Hundeerziehung: Bleib ist gar nicht so einfach

kimba-bleibNach meinen Beiträgen zu den Kommandos Sitz und Platz, gehe ich mal optimistisch davon aus, dass Ihr Hund beides beherrscht. Das ist wichtig für die gar nicht so einfache Lektion Bleib, die in Sitz- oder in Platz-Position geübt wird. Letztere ist ideal, weil der Hund zwei Veränderungen vornehmen muss, falls er nicht bleiben sondern Ihnen hinterher will. Aus dem Sitz ist er gleich im Stand und kann loslaufen. Aus der Position Platz, setzt er sich erst, dann steht er auf und dann läuft er zu Ihnen. Sie haben also einen Verhaltensschritt mehr Zeit, um den Hund zu korrigieren bzw. ihn vor dem Laufen zu stoppen. Deshalb lege ich bei diesem Beitrag das Kommando Platz zugrunde.

Das erste Bleib erfolgt nah beim Hund

Starten Sie also in der Platz-Position und bleiben Sie dicht vor dem Hund stehen. Sagen Sie dem Hund Bleib und zeigen Sie ihm als Sichtzeichen gleichzeitig die senkrechte Handfläche als würden Sie Stopp anzeigen. Prima, wenn der Hund sich nicht rührt, denn jetzt warten Sie zwei oder drei Sekunden und lösen die verharrende Stellung auf, indem Sie ihn loben und zu einem Spiel auffordern. Aber es wird nicht lange gespielt, denn der Hund muss das Bleib öfter üben. So fahren Sie etwa 10 bis 15 Minuten lang fort. Das machen Sie nun eine Woche lang täglich.

Der Schwierigkeitsgrad wird nach und nach erhöht

Nun können Sie den Schwierigkeitsgrad erhöhen: Sie bewegen sich ein paar Schritte vom Hund weg. Allerdings werden Sie das rückwärts gehend tun und erst mal nur ein bis zwei Meter Distanz zum Hund aufbauen, denn so haben Sie den Hund im Auge und können ihn – falls er aufstehen will – durch ein Platz-Kommando wieder in die Ausgangsstellung bringen und dabei wieder auf ihn zugehen und vor ihm stehen bleiben. Nun geben Sie erneut das Kommando Bleib inklusive Sichtzeichen und gehen erneut ein paar Schritte rückwärts. Sobald er liegen bleibt, ein paar Sekunden stumm verharren und ihn dann loben und zum Belohnungsspiel rufen. Diese Lektion – Sie ahnen es – wird die Hausaufgabe für eine Woche sein.

Die Distanz zum Hund wird größer

Danach werden Sie langsam die Distanz beim Rückwärtsgehen erhöhen. Meter um Meter wird die Übung für den Hund schwieriger und er wird noch mehr lernen müssen. Schließlich gehen Sie im Alltag selten rückwärts. Also werden Sie das Entfernen vom Hund im Vorwärtsgang absolvieren: Kommando Bleib plus Sichtzeichen, Sie wenden sich ab, gehen ein bis zwei Meter weg, drehen sich um und wenn der Hund noch liegt, wird er gelobt und bespaßt. Sitzt die Lektion nach einer Woche, wird die Distanz meterweise erhöht.

Manchmal ist ein Assistent notwendig

Sollte der Hund nicht liegen bleiben, brauchen Sie Hilfe. Bitten Sie hierfür eine Person, die Ihr Hund kennt und bei der er das Sitz und Platz ebenfalls befolgt (z.B. ein Familienmitglied). Ihr Assistent wird den Hund an der kurzen Leine festhalten, wenn er in Platz-Position ist. Sie werden – wie oben beschrieben – das Kommando/Sichtzeichen geben und sich vom Hund entfernen. Wenn der Hund Hummeln im Hintern bekommt, bleiben Sie stumm stehen und der Assistent bringt den Hund wieder in Platz-Position. Liegt der Hund wieder, gehen Sie zwei weitere kleine Schritte weg von ihm. Nach ein paar Sekunden: Loben und belohnen. Übrigens: Seien Sie nicht zu streng. Wenn der Hund nicht in der akuraten Platz-Position ist, sondern sich gemütlicher seitlich hinlegt, dann ist das durchaus akzeptabel. Pingeligkeiten haben bei der Hundeerziehung für den Hausgebrauch Pause und wenn der Hund in bequemer Liegeposition folgt, dann ist das doch auch ein Erfolg.

In kleinen Schritten zum Erfolg

Jeder kleine Schritt weg vom Hund ist ein großer Schritt zum Erfolg: Achten Sie darauf, dass Sie nicht zu weit weg gehen, dass Sie kleine Schritte machen, dass Sie sich vielleicht langsamer als üblich bewegen und dass Sie nicht zu viele Sekunden bis zum Lob verstreichen lassen. Distanz und Verweildauer können nach und nach erhöht werden, aber am Anfang ist es enorm wichtig, dass der Hund seine Erfolgserlebnisse hat, denn mit dem Lob und der Belohnung verknüpft er sein Tun und kann leichter begreifen, was von ihm verlangt wird. Ist dieser Schalter im Kopf gefallen, sind die nächsten Schritte nicht mehr so schwierig.

Geübt wird in jeder Situation und Position

Apropos nächste Schritte: Beherrscht der Hund das Bleib in Platz-Position, werden Sie das Kommando auch im Sitz üben. Schließlich soll der Hund in jeder Situation und Position auf Sie hören. Beherrscht er dies alles, kann noch mal draufgesattelt werden: Ein Besucher läutet an der Tür, der Hund hört Sitz (das kann er am schnellsten ausführen) und ein Bleib – erst dann öffnen Sie die Tür und wenn der Besucher in der Wohnung ist, lösen Sie das Bleib-Kommando mit einem Lob und einem Leckerli auf. Viel Spaß und viel Erfolg beim Lernen! Und freuen Sie sich auf die nächsten Beiträge zum Abruftraining und Bei Fuß-Gehen sowie auf das Kommando Bring, das kombiniert mit Such und Aus traniert wird. Text/Foto: Marion Friedl

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Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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