Der Maulwurf wohnt mit Klimaanlage

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Er ist fast blind, hat glänzendes schwarzes Fell, buddelt wie ein Weltmeister und ist nicht immer beliebt. Die Rede ist vom Maulwurf, der manche Gartenbesitzer mit seinen Erdhügeln verärgert. Doch warum macht er das eigentlich? Und wie schaut es bei ihm zu Hause aus? Besuchen wir den kleinen Kerl doch einfach mal.

Maulwürfe pupsen die Bude voll

Sie meinen, dass Sie in einem großen Haus wohnen? Vergessen Sie es. Das Zuhause eines Maulwurfs ist so groß, dass es 200 Meter lange Gänge braucht, um alle Räume zu erreichen. Und zur Maulwurf-Wohnung gehört ein unterirdisches Jagdrevier mit satten 3.000 Quadratmetern Größe. Laut Naturschutzbund Deutschland (NABU) bevorzugen Maulwürfe Wohnungern in bis zu 80 Zentimetern unter der Erde. Der Erdhügel oben ist quasi die Klimaanlage: Maulwürfe pupsen enorm viel und irgendwo muss die Stinkeluft ja hin. Er hat halt ständig Hunger und mampft aufs Jahr verteilt 37 Kilo Insekten, Würmer, Raupen, Schnecken, Spinnen  und sogar Mäuse. Das kann zur Herausforderung für die Verdauung werden.

Auch überzeugte Singles bekommen Nachwuchs

Zum Jagen unter Tage braucht der Maulwurf keine guten Augen. Er nutzt sein gutes Gehör und seine Tasthaare. Und wer hätte das gedacht: So ein Maulwurf sieht zwar pummelig und gemütlich aus, aber wenn es um Beute geht, dann kann er so richtig Gas geben. Unterirdisch stellt er seinen Opfern rasant nch und verspeist sie auf der Stelle. Außer es wartet Nachwuchs im Nest, dann schleppt Mama Maulwurf den einen oder anderen Leckerbissen ins Kinderzimmer.

Klar, der Nachwuchs kommt bei einer Paarung zustande. Aber nur dafür unterbricht der überzeugte Mauwurf-Single sein Solisten-Dasein. Die große Wohnung mit jemanden teilen? Niemals! Nicht mit einem Artgenossen und schon gar nicht mit Wühlmäusen, Die fliegen ja sofort raus!

Ist der Haufen – also der Erdhaufen – besonders groß, dann ist die Wiese oft feucht und nass. Das Jungtiernest befindet sichn dann nicht unteerirdisch sondern oben im Haufen-Penthouse, damit es nicht absäuft, wenn es sozusagen in Mutters Tunnelbude reinregnet.

Ein Vielfraß braucht mehrere Vorratskammern

Eine Maulwurf-Wohnung verfügt gleich über mehrere Vorratskammern, denn man muss ja auch für kalte und schlechte Zeiten vorsorgen, wenn man dauernd Kohldampf hat und wahrscheinlich schon deshalb nicht dazu kommt, Winterschlaf zu halten. Regenwürmer sind der bevorzugte Wintervorrat. Und jetzt wird es gruselig: Der Maulwurf beißt dem Wurm ein Ende ab, damit er noch lebt und frisch bleibt. Aber der arme Wurm ist so verletzt, dass er nicht aus der Vorratskammer flüchten kann.

Der Buddler leistet übrigens Schwerstarbeit: Er bewegt Erdmengen, die 20 mal so viel wiegen wie der Maulwurf selbst. Der bringt gerade mal 100 Gramm auf die Waage. Gut, so viel frisst ein Maulwurf auch pro Tag. Aber wer hart arbeitet, muss halt auch viel essen, um bei Kräften zu bleiben. Beim Graben nutzt er seine schaufelartigen Pfoten und er hält die Klappe. Er verschließt Maul und Nasenlöcher, damit es nicht reinstaubt und erst recht nicht reinrieselt.

Ein platter Hügel vertreibt keinen Maulwurf

Schon mal versucht, einen Maulwurf zu erwischen? Die Versuche können Sie sich sparen. Mit seinen empfindlichen Nasentasthaaren spürt der Maulwurf die kleinsten Erschütterungen und ist sofort alarmiert. Jetzt streckt er seinen Kopf bestimmt nicht beim Erdhügel raus. Was er stattdessen macht, kann ich nur vermuten, aber ich schätze mal, dass er ein Essenspäuschen einlegt bis die Luft wieder rein ist.

Gut, Maulwürfe sind putzig, Aber auch lästig. Doch wie wird man dieses Tier wieder los? Bitte nicht mit Chemie. Maulwürfe sind geschützt und die chemische Keule ist obendrein gemein und unfair. Es geht auch anders. Allerdings: Den Hügel platt treten bringt nichts: Es fliegt in Kürze wieder Erde und es entsteht ein neuer Hügel.

Wegen Hundehaaren und Knoblauch zieht nicht jeder um

Man sagt, dass Maulwürfe Hundehaare hassen. Also kann man es damit ja mal versuchen. Bei der Fellpflege bleibt ja genug übrig: Buddeln Sie im Erdhügel so lange, bis sie den röhrenartigen Eingang zur Maulwurf-Wohnung gefunden haben und stopfen sie die Hundehaare da rein. Mein Versuch schlug allerdings fehl.

Ähnlich können Sie es auch mit Knoblauch versuchen. Den mögen Maulwürfe auch nicht. Verständlich: Erstens ist er ein Fleischfresser und macht dabei keine vegetarische Ausnahme. Und zweitens stinkt es in der Pups-Bude sowieso schon genug. Da braucht man nicht auch noch Knoblauch-Mief. Außer meiner. Der fpühlte sich im Mief anscheinend wohl. Den Knoblauch kann man auch mit Nadeln vom Lebensbaum und mit Holunder zu einem Sud kochen, den man dann in den Maulwurf-Gang gießt. Das kann laut NABU auch helfen. Klar, das Zeug stinkt dem Fleischfresser ja noch mehr als Knoblauch allein. Hätte ich das mal gewusst…

Pfähle statt Piepgerät? Die Katze ist erfolgreicher

Der NABU hat noch einen Tipp: Holzpfähle in die Erdhaufen einschlagen und immer wieder dagegen schlagen. Irgendwann geht ihm das so auf die sensiblen Ohren, dass er die Flucht ergreifen könnte. Ich wollte es mir einfach machen und stopfte ein Ultraschallgerät in den Erdhügel. Das piepende Ding hat nur einem geholfen: Dem Hersteller. Es spülte Geld in sein Kasse. Der Maulwurf blieb mir erhalten.

Erfolgreich war bei mir die Katze aus der Nachbarshaft. Sie hatte wohl Mitleid mit mir und meinen vergeblichen Verswuchen, den Maulwurf zu einem Umzug zu überreden. Durchs Fenster habe ich abends die Katze beobachtet. Sie wartete lang auf ihr Opfer. Aber offenbar nicht vergeblich: Am Morgen lag ein toter Maulwurf vor meiner Haustür. Irgendwie tat er mir leid, aber es war zumindest eine natürliche Auslese… Text: Marion Friedl / Foto: Dirk Beeki-Schumacher Pixabay

 

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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