Hitzehilfe für Tiere in Haus, Stall und Natur

Copyright: Marion Friedl

38 Grad und mehr – die Hitzewelle ist in vollem Gange und sie scheint noch eine Weile zu bleiben. Inzwischen macht sie nicht nur Spaß, sondern sie wird auch zur Gefahr für Nutz-, Haus- und Wildtiere. Doch es gibt auch Hitzehilfe für Tiere.

Landwirte und ihre Tiere sind in Not

Die Landwirte verfüttern bereits das Winterheu ans Vieh, weil auf den Weiden kein Gras mehr wächst und manch ein Bauer befürchtet, dass Notschlachtungen nötig sein werden, weil es nicht genug Futtervorrat für die Tiere gibt. Ob draußen auf der Weide oder drin im Stall – den Nutztieren ist es viel zu heiß. Kühe geraten z.B. schon ab 20 Grad in Stress. Nerven- und Kreislaufsystem können geschädigt werden und das kann lebensgefährlich sein. Außerdem droht draußen Sonnenbrandgefahr und auch Mückenstiche und Hagelschlag bei hitzebedingt heftigen Unwettern können gefährlich werden. Nicht vergessen: Ob Pferd, Kuh, Schaf, Ziege, Esel, Schwein oder Huhn – alle haben bei Hitze mehr Durst als sonst.

Das ist wohltuende Hitzehilfe für Nutztiere:

  • Mehr Trinkwasser als üblich
  • Wasser kühlen und auf Frische achten
  • Grünfutter mit Feuchtigkeitsanteil
  • Schattenplätze (z.B. Bäume, gespannte Planen, Unterstände)
  • Weidegänge in den kühleren Morgen- und Abendstunden
  • Dusche (nur in Offenställen oder draußen, denn Feuchtigkeit im Stall kann bei Hitze eine Sauna-Wirkung haben)
  • Stress-Situationen (z.B. Enge beim Melken) reduzieren
  • Ställe dauerbelüften (z.B. Ventilatoren, Türen und Fenster öffnen)
  • Anstrengende Arbeiten fürs Tier (z.B. Kutschfahrten, Wettbewerbe) meiden.

Auch Haustiere brauchen Hitzehilfe

Doch auch unsere Haustiere können in Gefahr geraten: Auch sie brauchen natürlich Schatten (z.B. am Freigehege), kühle Rückzugsorte (z.B. kühler Flur, kühle Fliesen) und viel Trinkwasser, das häufiger als sonst gewechselt werden sollte, damit es wirklich gesund und erfrischend ist. Nassfutter liefert auch Feuchtigkeit und ist deshalb bei Hitze dem Trockenfutter vorzuziehen. Besonders strapaziös ist die Hitze für Tiersenioren und für kranke Tiere: Sie müssen ausreichend trinken und kühle, feuchte Umschläge an Pfoten und auf der Stirn können wohltuend sein. Achtung bei Kühlmatten: Die können schnell zu kalt sein und sich dann negativ auf den Kreislauf auswirken oder die dauernde Kälte führt zu Erkrankungen (z.B. Blasenentzündung). Auch Fellpflege kann aktive Hitzehilfe sein, denn jedes rausgebürstete Haar kann nicht mehr wärmen.

Unterwegs lauern Gefahren auf Haustiere

  • Schlabbern aus der Pfütze kann eine schwere Leptospirose-Erkrankung zur Folge haben: Deshalb bei Hunden an die jährliche Leptospirose-Impfung denken.
  • Blaualgen in Gewässern sind eine tödliche Gefahr für den Hund, wenn er aus dem belasteten Gewässer trinkt. Übrigens: Blaualgen sind nicht blau, sondern grün und sie sehen auch nicht aus wie Algen, sondern treiben als grünlicher Teppich auf dem Wasser.
  • Das Krankheitsrisiko steigt auch, wenn aus einem Gewässer getrunken wird, das bei Hitze quasi „umgekippt“ ist, unangenehm riecht oder in dem gar hitzebedingt Fische sterben.
  • Auch für Tiere kann ein Schnellstart ins kalte Wasser mit einem tödlichen Schlaganfall enden. Bei Hitze sollte deshalb erst mal ruhig durch das seichte Wasser am Ufer gewatet werden und der Zweibeiner kann seinen Liebling mit einer Handvoll Wasser ein wenig abfrischen.
  • Tagsüber ist es für Spaziergänge oft zu heiß: Deshalb sollten die Gassi-Runden in den kühleren Morgen- und Abendstunden stattfinden. Freigänger-Katzen sollten jederzeit Zugang (es gibt auch Katzenklappen für Extremwetter) zum kühlen Haus und zu Wasser (auch im Garten) haben.
  • Geparkte Autos werden im Nu zum tödlichen Backofen: Kein Haustier sollte also im Auto warten – nicht mal eine Minute lang und auch nicht, wenn das Auto im Schatten parkt. Tiere können nicht schwitzen wie wir Menschen und auch wenn sie hecheln, heizt sich der Körper zu schnell und zu viel auf.
  • Bitte an Geschäftsleute: Bieten Sie Hunden vor der Ladentür einen Schattenplatz mit frischem Wasser an und/oder öffenen Sie auch für Tiere Ihre Ladentür.
  • Egal, wie, wann und wo man unterwegs ist: Eine Wasserflasche in der Handtasche ist ein Muss, damit Mensch und Tier immer genug und sauberes Wasser zu trinken haben!

