Kätzchen sind kleine Musterschüler

Copyright: Gerald Förtsch

Die Mutter bringt ihren Kätzchen in den ersten zwölf Lebenswochen viel  bei. Die Kätzchenschule geht dann im neuen Zuhause weiter. Lehrer ist dann der neue Besitzer. Er bringt der Fellnase bei, was sie darf und was nicht. Außerdem gibt es  Erziehungslektionen für das entspannte Miteinander.

Der Name und das Vertrauen sind die Basis

Zwei Aufgaben machen den Anfang für Besitzer und Kätzchen. Aufgabe 1: Anfreunden und Vertrauen aufbauen. Aufgabe 2: Das Kätzchen lernt seinen Namen kennen. Hierfür muss das Katzenkind häufig mit seinem Namen angesprochen werden. Die Annäherung klappt mit spielen, kuscheln, streicheln, füttern, loben.  Eine gute Ausstattung mit Näpfen, Futter, Spielzeug, Katzenbett, Kissen, Kratzbaum, Kletterspaß, Pflegezubehör und Katzenklo ist die Basis für Zufriedenheit.

Wer brav kommt, wird belohnt

Kennt das Kätzchen seinen Namen, wird der Unterricht ausgebaut. Generell sollte sich der Mensch interessant machen: Eine lockende Stimme mit der Aufforderung „Komm“ und einem gezeigten Spielzeug oder Leckerli ist ein super Lernanreiz.  Kommt der Stubentiger, gibt es ein Lob und ein Belohnungs-Spiel.

Kätzchen lernen die Stubenreinheit

Kätzchen haben die Stubenreinheit meist schnell drauf. Anfangs wird die Samtpfote noch pünktlich zum Katzenklo getragen. Später wird sie mit dem gelernten Kommando „Komm“ dort hin gelockt. Für das brave Kommen gibt es eine Streicheleinheit. Landet das Geschäft im Klo wird der Musterschüler begeistert gelobt und mit einem Spiel belohnt: Die Fellmaus wird weit vom Klo weggeworfen und das Jagdspiel kann mit gutem Gewissen beginnen.

Freundlich, aber konsequent erziehen

Erziehung funktioniert nur mit Konsequenz. Sie muss aber auch angenehm sein. Der Besitzer sollte immer als Sieger hervorgehen. Beispiel: Das Kätzchen darf nicht auf den Herd springen. Also hört es jedes Mal ein konsequentes „Nein“, sobald es springen will. Wendet sich die Katze ab, wird sofort ein Lob und eine Belohnung spendiert. Ist sie aber doch auf dem Herd gelandet, hört sie wieder ein „Nein“ und wird auf den Boden gesetzt. Genauso wird bei anderen Tabus erzogen, wie vom  Tisch klauen, an Blumen knabbern etc. Jede Erziehungslektion endet mit einem Erfolgserlebnis. So hat die Fellnase den Unterricht in guter Erinnerung und macht nächstes Mal wieder mit.

Tricksen ist erlaubt

Bei der Erziehung ist auch Tricksen erlaubt, damit Kätzchen lernen, was nicht erlaubt ist. Dazu gehört z.B. das Klettern an der Gardine. Die Gardine wird so drapiert, dass sie bei der nächsten Klettertour herunter fällt und das Kätzchen unter sich begräbt. Natürlich soll nur der weiche Stoff herunter fallen und nicht die harte Gardinenstange. Auch sollen keine Haken herunter purzeln, weil sie verschluckt werden könnten. Die Stofflawine tut nicht weh, aber macht klar: Es kann etwas passieren, wenn ich damit spiele.

Düfte können helfen

Hilfreich sind Düfte. Katzenminze und Rose kann Katzen z.B. zum Kratzbaum oder Katzenklo locken. Saurer Zitronengeruch ist bei Katzen unbeliebt und kann an Stellen verwendet werden, die das Kätzchen meiden soll, wie etwa ein Pinkelort auf dem Teppich oder die Kratzstelle am Sofa. Mit Zitronensaft kann man auch einem Essensdieb die Tour vermasseln: Zitronensaft auf das Schnitzel träufeln und den Teller auf den Tisch stellen. Der Dieb auf vier Pfoten wird sich nähern, aber beim sauren Geruch vergeht ihm die Lust auf das Häppchen.

Beeilung bei Lob und Rüge

Generell gilt: Nachträgliches Schimpfen bringt gar nichts. Man muss die Katze auf frischer Tat erwischen und sekundenschnell tadeln. Auch Lob und Belohnung müssen schnell erfolgen. So kann die Mieze das Kommando, ihre Aktion und die Rüge oder das Lob miteinander verbinden und erkennen, was der Mensch von ihr will.

Bestätigung statt Strafe

Besser als Strafe ist stets die positive Bestätigung, also das Lob und die Belohnung. Ob Erziehung oder Kunststück – manche Katzenbesitzer setzen auf den Clicker: Die Katze macht etwas richtig und hört sofort ein Klicken und danach bekommt sie sofort die Belohnung. Das Klicken ersetzt also das gesprochene Lob. Und deshalb sage ich: Warum klicken, wenn man miteinander reden kann. Kommando, Lob,  Belohnung schafft man auch ohne Clicker. Außerdem: Wenn man miteinander spricht, tut man etwas mit der eigenen Stimme für die soziale Bindung zwischen Mensch und Tier. Text: Marion Friedl / Foto Gerald Förtsch

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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