Hunde schützen instinktiv ihren Bauch

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Wer vermutet, dass sich Hunde nicht gerne den Bauch streicheln lassen, weil sie kitzlig sind, der irrt sich. Der Hund will vielmehr seinen Bauch instinktiv schützen.

Ein verletzter Bauch kann das Todesurteil sein

Der Bauch gehört zu den empfindlichsten Stellen. Wird er da verletzt, ist das in freier Wildbahn sein Todesurteil. So ein weicher Bauch mit großer Angriffsfläche kann schnell aufgerissen werden und dann geht es den Organen und Blutbahnen an den Kragen. Eine scheußliche Vorstellung, aber der Hund weiß um diese Verletzlichkeit und schützt den Bauch, indem er sich nicht sorglos in die Bauch-nach-oben-Lage begibt und nicht jedem den Bauch für eine Streicheleinheit anbietet. Seinem Menschen gegenüber macht der Hund gerne eine Ausnahme – vor allem, wenn er nie schlechte Erfahrungen gemacht hat und kein Angsthase ist. Die Rückenlage ist ein großer Vertrauensbeweis.

Der Bauch zeigt die Unterlegenheit an

Mit Vertrauen hat die Rückenlage nicht immer etwas zu tun. Unterlegene Hunde zeigen dem stärkeren Artgenossen den Bauch, um mitzuteilen: Ich ergebe mich, ich will keinen Ärger. Im Normalfall ist der Kontrahent mit der Anerkennung als Stärkerer zufrieden. Ihm genügt der Erfolg nach dem Motto „dem hab ich’s gezeigt“, denn Hunde töten einander nicht leichtfertig. Da muss der Konflikt oder die Bedrohung schon groß sein.

Deshalb sollte sich der Mensch auch mal fragen: Habe ich mich bedrohlich angenähert und der Hund ergibt sich? Wenn sich der Mensch über den Hund beugt, ist das für den Hund eine bedrohliche Haltung und er ergibt sich vorsichtshalber. Auch wenn ein Spiel zu lange dauert oder zu heftig wird, zeigt der Hund den Bauch, damit das Spiel aufhört.

Kitzlige Pfote? Auch das kann ein Schutzreflex sein

Und wo sind Hunde nun kitzlig, wenn nicht am Bauch? Das sind Hunde vor allem an den Pfoten, aber auch dieses Zucken ist oft ein Schutzreflex. Der Hund schläft und wird mit einem Finger an der Pfote gekitzelt. Das Gehirn meldet Feind an der Pfote – der Hund zieht die Pfote weg, denn die braucht er für die überlebenswichtige Jagd. Wird er wach, leckt er meist beschwichtigend die kitzelnde Hand und sagt damit: Ich mag Dich, aber Finger weg von meinen Pfoten – die brauche ich noch. Text/Foto: Marion Friedl

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Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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