Hyalomma-Zecke lauert auf Hund und Katze

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Man hat sich irgendwie daran gewöhnt, dass die Katze beim Freigang oder der Hund beim Gassi gehen Zecken einsammelt, die man dann wieder entfernen muss. Doch diese kleinen Blutsauger bekommen offenbar tropische Verstärkung. Die Hyalomma-Zecke ist etwa fünf mal so groß wie unsere heimischen Arten, sie lebt in Erdlöchern und sie jagt ihre Opfer.

Hyalomma-Zecke in Deutschland gefunden

Das Bundesforschungsministerium meldet, dass 2018 sieben Hyalomma-Zecken in Deutschland gemeldet wurden – in den Vorjahren gab es nur zwei solche Meldungen. Gerhard Dobler, Zecken-Experte und Oberfeldarzt am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr, befürchtet: „Das könnte nur die Spitze des Eisbergs sein.“ Eigentlich kommen die tropischen Blutsauger mit unserem Wetter nicht klar, aber der Hitze-Sommer 2018 könnte die Verbreitung begünstigt haben. Laut Gerhard Dobler könnten die Larven von Zugvögeln eingeschleppt worden sein.

Die große Zeckenart jagt ihre Beute

Eine erwachsene Hyalomma-Zecke ist bis zu eineinhalb Zentimeter groß ohne Blut gesaugt zu haben. Unsere heimischen Arten, die FSME (Hirnhautentzündung) und Borreliose verursachen können, werden von Gräsern und Sträuchern abgestreift und landen so im Fell unserer Lieblinge oder auch auf dem Menschen. Die tropische Art aber ist ein Jäger. „Sie lauern in kleinen Erdlöchern und reagieren auf Erschütterungen des Bodens. Nehmen sie diese wahr, laufen sie schnell wie Spinnen auf ihre Beute zu“, erklärt Gerhard Dobler. Meistens sind Pferde, Rinder, Ziegen oder Schafe betroffen, aber sie machen auch vor Hund und Katze nicht Halt.

Funde in Niedersachsen

Weil Laien die an den Beinen gestreifte Hyalomma-Zecke wegen ihrer Größe mit Spinnen verwechseln können, glauben Gerhard Dobler und seine Kollegen, dass die tropische Art bei uns bereits heimisch sein könnte. „Die Hinweise mehren sich, dass es bei uns bereits unentdeckte Hyalomma-Populationen gibt“, so Dobler. So wurden in Niedersachsen gleich drei Zecken auf einem Pferd gefunden. „Für eine Einzeleinschleppung ist das sehr unwahrscheinich“, sagt Dobler. Dies müsse  beobachtet und erforscht werden.

Überträger von gefährlichem Fieber

Während die Hyalomma-Zecken in Süd-Ost-Europa selten gefährliche Erreger in sich tragen, ist das bei südwesteuropäischen und afrikanischen Hyalomma anders: Sie können das Fleckfieber oder das Krim-Kongo-Hämmorrhagische Fieber (CCHF) übertragen. Während das Fleckfieber nicht lebensbedrohlich sei, könne das CCHF durch Leber-, Nieren- oder Kreislaufversagen tödlich enden. Gefahr droht nicht nur durch den Zeckenbiss, sondern auch durch den Fleischverzehr. Wird ein infiziertes Tier geschlachtet, kann man sich beim Kontakt mit dem rohen Fleisch infizieren. Auch von Mensch zu Mensch könne z.B. über Patientenblut eine Übertragung stattfinden.

Gerhard Dobler warnt jedoch vor Panik. Ein nass-kaltes Frühjahr 2019 wäre für die Larven tödlich. Und vielleicht hat ihnen ja auch schon der Winter zugesetzt.

Schützen Sie Hund und Katze

Tipps: Hund und Katze (und sich selbst) täglich nach Zecken absuchen und die Blutsauger z.B. mit einer Zeckenzange entfernen. Vorbeugend gibt es Zeckenhalsbänder (Achtung: Katzen könnten beim Freigang mit dem Halsband an einem Ast etc. hängen bleiben und in Lebensgefahr geraten) und Spot Ons für Hunde und Katzen. Nicht jedes Abwehrmittel ist für Tiere geeignet. So vertragen beispielsweise Katzen den Stoff Permethrin nicht, der bei Hunden kein Problem darstellt. Verwenden Sie auch keine vorbeugenden Mittel für den Menschen bei Ihrem Tier. Als natürliches Abwehrmittel wird unter anderem Kokosöl empfohlen. Am besten beraten Sie sich mit dem Tierarzt, wie Hund und Katze auch vor der Hyalomma-Zecke geschützt werden können. Text/Foto: Marion Friedl

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Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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