Angsthase an der Leine? Zeigen Sie Mut!

kimba-brueckeDa steht der Angsthase vor der Brücke und traut sich keinen Schritt mehr weiter. Oder schlottert Bello vor Angst am Bahnsteig, wenn der Zug einfährt? Egal, wovor sich der Hund fürchtet, er braucht seinen Menschen. Nicht um getröstet, beruhigt, gestreichelt oder gar hochgehoben zu werden. Auch nicht, um den geordneten Rückzug anzutreten. Nein, er braucht den Menschen als mutiges Richtmaß.

Selbstbewusstsein überträgt sich auf den Hund

Nun mögen Sie empört fragen: Wie herzlos ist das denn, dass ich meinen Hund nicht beruhigen oder trösten darf, wenn er Angst hat? Ich aber sage Ihnen: Sie tun Ihrem kleinen Angsthasen an der Leine einen viel größeren Gefallen, wenn Sie mutig und selbstbewusst voran marschieren und ihm zeigen, dass nichts Schlimmes passiert, wenn man diese verflixte Brücke überquert oder wenn man gelassen wartet, bis der Zug stoppt und dann in dieses laute Blechmonster einsteigt. Ihr Selbstbewusstsein überträgt sich auf den Hund und macht ihn mutiger.

Im Rudel gibt der Stärkere den Ton an

Im Hunderudel orientieren sich die Hunde an den Artgenossen. Die Stärksten geben den Ton an und zeigen in Zweifelsfällen Mumm. Das wiederum vermittelt den anderen Hunden das Gefühl von Sicherheit und bestärkt sie darin, es dem mutigen Rudelkumpel nachzumachen. Kaum haben sie die vermeintliche Gefahr gemeistert und gemerkt, dass sie doch tatsächlich mit heiler Haut davon gekommen sind, hat das Zittern und Zurückweichen ein Ende – und zwar nicht nur für den Augenblick, sondern auch beim nächsten Mal, wenn diese Mutprobe erneut zu schaffen ist.

Tricksen Sie die Angst des Hundes aus

Im Zusammenleben von Hund und Mensch ist der Zweibeiner der ranghöhere Partner (zumindest sollte das so sein) und nimmt damit die Stellung des mutigen Alpha-Tieres ein, das sagt, wo es lang geht. Und genau das müssen Sie tun: Ohne zu zögern, zu stoppen und auch ohne ein Wort zu sagen oder den Hund zu locken, gehen Sie stramm auf die Brücke zu und wenn der Hund stehen bleibt, gehen Sie einfach stumm weiter, denn er muss wohl oder übel an der Leine mitgehen. Das wird er widerwillig und bockend tun, aber hinterher wird er sich so richtig groß fühlen, weil Sie ihn am anderen Ende der Brücke tüchtig loben und belohnen werden. Sie können auch mit einem Trick arbeiten: Nähern Sie sich spielerisch der Brücke, indem Sie dem angeleinten Hund immer wieder sein Lieblingsspielzeug vor die Pfoten werfen und er es zu Ihnen bringen kann. Dieses Spiel führen Sie auch an der Brücke unvermindert fort und mit diesem Spiel werden Sie gemeinsam die Brücke überqueren. Natürlich gibt es am anderen Ende wieder das Lob und die Belohnung.

Im Blechmonster wartet die Belohnung

Ähnlich können Sie auch am Bahnsteig (bitte mit viel Abstand zu den Gleisen) verfahren. Lenken Sie den Hund mit einem Spielzeug in der Hand ab: Da werfen Sie aber nicht, denn der Hund soll ja ruhig sitzen bleiben und nicht durch einen unbedachten Sprung in Gefahr geraten. Sie zeigen ihm das Sielzeug vor Ihrer Brust, wedeln damit, verstecken es kurz hinter dem Rücken und holen es wieder hervor. Das machen Sie bis der Zug steht und sich die Türen öffnen. Dann werfen Sie das Spielzeug in den Zug und der Hund darf hinterher und sich das Spielzeug holen. Logisch, dass er für diese Meisterübung im Zug sein Lob und ein Leckerli bekommt. Der Hund wird mehrere Dinge verknüpfen: Mein Mensch fürchtet sich nicht, er spielt sogar ganz entspannt mit mir – also muss ich auch keine Angst haben. Im Zug bekomme ich eine Belohnung – also ist diese Blechbüchse kein böses Ungeheuer, sondern es spendiert mir drin etwas Angenehmes. Nur Mut, einen Versuch kann man doch auf jeden Fall wagen, oder? Text/Foto: Marion Friedl

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Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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