Aufgepasst! Frühling ist Jungtierzeit

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Der Frühling bringt neues Leben: Die Bäume werden wieder grün, die Blumen machen die Natur bunter und die Jungtiere entdecken die Welt. In der Jungtierzeit gibt es für die Menschen einiges zu beachten, wenn man den Tierkindern einen gelungenen Start ins Leben ermöglichen will.

Finger weg vom Nachwuchs

Ob Robbenkind, Rehkitz, Hasenjunges, Eichhörnchen-Jungspund oder kleiner Piepmatz – das Motto lautet „Finger weg!“ Egal, um welches Jungtier es sich handelt: Was scheinbar verlassen ist, kläglich piept oder ruft, ist oft gar nicht hilflos und verloren. Das Muttertier ist meist in der Nähe, aber es muss beispielsweise jagen, sich selbst ernähren oder einen Fressfeind von ihren Jungen ablenken. Deshalb: Abstand halten, nicht anfassen, sondern allenfalls beobachten. Wenn der Menschengeruch am Jungtier haftete, wird es von der Mutter oft nicht mehr angenommen. Und: Das Muttertier traut sich erst wieder zum Nachwuchs zurück, wenn kein Mensch mehr da ist. Übrigens: Kaulquappen aus dem Teich holen oder kleine Frösche fangen – auch das sind keine guten Ideen.

Hunde an die Leine

In der Jungtierzeit gehören Hunde unbedingt an die Leine. Ob Wiese, Feld, Wald, Gewässer oder Gebirge  – wenn tragende bzw. brütende Muttertiere oder auch bereits frisch gebackene Mütter von einem Hund gehetzt werden, verlieren sie wertvolle Energie und manchmal sogar ihr Leben, wenn sie z.B. panisch vor ein Auto laufen oder vom Hund erwischt werden. In Gefahr geraten können auch Bodenbrüter, kleine Säugetiere, die im hohen Gras oder in einer Kuhle auf die Rückkehr der Mutter warten. Sie können schlichtweg nicht schnell genug vor einem Hund fliehen und müssen auch erst noch lernen, wovor sie sich in Acht nehmen müssen und wie sie das am besten anstellen. Opfer von Hunden werden nicht selten auch Vögel bei ihren ersten Flugversuchen.

Lauernde Katzengefahr

Ein Glöckchen kann Leben retten, wenn es sich am Halsband einer Katze befindet. Zumindest sind die Muttertiere gewarnt und können rechtzeitig flüchten oder ein Ablenkungsmanöver wagen und später zu ihrem Gelege oder Jungtier zurückkehren. Gefährdet sind natürlich auch kleine Piepmätze bei ihren ersten Flugversuchen.

Nisthilfen mit Sicherheitsfaktor

Für Nisthilfen sind Wildvögel dankbar. Allerdings sollten sie auch sicher sein. Im Handel gibt es Nistkästen mit unterschiedlich großen Einfluglöchern, damit sie auch zu den verschiedenen Vogelgrößen passen. Und: Aufgehängt werden sollten die Nisthilfen da, wo ein Fressfeind, wie z.B. Eichhörnchen oder Katze, möglichst nicht einbrechen kann.

Hecken nicht schneiden

In vielen Hecken wächst neues Leben heran. Vor allem Vögel, aber auch Kleinsäuger, nutzen Gartenhecken als sicheres Versteck, um Eier auszubrüten und Jungtiere aufzuziehen. Deshalb sollten Hecken in der Jungtierzeit nicht geschnitten werden.

Bitte nicht stören und nicht umziehen

Manche Tiere suchen sich die eigenartigsten Plätze für eine Geburt aus, wie etwa das Eichhörnchen im Postkasten, die Maus in der winterverwaisten Hundehütte oder der Siebschläfer im Gartenhaus. Mauernischen, der Heuboden im Stall, Gebäuderitzen, Dachvorsprünge und andere Rückzugsorte sind ebenfalls beliebte Kinderstuben für beispielsweise Vögel und Fledermäuse. Kröten wiederum ziehen sich unter feuchte Erde oder losen Splitt zurück und schätzen natürlich Wasser in der Nähe. Wen man auch immer entdeckt, in der Jungtierzeit lautet die Devise: Psst! Bitte nicht stören und das Mutter-Kind-Lager nicht umsetzen.

Rücksicht und kleine Hilfen

Mit ein bisschen Rücksichtnahme und offenen Augen und Ohren kann in der Jungtierzeit viel geholfen werden. Jedes Tierkind hat es verdient, neugierig und gesund in ein aufregendes Leben zu starten. Sicherheit ist ein Zauberwort für diesen gelungenen Start ins Leben. Tipp: Wenn das Frühjahr besonders nass und kalt ist, sind einige Tierfamilien dankbar, wenn eine Stall- oder Gartenhaustür offen bleibt, ein Holzstapel zum Rückzug einlädt oder wärmendes und trockenes Stroh angeboten werden. Und sollte tatsächlich ein Eichhörnchen aus dem Nest gefallen sein oder ein anderes Jungtier Hilfe benötigen: Erst mal ab zum Profi (Tierarzt, Auffangstation) und dort um Rat fragen, damit das Kleine auch richtig gut aufgepäppelt werden kann.  Text/Foto: Marion Friedl

About

Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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