Wildtieren macht die Hitze ebenfalls zu schaffen

Bei Hitze wird im Tierreich auf Sparflamme gelebt. Man bewegt sich langsamer und weniger, um Energie zu sparen. Aktivitäten werden in kühlere Tageszeiten verlagert und wer auf die Jagd gehen muss, freut sich, wenn der anstrengende Sprint mal ausfallen kann. Manchmal ist es auch reine Not, wenn man dann mal im Hühnerstall vorbei schaut, denn wer bei Hitze schlapp macht, erwischt oft keine Beute und bleibt hungrig. Wer kann, zieht sich an kühle, schattige Orte zurück (z.B. in den Wald oder in Hecken). Wasserstellen sind natürlich der Trink- und Badehit, doch längst sinken die Pegel in den Flüssen, in zu warmen Teichen/Seen sterben die Fische und mangels Regen fehlt es sogar an Pfützen.

So können Sie Wildtieren helfen:

  • Vogeltränken im Garten sind nicht nur für Vögel wichtig: Auch Insekten und kleine Säugetiere freuen sich darüber
  • Wasserstellen säubern und das Wasser regelmäßig wechseln
  • Schattenplätze schaffen (z.B. Plane, Sonnenschirm, Karton oder Holzkiste als Unterstand etc.)
  • Rasen und Pflanzen gießen, damit feuchte Erde (z.B. für Würmer, Käfer) und Grünfutter zur Verfügung steht.
  • Rasen höher wachsen lassen als üblich (schützt vor dem Ausdorren)
  • Auch mal Grünfutter (z.B. Möhre, Salatblatt) auslegen, aber bitte nichts gären/verrotten lassen.
  • Übrigens: Eine Wasserstelle (Schüssel, Eimer) kann auch außerhalb des Gartens angeboten werden, z.B. auf einer Wiese/Lichtung oder etwas abseits von einem Spazierweg im schützenden Dickicht.
  • Wer ein Tier in Hitzenot sieht, kann die Tierrettung, den Tierschutz, den Landwirt oder das Forstamt verständigen.

Kommen Sie gut durch die Affenhitze

Machen Sie es gemeinsam mit Ihrem Hund, Ihrer Katze gerne mal wie die Südländer: Machen Sie mittags eine Siesta und werden Sie zum Abend hin wieder munter. Und wie wäre es mit einem kleinen Pool, damit Sie mit Ihrem Hund plantschen können (vielleicht dürfen Sie ja auch ein Fußbad im Hundepool nehmen). Nicht schaden kann auch ein gewisser Vorrat an Eis: Vanille für Sie und Wasser-Eiswürfel mit eingefrorenem Leckerli drin für die Fellnase. Es gibt sogar Eisball-Spiele und einen interaktiven Garten-Trinkbrunnen für Hunde und auch Trinkbrunnen für Katzen, die oft zu wenig trinken. Damit sich die Räume im Haus so wenig wie möglich aufheizen, tagsüber die Fenster schließen und abdunkeln, aber abends und nachts alles weit aufmachen und lüften. Ventilatoren können angenehm sein, aber Achtung: Die Zugluft kann auch für Mensch und Tier ungesund sein (z.B. Bindehautentzündung, Erkältung, Ohrenschmerzen). Alles klar? Dann kommen Sie mit der richtigen Hitzehilfe gemeinsam mit Ihrem Liebling gut durch die Affenhitze! Text/Foto: Marion Friedl

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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