Kleine gute Taten gegen das Insektensterben

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Diese Hiobsbotschaft in den Medien rüttelte wach: Das Insektensterben ist voll im Gange. Bei den Insekten hat das Artensterben eingesetzt und es macht auch nicht vor Deutschland halt. Rund 70 Prozent Rückgang wurde bei den Insekten verzeichnet. Unter Verdacht gerieten unter anderem die Landwirte und ihre Pestizide auf den Feldern, aber auch der Klimawandel und die Bebauung von Flächen. Doch mal ehrlich: Irgendwie müssen wir uns in punkto Insektensterben alle ein wenig an der Nase fassen – vor allem, wenn wir einen Garten oder Balkon haben. Die gute Nachricht: Jeder kann etwas für die Insekten tun.

Augen auf beim Honigkauf

Beim Honigkauf geht es eigentlich schon los: Warum Honig aus fernen Ländern kaufen, wenn wir bei heimischen Imkern einkaufen können, die ihre Bienenvölker hegen und pflegen. Im Supermarkt informiert das Etikett über die Herkunft des Honigs. Um Krankheiten und Milbenbefall zu mindern und möglichst vom Bienenstock fernzuhalten, haben Imker übrigens eine Bienenkugel erfunden, die mit ihren runden Formen sauberer und trockener bleibt als die eckigen Bienenstöcke. Vielleicht wäre es auch eine gute Idee, wenn sich beispielsweise mehr Nachbarn zusammen tun würden und beispielsweise auf einer Dachterasse Bienenstöcke aufstellen und eigenen Honig ernten. Zugegeben, das ist etwas aufwändig, weil es eine Imker-Ausbildung voraussetzt. Aber wer Bienen mag, hat eine schöne Aufgabe als Ausgleich zum Job gefunden und tut etwas gegen das Insektensterben.

Ein Hotel für Hummeln, Wespen, Bienen und Co.

Weniger aufwändig ist es, den Insekten ein Hotel anzubieten. Insektenhotels kosten nicht die Welt und können entweder selbst gebaut oder auch gekauft werden. Mit Holz, Kork und Co. bieten diese Hotelzimmer jeden Komfort, den sich z.B. Hummeln, Bienen oder Wespen wünschen. So ein Insektenhotel ist auch nicht riesig: Es hat eigentlich in jedem Garten und sogar auf dem Balkon Platz.

Blütenzauber für Garten und Balkon

Kleine Bequemlichkeitssünden können Insekten ganz schön in Bedrängnis bringen. Es gibt viele schöne Gärten und Balkonbepflanzungen, aber leider auch Faulenzer-Gärten. Rasen mähen reicht schon, denken sich so einige Gartenbesitzer und verzichten auf Blumenbeete, Obstbäume, Kräuter und Gemüseanbau. Das erspart das Laub rechen, Unkraut zupfen, gießen und vieles mehr – doch es entzieht den Insekten auch wichtige Nahrungsquellen und was nicht bestäubt wird, kann keine Ernte für den Menschen bringen. Geht der Insektenbestand mangels Nahrungsangebot zurück, dann bedeutet dieses Insektensterben auch einen Artenrückgang bei den Vögeln, die von Insekten satt werden. Ein verhängnisvoller Kreislauf, der eines Tages auch den Menschen erfassen wird. Also: Ärmel hochkrempeln und Beete pflegen und sich selbst mit Frischkost versorgen.

Blütenarme Gärten sind also nicht nur bitter für die Insekten. Statt sich über einen makellosen grünen Rasen zu freuen, sollte man sich auch über Löwenzahn und Klee in der Wiese freuen. Nicht vergessen: Wer Honig haben will, der muss den Bienen schon was bieten: Blühende Pflanzen und Bäume sind ein echtes Super-Angebot gegen das Insektensterben. Davon profitieren übrigens nicht nur die Bienen und Hummeln, sondern auch die Schmetterlinge, die vielerorts ebenfalls rar geworden sind. Wer keinen Garten hat, der kann mit bunter Farbenpracht im Balkonkasten punkten. Eine Wasserstelle – ob als Teich im Garten oder als Zierbrunnen auf dem Balkon – lockt vielleicht auch Libellen an. Noch ein großes Verdienst ist der Verzicht auf Unkraut- und Schädlingsvernichter. Das ist Gift für die Insektenwelt und es könnte leider auch die nützlichen Marienkäfer treffen, denn die fressen nämlich Pflanzenschädlinge.

Laub-Unterschlupf für Krabbeltiere

Auch im Herbst kann dem Insektensterben Paroli geboten werden. Was wird da gegraben und gewühlt – die Erde lebt regelrecht. Und daran sind nicht nur Regenwurm, Maulwurf und Wühlmaus schuld, sondern auch die Käfer. Viele Käferarten tummeln sich gerne im Erdreich – auch wenn sie da vielleicht dem Maulwurf direkt vor die hungrige Nase laufen könnten. Krabbeltiere freuen sich auch, wenn der Mensch im Herbst mal vergisst, einen Laubhaufen wegzuräumen. Das bietet einen Unterschlupf – und zwar nicht nur Käfern und Spinnen, sondern auch kleinen Säugetieren, wie Igel. So ein kleines Laubbeet für Insekten kann man übrigens auch künstlich schaffen: Eine kleine, flache Wanne mit Laub wird doch noch auf dem Balkon Platz haben, oder? Marion Friedl

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Ich heiße Marion Friedl und bin Tierpsychologin und Journalistin. Mehr Infos gibt es übrigens auf der Seite: Über mich.

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