für schlechte Zeiten

Ehrlich gesagt, müssten wir uns auch keine Vorratskammer anlegen, weil wir jeden Tag gefüttert werden. Aber es könnte sein, dass der Mensch die Fütterung vergisst, das Futter alle ist, dass es verdorben ist, dass kein Geld für Futter im Haus ist oder dass Frauchens Jagd im Supermarkt schief geht. Soll alles schon vorgekommen sein. Deshalb gehen wir Hunde auf Nummer Sicher: Im Garten ein Loch buddeln, den Kauknochen drin verscharren und wieder ausbuddeln, wenn er vergammelt ist und bei Frauchen einen Igitt-Ruf auslöst. Dann schmeckt er prima. Sogar Hunde ohne Garten buddeln: Sie verbuddeln das Leckerli unter dem Teppich, unter einer Decke oder im Hundebett. Ab und zu schubsen sie es unters Sofa – Hauptsache für die Notzeit ist vorgesorgt. Okay, manchmal vergreift man sich auch und es wandert ein Kugelschreiber oder Feuerzeug ins Versteck – kann ja mal passieren. Man ist ja nur ein kleiner Wolf und kein richtiger Wolf…

Heulen für gute Kontakte

Ich bin äußerst musikalisch. Wenn ein Tenor singt, dann singe ich mit. Wenn die Dorfhunde singen, bin ich mit von der Partie. „Oh, mein kleiner Wolf heult mal wieder“, flötet dann Frauchen und sie applaudiert jedes Mal, wenn ich singe. Es muss ihr also gefallen. Sie meint, ich könnte mich ja mal beim Supertalent bewerben oder beim Eurovision Song Contest mitmachen. Das ist mir aber zu anstrengend. Ich bin ja nicht mehr der Jüngste. Außerderm ist das kein Supertalent, sondern einfach ganz normale Kommunikation von Wölfen und Hunden. Wir unterhalten uns auf Distanz und halten so Kontakt zueinander. In Bayern jodeln Menschen auf den Bergen und sagen, dass das früher notwendig war, um sich auf weite Entfernungen zu verständigen. Heute machen sie das mit dem Handy – aber so was kriegen wir Hunde ja nicht. Deshalb singen wir.

Jagdtrieb trotz vollem Napf

Ein wenig gelitten hat teilweise unser Jagdtrieb. Es gibt tatsächlich Hunde, die ein Leben lang so brav sind, dass sie nicht einen Jagdversuch gestartet haben. Ich hatte es probiert und bekam Ärger – obwohl ich versichert habe, dass ich das Kaninchen nur hüten wollte. Sie wissen schon: Hütehund statt Häuptling kleiner Wolf… Frauchen hat es mir nicht geglaubt. Seitdem passt die auf wie ein Luchs und ich darf gar nichts mehr. Okay, fast nichts mehr. Aber gemein ist das schon. Der Wolf jagt doch auch – warum dürfen wir das nicht? Frauchen sagt: „Du musst keine Jagdbeute machen, um satt zu werden. Du hast ein Frauchen, die Deinen Napf füllt.“ Ja, aber ein richtiger Kerl geht auf die Jagd und dann schmeckt es besonders gut. Ich habe Pech, denn Frauchen interessiert das nicht. Naja, kann man nichts machen. Andere Hunde sind auch so arm dran wie ich – aber die lassen es manchmal krachen: Jogger, Radler, Maus – alles was sich vom Hund wegbewegt, ist Beute. Und dann reden sie sich mit dem Wolfserbe Jagdtrieb heraus. Frauchen hat mir gesagt, dass ich das gar nicht erst versuchen brauche. Also lasse ich es… Ich hasse Ärger…

Das geleckte „Komm runter, Frauchen“

Das waren nur ein paar Beispiele. Es gibt noch weitere, wie etwa unser Lecken an den Lefzen von Frauchen – ich meine natürlich die Mundwinkel. Das wollen wir immer dann machen, wenn wir sie beschwichtigen und beruhigen wollen. Demütig ist das von uns Hunden und was macht Frauchen, wenn ich mich dem Mundwinkel annähere und die Zunge raus strecke? Richtig: Sie ruft mal wieder igitt! Es ist halt nicht leicht mit den Zweibeinern. Aber manchmal müssen die einfach durch, wenn mir das Verhaltenserbe von Urpapa Wolf ausleben und plötzlich ein kleiner Wolf bei ihnen lebt. Na gut, kleiner Möchtegern-Wolf… Text: Kimba / Foto: Marion Friedl

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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